2009-02-26

Wagner Die Meistersinger von Nürnberg (1868, WWV 96)

Richard Wagner


Die Meistersinger von Nürnberg


(1868)

WWV 96

Description


YouTube playlist



Sources for libretto: murashev.com,
rwagner.net (German), rwagner.net (English),
Naxos.com (English synopsis, German libretto)
The text below is from murashev.com;
descriptions of each scene are from Wikipedia.






Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg (1868, WWV 96)
@Wikipedia, @IMSLP, YouTube playlist
Performance and video information
Conductor Daniel Barenboim tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Orchestra Das Festspielorchester tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Director Wolfgang Wagner tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Chorus Der Festspielchor tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Venue Bayreuth tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Performance date 1999 tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Subtitles Español tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Performance duration 4:33:03 tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Video type 480p 4:3 tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
YouTube uploader La Voz por Excelencia tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
YouTube upload date 2015-10-10 tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
YouTube deletion date tag-1 tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Dramatis Personæ
Hans Sachs, cobbler, Meistersinger - bass-baritone Robert Holl tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
David, Sachs' apprentice - high character-tenor Endrik Wottrich tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Veit Pogner, goldsmith, Meistersinger - bass Matthias Hölle tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Eva, Pogner's daughter - soprano Emily Magee tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Magdalena, Eva's nurse - mezzo-soprano Birgitta Svendén tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Walther von Stolzing, a young knight from Franconia - heldentenor Peter Seiffert tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Sixtus Beckmesser, town clerk, Meistersinger - light baritone Andreas Schmidt tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Fritz Kothner, baker, Meistersinger - baritone Hans-Joachim Ketelsen tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
Kunz Vogelgesang, furrier, Meistersinger - tenor
Konrad Nachtigall, tinsmith, Meistersinger - bass
Hermann Ortel, soapmaker, Meistersinger - bass
Balthasar Zorn, pewterer, Meistersinger - tenor
Augustin Moser, tailor, Meistersinger - tenor
Ulrich Eisslinger, grocer, Meistersinger - tenor
Hans Foltz, coppersmith, Meistersinger - bass
Hans Schwarz, stocking weaver, Meistersinger - bass
A Nightwatchman - bass-baritone
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Citizens of all guilds and their wives, journeymen, apprentices, young women, people of Nuremberg tag-1 tag-2 tag-3 tag-4 tag-5 tag-6
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Libretto and links
# German original
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English translation
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Bayreuth 1999
Daniel Barenboim
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Erster Aufzug
Erster Aufzug, Erste Szene
Scene 1: Interior of Katharinenkirche (St. Catherine's Church) in Nuremberg, St John's Eve or Midsummer's Eve, June 23

After the prelude, a church service is just ending with a singing of
Da zu dir der Heiland kam (When the Saviour came to thee), an impressive pastiche of a Lutheran chorale,
as Walther von Stolzing, a young knight from Franconia,
addresses Eva Pogner, whom he had met earlier, and asks her if she is engaged to anyone.
Eva and Walther have fallen in love at first sight,
but she informs him that her father, the goldsmith and mastersinger Veit Pogner,
has arranged to give her hand in marriage to the winner of the guild's song contest on St. John's Day (Midsummer's Day), tomorrow.
Eva's maid, Magdalena, gets David, Hans Sachs's apprentice, to tell Walther about the mastersingers' art.
The hope is for Walther to qualify as a mastersinger during the guild meeting, traditionally held in the church after Mass,
and thus earn a place in the song contest despite his utter ignorance of the master-guild's rules and conventions.
ERSTER AUFZUG

ERSTE SZENE

Die Bühne stellt das Innere der Katharinenkirche in schrägem Durchschnitt dar;
von dem Hauptschiff, welches links ab, dem Hintergrunde zu,
sich ausdehnend anzunehmen ist, sind nur noch die letzten Reihen der Kirchenstühlbänke sichtbar:
den Vordergrund nimmt der freie Raum vor dem Chor ein;
dieser wird später durch einen schwarzen Vorhang gegen das Schiff zu gänzlich geschlossen.
(In der letzten Reihe der Kirchenstühle sitzen Eva und Magdalene;
Walther von Stolzing steht, in einiger Entfernung,
zur Seite an eine Säule gelehnt, die Blicke auf Eva heftend,
die sich mit stummem Gebärdenspiel wiederholt zu ihm umkehrt)

CHORAL DER GEMEINDE
Da zu dir der Heiland kam,
(Walther drückt durch Gebärde
eine schmachtende Frage an Eva aus)
willig seine Taufe nahm,
(Evas Blick und Gebärde sucht zu
antworten; doch beschämt schlägt
sie das Auge wieder nieder)
weihte sich dem Opfertod,
(Walther zärtlich, dann dringender)
gab er uns des Heils Gebot:
(Eva, Walthern schüchtern abweisend,
aber schnell wieder seelenvoll
zu ihm aufblickend)
das wir durch sein' Tauf' uns weihn,
(Walther: entzückt, höchste
Beteurungen, Hoffnung)
seines Opfers wert zu sein.
(Eva, selig lächelnd, dann beschämt
die Augen senkend)
Edler Täufer!
(Walther dringend, aber schnell
sich unterbrechend)
Christs Vorläufer!
(Er nimmt die dringende Gebärde
wieder auf, mildert sie aber
sogleich wieder, um dadurch
um eine Unterredung zu bitten)
Nimm uns gnädig an,
dort am Fluss Jordan!

(Die Gemeinde erhebt sich.
Alles wendet sich dem Ausgange zu und verlässt unter dem Nachspiele allmählich die Kirche.
Walther heftet in höchster Spannung seinen Blick auf Eva,
welche ihren Sitz ebenfalls verlässt und, von Magdalene gefolgt, langsam in seine Nähe kommt. -
Da Walther Eva sich nähern sieht, drängt er sich gewaltsam durch die Kirchgänger zu ihr.)

WALTHER
(leise, doch feurig zu Eva)
Verweilt! Ein Wort! Ein einzig Wort!

EVA
(sich schnell zu Magdalene umwendend)
Mein Brusttuch! schau!
Wohl liegt's im Ort -


MAGDALENE
Vergesslich Kind! Nun heisst es: such'!
(Sie geht nach den
Kirchstühlen zurück.)

WALTHER
Fräulein, verzeiht der Sitte Bruch.
Eines zu wissen, Eines zu fragen,
was müsst' ich nicht zu brechen wagen?
Ob Leben oder Tod? Ob Segen oder Fluch?
Mit einem Worte sei mir's vertraut:
mein Fräulein, sagt...


MAGDALENE
(wieder zurückkommend)
Hier ist das Tuch.

EVA
O weh! Die Spange.

MAGDALENE
Fiel sie wohl ab?
(Sie geht abermals
suchend nach hinten.)

WALTHER
Ob Licht und Lust, oder Nacht und Grab?
Ob ich erfahr', wonach ich verlange,
ob ich vernehme, wovor mir graut: -
Mein Fräulein sagt...


MAGDALENE
(wieder zurückkommend)
Da ist auch die Spange. -
Komm, Kind! Nun hast du Spang' und Tuch...
O weh! da vergass ich selbst mein Buch!
(Sie geht nochmals eilig nach hinten.)

WALTHER
Dies eine Wort, ihr sagt mir's nicht?
Die Silbe, die mein Urteil spricht?
Ja oder nein! - ein flücht'ger Laut:

(entschlossen und hastig)
mein Fräulein, sagt, seid ihr schon Braut?

MAGDALENE
(die wieder zurückgekehrt ist
und sich vor Walthern verneigt)
Sieh da! Herr Ritter?
Wie sind wir hochgeehrt:
mit Evchens Schutze
habt ihr euch gar beschwert!
Darf den Besuch des Helden
ich Meister Pogner melden?

WALTHER
(leidenschaftlich)
O, betrat ich doch nie sein Haus!

MAGDALENE
Ei! Junker, was sagt ihr da aus?
In Nürnberg eben nur angekommen,
wart ihr nicht freundlich aufgenommen?
Was Küch' und Keller, Schrein und Schrank
euch bot, verdient es keinen Dank?

EVA
Gut Lenchen, ach! das meint er ja nicht;
doch von mir wohl wünscht er Bericht, -
wie sag' ich's schnell?
Versteh' ich's doch kaum!
Mir ist, als wär' ich gar wie im Traum!
Er frägt, ob ich schon Braut?


MAGDALENE
(heftig erschrocken)
Hilf Gott! Sprich nicht so laut!
jetzt lass uns nach Hause gehn,
wenn uns die Leut' hier sehn!

WALTHER
Nicht eh'r, bis ich alles weiss!

EVA
(zu Magdalene)
's ist leer, die Leut' sind fort.

MAGDALENE
Drum eben wird mir heiss!
Herr Ritter, an andrem Ort!

(David tritt aus der Sakristei ein und macht sich darüber her, die schwarzen Vorhänge zu schliessen)

WALTHER
(dringend)
Nein! Erst dies Wort!

EVA
(bittend zu Magdalene)
Dies Wort?

(Magdalene, die sich bereits umgewendet, erblickt David und hält an)

MAGDALENE
(zärtlich, für sich)
David! Ei! David hier?

EVA
Was sag' ich? Sag' du's mir!

MAGDALENE
(wendet sich wieder zurück und zu Walther, zerstreut,
öfter nach David sich umsehend)
Herr Ritter, was ihr die Jungfer fragt,
das ist so leichtlich nicht gesagt.
Fürwahr ist Evchen Pogner Braut -

EVA
(lebhaft unterbrechend)
Doch hat noch keiner den Bräut'gam erschaut!

MAGDALENE
Den Bräut'gam wohl noch niemand kennt,
bis morgen ihn das Gericht ernennt,
das dem Meistersinger erteilt den Preis -

EVA
(enthusiastisch)
Und selbst die Braut ihm reicht das Reis.

WALTHER
(verwundert)
Dem Meistersinger?

EVA
(bang)
Seid ihr das nicht?

WALTHER
Ein Werbgesang?

MAGDALENE
Vor Wettgericht.

WALTHER
Den Preis gewinnt?

MAGDALENE
Wen die Meister meinen.

WALTHER
Die Braut dann wählt?

EVA
(sich vergessend)
Euch oder keinen!
(Walther wendet sich, in grosser Aufregung auf und ab ghehend,
zur Seite)

MAGDALENE
(sehr erschrocken)
Was, Evchen! Evchen! Bist du von Sinnen?

EVA
Gut Lene, hilf mir den Ritter gewinnen!

MAGDALENE
Sahst ihn doch gestern zum erstenmal?

EVA
Das eben schuf mir so schnelle Qual,
dass ich schon längst ihn im Bilde sah:
sag', trat er nicht ganz wie David nah?


MAGDALENE
(höchst verwundert)
Bist du toll! Wie David?

EVA
Wie David im Bild?

MAGDALENE
Ach! meinst du den König mit der Harfen
und langem Bart in der Meister Schild?

EVA
Nein! der, des Kiesel den Goliath warfen,
das Schwert im Gurt, die Schleuder zur Hand,
das Haupt von lichten Locken umstrahlt,
wie ihn uns Meister Dürer gemalt!


MAGDALENE
(laut seufzend)
Ach, David! David!

DAVID
(der hinausgegangen und jetzt wieder
zurückkommt, ein Lineal im Gürtel und
ein grosses Stück weisser Kreide
an einer Schnur schwenkend)
Da bin ich; wer ruft?

MAGDALENE
Ach, David! Was ihr für Unglück schuft!
(beiseite)
Der liebe Schelm! Wüsst er's noch nicht?
(laut)
Ei seht, da hat er uns gar verschlossen?

DAVID
(zärtlich)
Ins Herz euch allein!

MAGDALENE
(feurig)
Das treue Gesicht!
Ei sagt! Was treibt ihr hier für Possen?

DAVID
Behüt es! Possen? Gar ernste Ding:
für die Meister hier richt' ich den Ring.

MAGDALENE
Wie? Gäb' es ein Singen?

DAVID
Nur Freiung heut':
der Lehrling wird da losgesprochen,
der nichts wider die Tabulatur verbrochen.
Meister wird, wen die Prob' nicht reut.

MAGDALENE
Da wär' der Ritter ja am rechten Ort. -
Jetzt, Evchen, komm! Wir müssen fort.

WALTHER
(schnell sich zu den Frauen wendend)
Zu Meister Pogner lasst mich euch geleiten.

MAGDALENE
Erwartet den hier, er ist bald da.
Wollt ihr Evchens Hand erstreiten,
rückt Zeit und Ort das Glück euch nah. -
(Zwei Lehrbuben kommen dazu
und tragen Bänke herbei)
Jetzt eilig von hinnen!

WALTHER
Was soll ich beginnen?

MAGDALENE
Lasst David euch lehren,
die Freiung begehren.
Davidchen! Hör'; mein lieber Gesell':
den Ritter hier bewahr' mir wohl zur Stell'!
Was Fein's aus der Küch'
bewahr' ich für dich,
und morgen begehr' du noch dreister,
wird hier der Junker heut' Meister!
(Sie drängt Eva zum Fortgehen)

EVA
(zu Walther)
Sch' ich euch wieder?

WALTHER
(sehr feurig)
Heut' abend gewiss!
Was ich will wagen,
wie könnt' ich's sagen?
Neu ist mein Herz, neu mein Sinn,
neu ist mir alles, was ich beginn'!
Eines nur weiss ich,
eines begreif' ich:
mit allen Sinnen
euch zu gewinnen!
Ist's mit dem Schwert nicht, muss es gelingen,
gilt es als Meister euch zu ersingen.
Für euch Gut und Blut,
für euch Dichters heil'ger Mut!


EVA
(mit grosser Wärme)
Mein Herz, sel'ger Glut,
für euch liebesheil'ge Hut!


MAGDALENE
Schnell heim! Sonst geht's nicht gut!

(Magdalene zieht Eva eilig durch die Vorhänge nach sich fort)

DAVID
(der Walther verwunderungsvoll gemessen)
Gleich Meister? Oho! Viel Mut!

(Walther wirft sich, aufgeregt und brütend, in einen erhöhten, kathederartigen Lehnstuhl,
welchen zuvor zwei Lehrbuben von der Wand ab,
mehr nach der Mitte zu gerückt hatten.)
SCENE ONE

The scene represents the interior of Saint Catherine's Church, Nuremberg, in diagonal section;
the nave is supposed to extend towards the back of the stage, to the left;
only the last few rows of pews are visible.

(Eva and Magdalena are sitting in the last row of pews.
Standing to one side by a pillar is Walther von Stolzing,
at some distance from the women, gazing at Eva.
Eva repeatedly turns round towards the knight).

CHORAL OF THE CONGREGATION
When the Saviour came to thee,

willingly accepted thy baptism,

dedicating Himself to a sacrificial death,

He gave the covenant for our salvation:

that we might be consecrated through baptism

so as to be worthy of his sacrifice.

Noble Baptist!

Christ's precursor!

Receive us graciously
there by the river Jordan.

(The congregation rises.
All make their way towards the exit and during the following music
gradually leave the church.
Walther expectantly fixes his glance on Eva,
who slowly leaves her pew and, followed by Magdalena, approaches him.
As Walther sees Eva drawing near he forces his way through the congregation in order to reach her)

WALTHER

Stay! A word - a single word!

EVA
(to Magdalena)
My neckerchief! See!
It's probably in our place!


MAGDALENA
Forgetful child! Now I must search!
(She goes back to the pew)

WALTHER
Young lady! Excuse this breach of custom!
To know one thing, to ask one thing,
what should I not dare to break?
Whether life or death, blessing or curse -
in one word let it be disclosed to me:
young lady, say...


MAGDALENA
(returning)
Here is the kerchief.

EVA
O dear! And the brooch?

MAGDALENA
Has it fallen off?
(She goes back again)

WALTHER
Whether light and joy, or night and death?
Whether I learn what I long for,
whether I hear what I dread:
young lady, tell me...


MAGDALENA
(returning again)
There is the brooch, too. Come, child!
Now you have brooch and kerchief...
O dear! now I've forgotten my own book!
(She goes back once more)

WALTHER
This one word, won't you say it?
The syllabe which delivers my sentence.
Yes or no! - a fleeting sound:


young lady, tell me, are you already betrothed?

MAGDALENA
(who has returned again;
curtseying to Walther)
Why look! Sir knight,
how very honoured we are:
young Eva's protection
has become your concern!
May I announce our hero's visit
to Master Pogner?

WALTHER
(passionately)
Oh, if only I had never entered his house!

MAGDALENA
Why, sir! What are you saying?
Just arrived in Nuremberg,
were you not kindly received?
What kitchen and cellar, chest and cupboard
have offered you: does it deserve no thanks?

EVA
Good Lena! Ah, he doesn't mean that.
But from me he wishes to know...
how can I put it briefly?
I scarcely understand it myself!
I feel as if I were in a dream!
He asks if I'm betrothed.


MAGDALENA
(looking about her apprehensively)
O Lord! Don't speak so loud!
Let us go home now...
if people should see us here!

WALTHER
Not before I know all!

EVA
(to Magdalena)
It's empty, the people have gone.

MAGDALENA
That's what's bothering me!
Sir knight, some other place!

(David enters from the sacresty and busies himself with drawing together dark curtains.)

WALTHER

No! First this word!

EVA
(urgently, to Magdalena)
This word!

(Magdalena perceives David and pauses)

MAGDALENA
(aside)
David? Ah! David here?

EVA
What shall I say? You tell me!

MAGDALENA
(distractedly, and looking
round repeatedly at David)

Sir knight, what you ask the maiden
is not so easily answered.
It is true that Eva Pogner is betrothed...

EVA

But no one has yet seen the bridegroom.

MAGDALENA
No one even knows who the bridegroom is,
until he is named tomorrow by the judges
who award the Mastersinger his prize...

EVA

And the bride herself gives him the garland.

WALTHER

The Mastersinger?

EVA
(timidly)
Are you not one?

WALTHER
A wooing song?

MAGDALENA
Before the judges of the contest.

WALTHER
Who wins the prize?

MAGDALENA
Whom the masters approve.

WALTHER
The bride then chooses?

EVA
(forgetting herself)
You - or no one!
(Walther turns aside and places up and down in great perturbation)

MAGDALENA
(greatly shocked)
What? Eva! Eva! Are you out of your mind?

EVA
Good Lena! Let me win the knight!

MAGDALENA
Didn't you see him yesterday for the first time?

EVA
What gave me such sudden anguish was the fact that
I had long seen him in a picture:
tell me, did not approach just like David?


MAGDALENA

Are you mad? Like David?

EVA
Like David in the picture.

MAGDALENA
Ah! you mean the king with the harp
and long beard in the Master's coat-of-arms?

EVA
No! The one whose pebbles felled Goliath,
with his sword in his belt, his sling in his hand,
his head shining with fair locks,
as Master Dürer has painted him for us.


MAGDALENA
(sighing loudly)
Ah, David! David!

DAVID
(who has gone out, and now
returns with a rule stuck
in his belt and swinging in his hand
a large piece of chalk tied to a string)
Here I am! Who's calling?

MAGDALENA
Ah, David! What unhappiness you've caused!
(aside)
The dear rogue! Could he still not know?
(aloud)
Ah, look! He's even locked us in!

DAVID
(tnederly)
You alone, in my heart!

MAGDALENA

His honest face!
Ah, tell me! What nonsense are you up to here?

DAVID
Save me! Nonsense? Very serious matters!
I'm preparing the ring here for the Masters.

MAGDALENA
What? Is there to be a singing?

DAVID
Only a trial today:
the apprentice who in no way offends against the table of rules
will be declared free;
he who does not rue the test becomes a Master.

MAGDALENA
So the knight is in just the right place!
Now Eva, come, we must away.

WALTHER
(quickly turning to them)
Let me accompany you to Master Pogner's.

MAGDALENA
Wait for him here; he'll soon be there.
If you want to win Eva's hand,
time and place will bring fortune close to you.
(Two apprentices
enter carrying benches)
Now quickly away!

WALTHER
What must I do?

MAGDALENA
Let David teach you
how to seek trial.
Dear David! Listen, my dear friend,
look after this knight for me here!
I'll save you
something good from the kitchen:
and you can make bolder demands tomorrow
if this knight becomes a Master today.
(She hurries Eva towards the door)

EVA
(to Walther)
Shall I see you again?

WALTHER
(ardently)
This evening for sure!
What I will dare,
how could I express it?
New is my heart, new my mind,
new is everything I do.
One thing alone I know,
one thing I understand:
with all my senses
to win you!
If not with the sword, I must succeed
even if I have to win you by singing as a Master.
For you my possessions and blood!
For you the poet's sacred resolve!


EVA

My heart, blessed glow,
for you love's holy protection!


MAGDALENA
Quickly home, or it will not go well!

(Magdalena takes Eva quickly out through the curtains)

DAVID
(sizing up Walther)
Master straight away? Oho! what courage!

(Agitated and brooding,
Walther throws himself upon a raised ecclesiastical chair which has just been moved to the middle of the stage by the apprentices)
(1/1-Bayreuth-1999) shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Erster Aufzug, Zweite Szene
As the other apprentices set up the church for the meeting,
David warns Walther that it is not easy to become a mastersinger; it takes many years of learning and practice.
David gives a confusing lecture on the mastersingers' rules for composing and singing.
(Many of the tunes he describes were real master-tunes from the period.)
Walther is confused by the complicated rules, but is determined to try for a place in the guild anyway.
ZWEITE SZENE

(Noch mehrere Lehrbuben sind eingetreten, sie tragen und stellen Bänke und bereiten alles zur Sitzung der Meistersinger vor)

1. LEHRBUBE
David! Was stehst?

2. LEHRBUBE
Greif ans Werk!

3. LEHRBUBE
Hilf uns richten das Gemerk!

DAVID
Zu eifrigst war ich vor euch allen;
schafft nun für euch, hab' ander Gefallen!

2. LEHRBUBE
Was der sich dünkt!

3. LEHRBUBE
Der Lehrling' Muster!

1. LEHRBUBE
Das macht, weil sein Meister ein Schuster!

2. LEHRBUBE
Beim Leisten sitzt er mit der Feder!

3. LEHRBUBE
Beim Dichten mit Draht und Pfriem!

1. LEHRBUBE
Sein' Verse schreibt er auf rohes Leder.

2. LEHRBUBE
(mit entsprechender Gebärde)
Das, dächt' ich, gerbten wir ihm!

(Sie machen sich lachend an die fernere Herrichtung)

DAVID
(nachdem er den sinnenden Ritter
eine Weile betrachtet ruft sehr stark)
"Fanget an!"

WALTHER
(verwundert aufblickend)
Was soll's?

DAVID
(noch stärker)
"Fanget an!" So ruft der "Merker":
nun sollt ihr singen! Wisst ihr das nicht?

WALTHER
Wer ist der Merker?

DAVID
Wisst ihr das nicht?
War't ihr noch nie bei 'nem Singgericht?

WALTHER
Noch nie, wo die Richter Handwerker.

DAVID
Seid ihr ein "Dichter"?

WALTHER
Wär' ich's doch!

DAVID
Seid ihr "Singer"?

WALTHER
Wüsst' ich's noch!

DAVID
Doch "Schulfreund" wart hhr, und "Schüler" zuvor?

WALTHER
Das klingt mir alles fremd vorm Ohr!

DAVID
Und so gradhin wollt ihr Meister werden?

WALTHER
Wie machte das so grosse Beschwerden?

DAVID
O Lene! Lene!

WALTHER
Wie ihr doch tut!

DAVID
O Magdalene!

WALTHER
Ratet mir gut!

DAVID
(setzt sich in Positur)
Mein Herr! Der Singer Meisterschlag
gewinnt sich nicht an einem Tag.
In Nürenberg der grösste Meister
mich lehrt die Kunst Hans Sachs!
Schon voll ein Jahr mich unterweist er,
dass ich als Schüler wachs'.
Schuhmacherei und Poeterei,
die lern' ich da alleinerlei;
hab' ich das Leder glatt geschlagen,
lern' ich Vokal und Konsonanz sagen;
wichst' ich den Draht erst fest und steif,
was sich dann reimt, ich wohl begreif'.
Den Pfriemen schwingend
im Stich die Ahl',
was stumpf, was klingend,
was Mass, was Zahl -
den Leisten im Schurz,
was lang, was kurz,
was hart, was lind,
hell oder blind,
was Waisen, was Milben,
was Klebsilben,
was Pausen, was Körner,
was Blumen, was Dörner, -
das alles lernt' ich mit Sorg' und Acht:
wie weit nun, meint ihr, dass ich's gebracht?

WALTHER
Wohl zu 'nen Paar recht guter Schuh'?

DAVID
Ja, dahin hat's noch gute Ruh'!
Ein "Bar" hat manch' Gesätz' und Gebänd';
wer da gleich die rechte Regel fänd',
die richt'ge Naht
und den rechten Draht,
mit gut gefügten "Stollen"
den Bar recht zu versohlen.
Und dann erst kommt der "Abgesang",
dass er nicht kurz und nicht zu lang,
und auch keinen Reim enthält,
der schon im Stollen gestellt.
Wer alles das merkt, weiss und kennt,
wird doch immer noch nicht Meister genennt.

WALTHER
Hilf Gott! Will ich denn Schuster sein?
In die Singkunst lieber führ' mich ein!


DAVID
Ja - hätt' ich's nur selbst schon zum Singer gebracht!
Wer glaubt wohl, was das für Mühe macht?
Der Meister Tön' und Weisen,
gar viel an Nam' und Zahl,
die starken und die leisen,
wer die wüsste allzumal!
Der kurze, lang' und überlang' Ton,
die Schreibpapier-, Schwarztintenweis';
der rote, blau' und grüne Ton;
die Hageblüh-, Strohhalm-, Fenchelweis';
der zarte, der süsse, der Rosenton;
die Rosmarin-, Gelbveigleinweis',
die Regenbogen-, die Nachtigallweis';
die englische Zinn-, die Zimmtröhrenweis';
frisch Pomeranzen-, grün Lindenblüh'weis';
die Frösch-, die Kälber-, die Stieglitzweiss',
die abgeschied'ne Vielfrassweis',
der Lerchen, der Schnekken-, der Bellerton,
die Melissenblümlein-, die Meiranweis',
(gefühlvoll)
Gelblöwenhaut-, treu Pelikanweis',
(prunkvoll)
die buntglänzende Drahtweis'!

WALTHER
Hilf Himmel! Welch endlos Tönegeleis'!

DAVID
Das sind nur die Namen; nun lernt sie singen,
recht, wie die Meister sie gestellt.
Jed' Wort und Ton muss klärlich klingen,
wo steigt die Stimm', und wo sie fällt;
fangt nicht zu hoch, zu tief nicht an,
als es die Stimm' erreichen kann.
Mit dem Atem spart, dass er nicht knappt,
und gar am End' ihr überschnappt;
vor dem Wort mit der Stimme ja nicht summt,
nach dem Wort mit dem Mund auch nicht brummt.
Nicht ändert an Blum' und Koloratur,
jed' Zierat fest nach des Meisters Spur.
Verwechseltet ihr, würdet gar irr,
verlört ihr euch und kämt ins Gewirr:
wärt ihr euch alles auch gelungen,
da hättet ihr gar "versungen"!
Trotz grossem Fleiss und Emsigkeit,
ich selbst noch bracht' es nicht so weit.
So oft ich's versuch' und's nicht gelingt,
die "Knieriemschlagweis" der Meister mir singt.
(sanft)
Wenn dann Jungfer Lene nicht Hilfe weiss,
(greinend)
sing' ich die "eitel Brot- und Wasserweis'!"
Nehmt euch ein Beispiel dran,
und lasst vom Meisterwahn!
Denn "Singer" und "Dichter" müsst ihr sein,
eh' ihr zum "Meister" kehret ein.

WALTHER
Wer ist nun "Dichter"?

LEHRBUBEN
(während der Arbeit)
David! Kommst her?

DAVID
(zu den Lebrbuben)
Wartet nur - Gleich!
(schnell wieder zu Walther sich wendend)
Wer Dichter wär'?
Habt ihr zum "Singer" euch aufgeschwungen
und der Meister Töne richtig gesungen,
fügtet ihr selbst nun Reim' und Wort',
dass sie genau an Stell' und Ort
passten zu eines Meisterston,
dann trügt ihr den Dichterpreis davon.

LEHRBUBEN
He! David! Soll man's dem Meister klagen?
Wirst dich bald deines Schwatzens entschlagen?

DAVID
Oho! Ja wohl! denn helf' ich euch nicht,
ohne mich wird alles doch falsch gericht'!
(Er will sich zu ihnen wenden)

WALTHER
(ihn zurückhaltend)
Nur dies noch: wer wird "Meister" genannt?

DAVID
(schnell wieder umkehrend)
Damit, Herr Ritter, ist's so bewandt:
(mit sehr tiefsinniger Miene)
Der Dichter, der aus eig'nem Fleisse
zu Wort' und Reimen, die er erfand,
aus Tönen auch fügt eine neue Weise:
der wird als "Meistersinger" erkannt.

WALTHER
So bleibt mir einzig der Meisterlohn!
Muss ich singen
kann's nur gelingen,
find' ich zum Vers auch den eig'nen Ton.


DAVID
(der sich zu den Lehrbuben
gewendet hat)
Was mach ihr denn da? Ja, fehl' ich beim Werk,
verkehrt nur richtet ihr Stuhl und Gemerk!
(Er wirft polternd und lärmend
die Anordnungen der Lehrbuben
in betreff des Gemerkes um)
Ist denn heut' Singschul'? Dass ihr's wisst!
Das kleine Gemerk'! Nur Freiung ist.

(Die Lehrbuben, welche in der Mitte der Bühne ein grösseres Gerüste mit Vorhängen aufgeschlagen hatten,
schaffen auf Davids Weisung dies schnell beiseite und stellen dafür ebenso eilig ein geringeres Brettergerüst auf;
darauf stellen sie einen Stuhl, mit einem kleinen Pult davor,
daneben eine grosse schwarze Tafel, daran die Kreide am Faden aufgehängt wird;
um das Gerüst sind schwarze Vorhänge angebracht,
welche zunächst hinten und an den beiden Seiten,
dann auch vorn ganz zusammengezogen werden)

LEHRBUBEN
(während der Herrichtung)
Aller End' ist doch David der Allergescheit'st,
nach hohen Ehren ganz sicher er geizt.
's ist Freiung heut',
gewiss er freit,
als vornehmer Singer er schon sich spreizt!
Die "Schlagreime" fest er inne hat,
"Arm Hungerweise" singt er glatt!
Doch die "harte Trittweis'", die kennt er am best',
(mit der Gebärde zweier Fusstritte)
die trat ihm der Meister hart und fest.
(Sie lachen)

DAVID
Ja, lacht nur zu! Heut' bin ich's nicht.
Ein andrer stellt sich zum Gericht:
der war nicht "Schüler", ist nicht "Singer"
den "Dichter", sagt er, überspring' er;
denn er ist Junker,
und mit einem Sprung er
denkt, ohne weit're Beschwerden
heut' hier "Meister" zu werden.
Drum richtet nur fein
das Gemerk dem ein!
(während die Lehrbuben vollends aufrichten)
Dorthin! Hierher! Die Tafel an die Wand,
so dass sie recht dem Merker zur Hand!
(zu Walther sich umwendend)
Ja, ja dem "Merker"! Wird euch wohl bang?
Vor ihm schon mancher Werber versang.
Sieben Fehler gibt er euch vor,
die merkt er mit Kreide dort an;
wer über sieben Fehler verlor,
hat versungen und ganz vertan!
Nun nehmt euch in acht:
Der Merker wacht!
(derb in die Hände schlagend)
Glück auf zum Meistersingen!
Mögt euch das Kränzlein erschwingen!
Das Blumenkränzlein aus Seiden fein
wird das dem Herrn Ritter beschieden sein?
(Die Lehrbuben, welche zu gleicher Zeit das Gemerk geschlossen haben,
fassen sich an und tanzen einen verschlungenen Reigen um dasselbe)

LEHRBUBEN
(zusammen)
Das Blumenkränzlein aus Seiden fein,
wird das dem Herrn Ritter beschieden sein?

(Die Lehrbuben fahren sogleich erschrocken auseinander,
als die Sakristei aufgeht und Pogner mit Beckmesser eintritt;
sie ziehen sich nach hinten zurück.)
SCENE TWO

(More apprentices arrive and start moving furniture, etc.,
in preparation for the assembly of the Masters)

1. APPRENTICE
David, why are you standing there?

2. APPRENTICE
Get to work!

3. APPRENTICE
Help us preparare the Marker's box!

DAVID
I was far too zealous for the lot of you:
do it yourselves; I've other pleasures!

2. APPRENTICE
How cocky he is!

3. APPRENTICE
The model apprentice!

1. APPRENTICE
That's because his Master's a cobbler!

2. APPRENTICE
At his last he sits with a quill

3. APPRENTICE
writing poetry, with thread and awl.

1. APPRENTICE
His verse he writes on raw leather

2. APPRENTICE

which, methinks, we tanned for him!

(They pursue their work, laughing)

DAVID
(after observing the thoughtful
knight for a while)
"Begin!"

WALTHER
(looking up surprised)
What's that?

DAVID

"Begin!" - That's what the Marker calls;
now you are to sing. Don't you know that?

WALTHER
Who is the Marker?

DAVID
Don't you know that?
Haven't you ever been at a song contest?

WALTHER
Never one where the judges were artisans.

DAVID
Are you "Poet"?

WALTHER
Would that I were!

DAVID
Are you a "Singer"

WALTHER
If only I knew!

DAVID
But you were surely a "School-friend", and a "Scholar" before?

WALTHER
All that sounds strange to my ear.

DAVID
And yet want to become a Master at once?

WALTHER
Why should that cause such great difficulties?

DAVID
O Lena! Lena!

WALTHER
What are you doing?

DAVID
O Magdalena!

WALTHER
Advise me well!

DAVID

Sir, the touch which makes a Mastersinger
is not to be gained in a day.
Nuremberg's greatest Master,
Hans Sachs, is teaching me the art;
for a full year already he's been instructing me
so that I may become a Scholar.
Cobbling and poetry
I learn both together:
When I've beaten the leather smooth
I learn to enunciate vowels and consonants;
when I've waxed the thread till it's firm and stiff,
I well understand what makes a rhyme;
swinging the bodkin,
stitching with the awl,
what is meant by blunt, and ringing,
by measure, and number...
the last is my apron...
what is long, what short,
what hard, what soft,
bright or blind,
what orphans are, und mites,
affixes,
pauses, corns,
flowers, thorns...
I've learned all that with care and attention:
how far do you think I've got?

WALTHER
As far as a pair of very good shoes?

DAVID
Yes, it takes time enough to get that far!
A song has several sections and strophes;
who might at once find the correct rule,
the right seam,
and the correct thread,
with well-fitted stanzas
to sole the song properly?
And only then does the Aftersong come,
let it not be short, and not too long,
and let it contain no rhime
which has already occurred in the stanza.
Anyone who marks, knows and is familiar with all that
is still not yet called Master.

WALTHER
Heaven help me! Do I want to be a cobbler?
Rather introduce me to the art of singing.


DAVID
If only I myself had already got as far as Singer!
Who would belive how much trouble it is?

The Masters' tones and melodies,
so many in name and number,
the strong and the gentle,
who could know them all at once?
The Short, Long, and Overlong tones;
the Writing-Paper and Black Ink melodies;
the Red, Blue, and Green tones;
the Hawthorn, Straw and Fennel melodies;
the Tender, the Sweet, the Rose tones;
the Rosemary and Wall-Flower melodies;
the Rainbow and Nightingale melodies;
the Pewter and Cinnamon-Stick melodies;
Fresh Orange, Green Lime Blossom melodies;
the Frog, the Calf, the Goldfinch melodies;
the Departed Glutton melody;
the Lark, the Snail, the Barker tones;
the Little Blam-Mint, the Marjioram melodies;

Tawny Lion-Skin, True Pelican melodies;

the Brightly Gleaming Thread melody...

WALTHER
Heavens! What an endless string of tones!

DAVID
Those are just the names: now learn to sing them
just as the Masters have ordained them!
Every word and tone must ring out clearly
where the voice rises and where it falls.
Begin neither higher nor lower
than the voice can reach.
Be sparing with your breath, lest it run out
and you even crack at the end.
Don't hum with your voice before the word,
and don't let your mouth rumble on after the word.
Don't alter the "flower" and "coloratura",
let each ornament be in the Master's footsteps;
if you were to change you'd go astray,
lose your place and get into a muddle -
even if everything else had gone well for you
you would have sung your chance away!
Despite great industry and zeal
I myself haven't yet got so far.
Whenever I attempt it and don't succeed
my Master sings me the "Knee-Strap" melody.

And if Mistress Lena doesn't then help me,

I sing the "Plain Bread and Water" melody!
Let this be an example to you,
and forget your dreams of Master!
For you must be a "Singer" and "Poet"
before you reach the goal of "Master".

WALTHER
What is a "Poet"?

APPRENTICES

David! Are you coming?

DAVID
(to the apprentices)
Wait, just a minute!
(turning to Walther again)
What might a Poet be?
When you have risen to the rank of Singer
and sung the Masters' tones correctly,
and have yourself added rhymes and words
which you have yourself fitted correctly
to a Master's tone,
then you might carry off the Poet's prize.

APPRENTICES
Here, David! Shall we complain to your Master?
Or are you almost through with your chatter?

DAVID
Oho! Indeed! For if I don't help you,
without me everything gets done wrong!

WALTHER
(holding David back)
Only one thing more: who is called "Master"?

DAVID

Sir knight, this is how it is!

The Poet who, of his own endeavour,
to words and rhymes of his own invention
fashions a new melody from the tones:
he is recognised as Mastersinger.

WALTHER
Then the Master's reward alone shall be mine!
If I must sing
I can only succeed
if I find the proper tone for the verse.


DAVID
(turning to the apprentices)
What are you doing there? Yes, if I'm not at work
you put the chair and the box up wrong!

Is it a song-school today? Let me tell you,
the small box! It's only a trial!

(During the following chorus the apprentices, under the supervision of David,
take down the large construction which they had put up in the middle of the stage
and erect in its place a smaller stage.
On this they place a stool with a little desk before it,
next to it a large black slate on which a piece of chalk is hung by a string.
Around this construction black curtains are hung, which can be drawn behind and at the two sides, and finally also in front)

APPRENTICES
(as they work)
No doubt, David is certainly the cleverest!
He's certainly set his sights on high honours:
if there's a trial today
he's sure to take part,
he already prides himself as a fine Singer!
He's got the Blow rhymes off pat,
he sings the Poor and Hungry melody smoothly;
but the Hard Kick is the one he knows best,

his Master has kicked that one well into him!
(They laugh)

DAVID
Yes, laugh away! Today it's not me;
someone else is facing the court:
he was never "Scholar", isn't a "Singer",
he'll miss out the "Poet" grade, he says;
for he's a knight,
and with one jump he thinks
that without further difficulties
he'll become "Master" here today.
So set up the box
properly for him!

That way! This way! The board against the wall
so that it's nice and handy for the Marker!
(to Walther)
Yes, yes! The "Marker"! Are you getting nervous?
Before him many an applicant has sung his chance away.
He allows you seven faults
which he marks up with chalk there;
anyone incurring more than seven faults
has sung his chance away and is utterly undone!
Now take care!
The Marker is on the watch.
Good luck for the Mastersinging!
May you win the garland!
The flowered garland of fine silks -
will it be awarded to the knight?


APPRENTICES

The flowered garland of fine silks -
will it be awarded to the knight?

(The apprentices scatter in alarm as Pogner and Beckmesser enter from the sacristy, then they go to their places at the back of the stage)
(1/2-Bayreuth-1999)
1/2-Bayreuth-1999
1/2/David/Mein_Herr!-Bayreuth-1999
1/2/David/Ja,_dahin-Bayreuth-1999
1/2/David/Ja---Bayreuth-1999
1/2/David/Das_sind-Bayreuth-1999
(1/2/Lehrbuben/David!-Bayreuth-1999)
1/2/Lehrbuben/David!-Bayreuth-1999
(1/2/(Die_Lehrbuben)-Bayreuth-1999)
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Erster Aufzug, Dritte Szene
The first mastersingers file into the church, including Eva's wealthy father Veit Pogner and the town clerk Beckmesser.
Beckmesser, a clever technical singer who was expecting to win the contest without opposition,
is distressed to see that Walther is Pogner's guest and intends to enter the contest.
Meanwhile, Pogner introduces Walther to the other mastersingers as they arrive.
Fritz Kothner the baker, serving as chairman of this meeting, calls the roll.
Pogner, addressing the assembly, announces his offer of his daughter's hand for the winner of the song contest.
When Hans Sachs argues that Eva ought to have a say in the matter,
Pogner agrees that Eva may refuse the winner of the contest, but she must still marry a mastersinger.
Another suggestion by Sachs, that the townspeople, rather than the masters,
should be called upon to judge the winner of the contest, is squelched by the other masters.
Pogner formally introduces Walther as a candidate for admission into the masterguild.
Questioned by Kothner about his background, Walther states that
his teacher in poetry was Walther von der Vogelweide whose works he studied in his own private library in Franconia, and
his teachers in music were the birds and nature itself.
Reluctantly the masters agree to admit him, provided he can perform a master-song of his own composition.
Walther chooses love as the topic for his song and therefore is to be judged by Beckmesser alone, the "Marker" of the guild for worldly matters.
At the signal to begin, Walther launches into a novel free-form tune, breaking all the mastersingers' rules,
and his song is constantly interrupted by the scratch of Beckmesser's chalk on his chalkboard, maliciously noting one violation after another.
When Beckmesser has completely covered the slate with symbols of Walther's errors,
he interrupts the song and argues that there is no point in finishing it.
Sachs tries to convince the masters to let Walther continue,
but Beckmesser sarcastically tells Sachs to stop trying to set policy and instead, to finish making his (Beckmesser's) new shoes, which are overdue.
Raising his voice over the masters' argument, Walther finishes his song, but the masters reject him and he rushes out of the church.
DRITTE SZENE

(Die Einrichtung ist nun folgendermassen beendigt:
zur Seite rechts sind gepolsterte Bänke in der Weise aufgestellt,
dass sie einen schwachen Halbkreis nach der Mitte zu bilden.
Am Ende der Bänke, in der Mitte der Bühne, befindet sich das "Gemerk" benannte Gerüste,
welches zuvor hergerichtet worden.
Zur linken Seite steht nur der erhöhte kathederartige Stuhl ("der Singstuhl") der Versammlung gegenüber.
Im Hintergrunde, den grossen Vorhang entlang,
steht eine lange niedere Bank für die Lehrlinge. -
Walther, verdriesslich über das Gespött der Knaben,
hat sich auf die vordere Bank niedergelassen.
Pogner ist mit Beckmesser im Gespräch aus der Sakristei aufgetreten.
Die Lehrbuben harren ehrerbietig vor der hinteren Bank stehend.
Nur David stellt sich anfänglich am Eingang bei der Sakristei auf)

POGNER
Seid meiner Treue wohl versehen,
was ich bestimmt, ist euch zu Nutz:
im Wettgesang müsst ihr bestehen,
wer böte euch als Meister Trutz?

BECKMESSER
Doch wollt ihr von dem Punkt nicht weichen,
der mich - ich sag's - bedenklich macht:
kann Evchens Wunsch den Werber streichen,
was nützt mir meine Meisterpracht?


POGNER
Ei sagt, ich mein', vor allen Dingen
sollt' euch an dem gelegen sein?
Könnt ihr der Tochter Wunsch nicht zwingen,
wie möchtet ihr wohl um sie frei'n?

BECKMESSER
Ei ja! Gar wohl! Drum eben bitt' ich,
dass bei dem Kind ihr für mich sprecht,
wie ich geworben zart und sittig,
und wie Beckmesser grad' euch recht.


POGNER
Das tu ich gern.

BECKMESSER
(beiseite)
Er lässt nicht nach.
Wie wehrt' ich da 'nem Ungemach?


WALTHER
(der, als er Pogner gewahrt,
aufgestanden und ihm entgegen gegangen ist,
verneigt sich vor ihm.)
Gestattet, Meister!

POGNER
Wie, mein Junker?
Ihr sucht mich in der Singschul' hie?

(Pogner und Walther wechseln Begrüssungen)

BECKMESSER
(immer beiseite)
Verstünden's die Frau'n; doch schlechtes Geflunker
gilt ihnen mehr als all' Poesie!

(Er geht verdriesslich im Hintergrunde auf und ab)

WALTHER
Hier eben bin ich am rechten Ort:
gesteh' ich's frei, vom Lande fort
was mich nach Nürnberg trieb,
war nur zur Kunst die Lieb'.
Vergass ich's gestern euch zu sagen,
heut' muss ich's laut zu künden wagen:
ein Meistersinger möcht' ich sein!

(sehr innig)
Schliesst, Meister, in die Zunft mich ein!

(Kunz Vogelgesang und Konrad Nachtigall sind eingetreten.)

POGNER
(freudig zu den Hinzutretenden sich wendend)
Kunz Vogelgesang! Freund Nachtigall!
Hört doch, welch ganz besond'rer Fall:
der Ritter hier, mir wohlbekannt,
hat der Meisterkunst sich zugewandt.

(Vorstellungen und Begrüssungen; andre Meistersinger treten noch hinzu)

BECKMESSER
(wieder in der Vordergrund tretend, für sich)
Noch such' ich's zu wenden; doch sollt's nicht gelingen,
versuch' ich des Mädchens Herz zu ersingen:
in stiller Nacht, von ihr nur gehört,
erfahr' ich, ob auf mein Lied sie schwört.

(Walther erblickend)
Wer ist der Mensch?

POGNER
(sehr warm zu Walther fortfahrend)
Glaubt, wie mich's freut!
Die alte Zeit dünkt mich erneut.

BECKMESSER
(immer noch für sich)
Er gefällt mir nicht!

POGNER
Was ihr begehrt,
soviel an mir, sei's euch gewährt.

BECKMESSER
Was will er hier? Wie der Blick ihm lacht!

POGNER
Half ich euch gern bei des Guts Verkauf,
in die Zunft nun nehm' ich Eudi gleich gern auf.

BECKMESSER
Holla! Sixtus! Auf den hab' acht!

WALTHER
(zu Pogner)
Habt Dank der Güte
aus tiefstem Gemüte!
Und darf ich denn hoffen,
steht heut' mir noch offen,
zu werben um den Preis,
dass Meistersinger ich heiss'?


BECKMESSER
Oho! Fein sacht! Auf dem Kopf steht kein Kegel!

POGNER
Herr Ritter, dies geh' nun nach der Regel.
Doch heut' ist Freiung, ich schlag' euch vor,
mir leihen die Meister ein willig Ohr.

(Die Meistersinger sind nun alle angelangt, zuletzt auch Hans Sachs.)

SACHS
Gott grüss' euch, Meister!

VOGELGESANG
Sind wir beisammen?

BECKMESSER
Der Sachs ist ja da!

NACHTIGALL
So ruft die Namen!

KOTHNER
(zieht eine Liste hervor, stellt sich
zur Seite auf und ruft laut)
Zu einer Freiung und Zunftberatung
ging an die Meister ein' Einladung:
bei Nenn' und Nam',
ob jeder kam,
ruf' ich nun auf als Letztentbot'ner,
der ich mich nenn' und bin Fritz Kothner.
Seid ihr da, Veit Pogner?

POGNER
Hier zur Hand!
(setzt sich)

KOTHNER
Kunz Vogelgesang?

VOGELGESANG
Ein sich fand.
(setzt sich)

KOTHNER
Hermann Ortel?

ORTEL
Immer am Ort.
(setzt sich)

KOTHNER
Balthasar Zorn?

ZORN
Bleibt niemals fort.
(setzt sich)

KOTHNER
Konrad Nachtigall?

NACHTIGALL
Treu seinem Schlag.
(setzt sich)

KOTHNER
Augustin Moser?

MOSER
Nie fehlen mag.
(setzt sich)
KOTHNER
Niklaus Vogel? Schweigt?

LEHRBUBE
(von der Bank aufstehend)
Ist krank!

KOTHNER
Gut Bess'rung dem Meister!

ALLE MEISTER
Walt's Gott!

LEHRBUBE
Schön' Dank!
(Er setzt sich wieder nieder.)

KOTHNER
Hans Sachs?

DAVID
(vorlaut sich erhebend
und auf Sachs zeigend)
Da steht er!

SACHS
(drohend zu David)
Juckt dich das Fell?
Verzeiht, Meister! Sachs ist zur Stell'!

(setzt sich)

KOTHNER
Sixtus Beckmesser?

BECKMESSER
(während er sich setzt)
Immer bei Sachs,
dass den Reim ich lern von "blüh'" und "wachs"

(Sachs lacht)

KOTHNER
Ulrich Eisslinger?

EISSLINGER
Hier.
(setzt sich)

KOTHNER
Hans Foltz?

FOLTZ
Bin da.
(setzt sich)

KOTHNER
Hans Schwarz?

SCHWARZ
Zuletzt: Gott wollt's.
(setzt sich)

KOTHNER
Zur Sitzung gut und voll die Zahl.
Beliebt's, wir schreiten zur Merkerwahl?

VOGELGESANG
Wohl eh'r nach dem Fest?

BECKMESSER
(zu Kothner)
Pressiert's den Herrn?
Mein' Stell' und Amt lass' ich ihm gern.


POGNER
Nicht doch, ihr Meister, lasst das jetzt fort.
Für wicht'gen Antrag bitt' ich ums Wort.

(Die Meister stehen auf, nicken Kothner zu und setzen sich wieder)

KOTHNER
Das habt ihr; Meister, sprecht!

POGNER
Nun hört und versteht mich recht!

Das schöne Fest, Johannistag,
ihr wisst, begeh'n wir morgen;
auf grüner Au', am Blumenhag,
bei Spiel und Tanz im Lustgelag,
an froher Brust geborgen,
vergessen seiner Sorgen,
ein jeder freut sich, wie er mag.

Die Singschul' ernst im Kirchenchor
die Meister selbst vertauschen,
mit Kling und Klang hinaus zum Tor
auf off'ne Wiese zieh'n sie vor,
bei hellen Festes Rauschen
das Volk sie lassen lauschen
dem Freigesang mit Laienohr.

Zu einem Werb- und Wettgesang
gestellt sind Siegespreise,
und beide rühmt man weit und lang,
die Gabe wie die Weise.

Nun schuf mich Gott zum reichen Mann;
und gibt ein jeder, wie er kann,
so musste ich wohl sinnen,
was ich gäb' zu gewinnen,
dass ich nicht käm' zuschand';
so hört denn, was ich fand. -

In deutschen Landen viel gereist,
hat oft es mich verdrossen,
dass man den Bürger wenig preist,
ihn karg nennt und verschlossen.
An Höfen, wie an nied'rer Statt,
des bitt'ren Tadels ward' ich satt,
dass nur auf Schacher und Geld
sein Merk der Bürger stellt.
Dass wir im weiten deutschen Reich
die Kunst einzig noch pflegen,
dran dünkt ihnen wenig gelegen.
Doch wie uns das zur Ehre gereich',
und dass mit hohem Mut
wir schätzen, was schön und gut,
was wert die Kunst, und was sie gilt,
das ward ich der Welt zu zeigen gewillt,

drum hört, Meister, die Gab',
die als Preis bestimmt ich hab'!
Dem Singer, der im Kunstgesang
vor allem Volk den Preis errang
am Sankt Johannistag,
sei er, wer er auch mag,
dem geb' ich, ein Kunstgewog'ner,
von Nürenberg Veit Pogner,
mit all meinem Gut, wie's geh' und steh',
Eva, mein einzig Kind, zur Eh'!

DIE MEISTERSINGER
(sich erhebend und sehr lebhaft durcheinander)
Das heisst ein Wort, ein Wort, ein Mann!
Da sieht man, was ein Nürnberger kann!
Drob preist man euch noch weit und breit,
den wack'ren Bürger, Pogner Veit!

LEHRBUBEN
(lustig aufspringend)
Alle Zeit! Weit und breit!
Pogner Veit!

VOGELGESANG
Wer möchte da nicht ledig sein!

SACHS
Sein Weib gäb' mancher gern wohl drein!

KOTHNER
Auf, ledig' Mann!
jetzt macht euch 'ran!

(Die Meister setzen sich allmählich wieder nieder, die Lehrbuben ebenfalls)

POGNER
Nun hört noch, wie ich's ernstlich mein'!
Ein leblos' Gabe stell' ich nicht;
ein Mägdlein sitzt mit zum Gericht:
den Preis erkennt die Meisterzunft;
doch, gilt's der Eh', so will's Vernunft,
dass ob der Meister Rat
die Braut den Ausschlag hat.

BECKMESSER
(zu Kothner gewandt)
Dünkt euch das klug?

KOTHNER
Versteh' ich gut,
Ihr gebt uns in des Mägdleins Hut?

BECKMESSER
Gefährlich das!

KOTHNER
Stimmt es nicht bei,
wie wäre dann der Meister Urteil frei?

BECKMESSER
Lasst's gleich wählen nach Herzensziel,
und lasst den Meistergesang aus dem Spiel!


POGNER
Nicht so! Wie doch? Versteht mich recht!
Wem ihr Meister den Preis zusprecht,
die Maid kann dem verwehren,
doch nie einen andren begehren.
Ein Meistersinger muss er sein,
nur wen ihr krönt, den soll sie frei'n.

SACHS
Verzeiht!
Vielleicht schon ginget ihr zu weit.
Ein Mädchenherz und Meisterkunst
erglüh'n nicht stets in gleicher Brunst:
der Frauen Sinn, gar unbelehrt,
dünkt mich dem Sinn des Volks gleich wert.
Wollt ihr nun vor dem Volke zeigen,
wie hoch die Kunst ihr ehrt,
und lasst ihr dem Kind die Wahl zu eigen,
wollt nicht, dass dem Spruch es wehrt:
so lasst das Volk auch Richter sein,
mit dem Kinde sicher stimmt's überein.


DIE MEISTER
Oho! Das Volk? Ja, das wäre schön!
Ade dann Kunst und Meistertön'!

KOTHNER
Nein, Sachs! Gewiss, das hat keinen Sinn!
Gäb't ihr dem Volk die Regeln hin?

SACHS
Vernehmt mich recht! Wie ihr doch tut!
Gesteht, ich kenn' die Regeln gut,
und dass die Zunft die Regeln bewahr',
bemüh' ich mich selbst schon manches Jahr.
Doch einmal im Jahre fänd' ich's weise,
dass man die Regeln selbst probier',
ob in der Gewohnheit trägem Gleise
ihr' Kraft und Leben nicht sich verlier'!
Und ob ihr der Natur
noch seid auf rechter Spur,
das sagt euch nur,
wer nichts weiss von der Tabulatur.


(Die Lehrbuben springen auf und reiben sich die Hände.)

BECKMESSER
Hei wie sich die Buben freuen!

SACHS
(eifrig fortfahrend)
Drum möcht' es euch nie gereuen,
dass jährlich am Sankt Johannisfest,
statt dass das Volk man kommen lässt,
herab aus hoher Meisterwolk'
ihr selbst euch wendet zu dem Volk.
Dem Volke wollt ihr behagen;
nun dächt' ich, läg' es nah:
ihr liesst es selbst euch auch sagen,
ob das ihm zur Lust geschah.
Dass Volk und Kunst gleich blüh' und wachs'
bestellt ihr so, mein' ich, Hans Sachs!


VOGELGESANG
Ihr meint's wohl recht!

KOTHNER
Doch steht's drum faul.

NACHTIGALL
Wenn spricht das Volk, halt' ich das Maul.

KOTHNER
Der Kunst droht allweil Fall und Schmach,
läuft sie der Gunst des Volkes nach.

BECKMESSER
Drin bracht' er's weit, der hier so dreist:
Gassenhauer dichtet er meist.


POGNER
Freund Sachs! Was ich mein', ist schon neu;
zu viel auf einmal brächte Reu'.
(Er wendet sich zu den Meistern)
So frag' ich, ob den Meistern gefällt
Gab' und Regel, so wie ich's gestellt?

(Die Meister erheben sich beistimmend.)
SACHS
Mir genügt der Jungfer Ausschlagstimm'.

BECKMESSER
Der Schuster weckt doch stets mir Grimm!

KOTHNER
Wer schreibt sich als Werber ein?
Ein Junggesell muss es sein.

BECKMESSER
Vielleicht auch ein Witwer? Fragt nur den Sachs!

SACHS
Nicht doch, Herr Merker! Aus jüng'rem Wachs,
als ich und ihr, muss der Freier sein,
soll Evchen ihm den Preis verleih'n.


BECKMESSER
Als wie auch ich? Grober Gesell'!

KOTHNER
Begehrt wer Freiung, der komm' zur Stell'!
Ist jemand gemeld't, der Freiung begehrt?

POGNER
Wohl, Meister, zur Tagesordnung kehrt
und nehmt von mir Bericht,
wie ich auf Meisterpflicht
einen jungen Ritter empfehle,
der will, dass man ihn wähle,
und heut' als Meistersinger frei'.
Mein Junker Stolzing, kommt herbei!

(Walther tritt hervor und verneigt sich)

BECKMESSER
(beiseite)
Dacht' ich mir's doch! Geht's da hinaus, Veit?
(laut)
Meister, ich mein', zu spät ist's der Zeit!

DIE MEISTER
Der Fall ist neu: Ein Ritter gar?
soll man sich freu'n? Wäre Gefahr?
Immerhin hat's ein gross Gewicht,
dass Meister Pogner für ihn spricht.

KOTHNER
Soll uns der Junker willkommen sein;
zuvor muss er wohl vernommen sein.
POGNER
Vernehmt ihn wohl! Wünsch' ich ihm Glück,
nicht bleib' ich doch hinter der Regel zurück.
Tut, Meister, die Fragen!

KOTHNER
So mög' uns der Junker sagen:
ist er frei und ehrlich geboren?

POGNER
Die Frage gebt verloren,
da ich euch selbst dess Bürge steh',
dass er aus frei' und edler Eh':
Von Stolzing Walther aus Frankenland,
nach Brief und Urkund mir wohlbekannt.
Als seines Stammes letzter Spross,
verliess er neulich Hof und Schloss
und zog nach Nürnberg her,
dass er hier Bürger wär'.

BECKMESSER
Neu Junkerunkraut - tut nicht gut.

NACHTIGALL
Freund Pogners Wort Genüge tut.

SACHS
Wie längst von den Meistern beschlossen ist,
ob Herr, ob Bauer, hier nichts beschliesst;
hier fragt sich's nach der Kunst allein,
wer will ein Meistersinger sein.


KOTHNER
Drum nun frag' ich zur Stell':
welch 'Meister seid ihr Gesell'?

WALTHER
Am stillen Herd in Winterszeit,
wann Burg und Hof mir eingeschneit,
wie einst der Lenz so lieblich lacht',
und wie er bald wohl neu erwacht,
ein altes Buch, vom Ahn' vermacht,
gab das mir oft zu lesen:
Herr Walther von der Vogelweid',
der ist mein Meister gewesen.


SACHS
Ein guter Meister!

BECKMESSER
Doch lang schon tot;
wie lehrt' ihn der wohl der Regeln Gebot?


KOTHNER
Doch in welcher Schul' das Singen
mocht' euch zu lernen gelingen?

WALTHER
Wann dann die Flur vom Frost befreit
und wiederkehrt die Sommerszeit;
was einst in langer Wintersnacht
das alte Buch mir kundgemacht,
das schallte laut in Waldes Pracht,
das hört' ich hell erklingen:
im Wald dort auf der Vogelweid'
da lernt' ich auch das Singen.


BECKMESSER
Oho! Von Finken und Meisen
lerntet ihr Meisterweisen?
Das wird denn wohl auch darnach sein!


VOGELGESANG
Zwei art'ge Stollen fasst' er da ein.

BECKMESSER
Ihr lobt ihn, Meister Vogelgesang,
wohl weil vom Vogel er lernt' den Gesang?


KOTHNER
(beiseite zu den Meistern)
Was meint ihr, Meister, frag' ich noch fort?
Mich dünkt, der Junker ist fehl am Ort.

SACHS
Das wird sich bäldlich zeigen:
wenn rechte Kunst ihm eigen
und gut er sie bewährt,
was gilt's, wer sie ihn gelehrt?


KOTHNER
(zu Walther)
Seid ihr bereit, ob euch geriet
mit neuer Find' ein Meisterlied,
nach Dicht' und Weis' eu'r eigen,
zur Stunde jetzt zu zeigen?

WALTHER
Was Winternacht,
was Waldespracht,
was Buch und Hain mich wiesen,
was Dichtersanges Wundermacht
mir heimlich wollt' erschliessen;
was Rosses Schritt
beim Waffenritt,
was Reihentanz
bei heitrem Schanz
mir sinnend gab zu lauschen:
gilt es des Lebens höchsten Preis
um Sang mir einzutauschen,
zu eig'nem Wort und eigner Weis'
will einig mir es fliessen,
als Meistersang, ob den ich weiss,
euch Meistern sich ergiessen.


BECKMESSER
Entnahmt ihr was der Worte Schwall?

VOGELGESANG
Ei nun, er wagt's!

NACHTIGALL
Merkwürd'ger Fall!

KOTHNER
Nun, Meister! Wenn's gefällt,
werd' das Gemerk bestellt.
(zu Walther)
Wählt der Herr einen heil'gen Stoff?

WALTHER
Was heilig mir,
der Liebe Panier,
schwing' und sing' ich, mir zu Hoff'!


KOTHNER
Das gilt uns weltlich. Drum allein,
Meister Beckmesser, schliesst euch ein!

BECKMESSER
(erhebt sich und schreitet
wie widerwillig dem Gemerk zu)
Ein saures Amt, und heut' zumal!
Wohl gibt's mit der Kreide manche Qual.

(Er verneigt sich gegen Walther.)
Herr Ritter, wisst:
Sixtus Beckmesser Merker ist;
hier im Gemerk
verrichtet er still sein strenges Werk.
Sieben Fehler gibt er euch vor,
die merkt er mit Kreide dort an:
wenn er über sieben Fehler verlor,
dann versang der Herr Rittersmann.

(Er setzt sich im Gemerk)
Gar fein er hört;
doch, dass er euch den Mut nicht stört,
säh't ihr ihm zu,
so gibt er euch Ruh',
und schliesst sich gar hier ein, -
lässt Gott euch befohlen sein.


(Er streckt den Kopf,
höhnisch freundlich nickend heraus und verschwindet hinter dem zugezogenen Vorhange des Gemerkes gänzlich)

KOTHNER
(winkt den Lehrbuben)
(zu Walther)
Was euch zum Liede Richt' und Schnur,
vernehmt nun aus der Tabulatur!
(Die Lehrbuben haben die an der Wand
aufgehängte Tafel der "Leges Tabulaturae"
herabgenommen und halten sie Kotbner vor;
dieser liest daraus.)
(lesend)
"Ein jedes Meistergesanges Bar
stell' ordentlich ein Gemässe dar
aus unterschiedlichen Gesätzen,
die keiner soll verletzen.
Ein Gesätz besteht aus zweenen Stollen,
die gleiche Melodei haben sollen;
der Stoll' aus etlicher Vers' Gebänd',
der Vers hat einen Reim am End'.
Darauf so folgt der Abgesang,
der sei auch etlich' Verse lang,
und hab' sein' besond're Melodei,
als nicht im Stollen zu finden sei.
Derlei Gemässes mehre Baren
soll ein jed' Meisterlied bewahren;
und wer ein neues Lied gericht',
das über vier der Silben nicht
eingreift in andrer Meister Weis',
des Lied erwerb' sich Meisterpreis!"
(Er gibt die Tafel den Lehrbuben zurück;
diese hängen sie wieder auf)
Nun setzt euch in den Singestuhl.

WALTHER
(mit einem Schauer)
Hier - in den Stuhl?

KOTHNER
Wie's Brauch der Schul'!

WALTHER
(besteigt den Stuhl und setzt sich mit Widerstreben)
(beiseite)
Für dich, Geliebte, sei's getan!

KOTHNER
(sehr laut)
Der Sänger sitzt.

BECKMESSER
(unsichtbar im Gemerk, sehr grell)
Fanget an!

WALTHER
"Fanget an!"
So rief der Lenz in den Wald,
dass laut es ihn durchhallt:
und wie in fern'ren Wellen
der Hall von dannen flieht,
von weither naht ein Schwellen,
das mächtig näher zieht.
Es schwillt und schallt,
es tönt der Wald
von holder Stimmen Gemenge;
nun laut und hell,
schon nah zur Stell',
wie wächst der Schwall!
Wie Glockenhall
ertost des Jubels Gedränge!
Der Wald,
wie bald
antwortet er dem Ruf,
der neu ihm Leben schuf:
stimmte an
das süsse Lenzeslied!

(Man hört aus dem Gemerk unmutige
Seufzer des Merkers und heftiges
Anstreichen mit der Kreide. -
Auch Walther hat es bemerkt;
nach kurzer Störung fährt er fort.)
In einer Dornenhecken,
von Neid und Gram verzehrt,
musst' er sich da verstecken,
der Winter, grimmbewehrt:
von dürrem Laub umrauscht,
er lauert da und lauscht
wie er das frohe Singen
zu Schaden könnte bringen.

(Er steht vom Stuhle auf)
Doch: fanget an!
So rief es mir in der Brust,
als noch ich von Liebe nicht wusst'.
Da fühlt' ich's tief sich regen,
als weckt' es mich aus dem Traum;
mein Herz mit bebenden Schlägen
erfüllte des Busens Raum:
Das Blut, es wallt
mit Allgewalt,
geschwellt von neuem Gefühle,
aus warmer Nacht,
mit Übermacht,
schwillt mir zum Meer
der Seufzer Heer
in wildem Wonnegewühle.
Die Brust
mit Lust
antwortet sie dem Ruf,
der neu ihr Leben schuf;
stimmt nun an
das hehre Liebeslied.


BECKMESSER
(den Vorhang aufreissend)
Seid ihr nun fertig?

WALTHER
Wie fraget Ihr?

BECKMESSER
Mit der Tafel ward ich fertig schier.
(Er hält die ganz mit Kreidestrichen bedeckte Tafel heraus;
die Meister brechen in ein Gelächter aus)

WALTHER
Hört doch, zu meiner Frauen Preis
gelang' ich jetzt erst mit der Weis'.


BECKMESSER
(das Gemerk verlassend)
Singt, wo ihr wollt! Hier habt ihr vertan!
Ihr Meister, schaut die Tafel euch an:
so lang ich leb', ward's nicht erhört!
Ich glaubt's nicht, wenn ihr's all auch schwört!


WALTHER
Erlaubt ihr's, Meister, dass er mich stört?
Blieb' ich von Allen ungehört?


POGNER
Ein Wort, Herr Merker! ihr seid gereizt.

BECKMESSER
Sei Merker fortan, wer darnach geizt.
Doch dass der Junker hier versungen hat,
beleg' ich erst noch vor der Meister Rat.
Zwar wird's 'ne harte Arbeit sein:
wo beginnen, da wo nicht aus noch ein?
Von falscher Zahl, und falschem Gebänd'
schweig' ich schon ganz und gar:
zu kurz, zu lang - wer ein End' da fänd'!
Wer meint hier im Ernst einen Bar?
Auf "blinde Meinung" klag' ich allein,
Sagt, konnt' ein Sinn unsinniger sein?


MEHRERE MEISTER
Man ward nicht klug; ich muss gestehn,
Ein Ende konnte keiner erseh'n.

BECKMESSER
Und dann die Weis', welch tolles Gekreis'
aus "Abenteuer-", "blau Ritterspornweis",
"hoch Tannen-", "stolz Jünglingston"!


KOTHNER
Ja, ich verstand gar nichts davon.

BECKMESSER
Kein Absatz wo, kein' Koloratur;
von Melodei auch nicht eine Spur!


(Die Meister sind im wachsenden Aufstand begriffen)

MEHRERE MEISTER
Wer nennt das Gesang?
Es ward einem bang!

VOGELGESANG
Eitel Ohrgeschinder!

ZORN
Auch gar nichts dahinter!

KOTHNER
Und gar vom Singstuhl ist er gesprungen!

BECKMESSER
Wird erst auf die Fehlerprobe gedrungen?
Oder gleich erklärt, dass er versungen?


SACHS
(der vom Beginn an Walther
mit wachsendem Ernst zugehört hat,
schreitet vor)
Halt, Meister! Nicht so geeilt!
Nicht jeder eure Meinung teilt. -
Des Ritters Lied und Weise,
sie fand ich neu, doch nicht verwirrt;
verliess er unsre Gleise,
schritt er doch fest und unbeirrt.
Wollt ihr nach Regeln messen,
was nicht nach eurer Regeln Lauf,
der eignen Spur vergessen,
sucht davon erst die Regeln auf!


BECKMESSER
Aha, schon recht! Nun hört ihr's doch:
den Stümpern öffnet Sachs ein Loch,
da aus und ein nach Belieben
ihr Wesen leicht sie trieben!
Singet dem Volk auf Markt und Gassen!
Hier wird nach den Regeln nur eingelassen.


SACHS
Herr Merker, was doch solch ein Eifer?
Was doch so wenig Ruh'!
Eu'r Urteil, dünkt mich, wäre reifer,
hörtet ihr besser zu.
Darum so komm' ich jetzt zum Schluss,
dass den Junker man zu End' hören muss.


BECKMESSER
Der Meister Zunft, die ganze Schul',
gegen den Sachs da sind wir Null!


SACHS
Verhüt' es Gott, was ich begehr',
dass das nicht nach den Gesetzen wär'!
Doch da nun steht geschrieben:
"Der Merker werde so bestellt,
dass weder Hass noch Lieben
das Urteil trübe, das er fällt."
Geht er nun gar auf Freiers Füssen,
wie sollt' er da die Lust nicht büssen,
den Nebenbuhler auf dem Stuhl'
zu schmähen vor der ganzen Schul'?


(Walther flammt auf)

NACHTIGALL
Ihr geht zu weit!

KOTHNER
Persönlichkeit.

POGNER
Vermeidet, Meister, Zwist und Streit!

BECKMESSER
Ei! Was kümmert's doch Meister Sachsen,
auf was für Füssen ich geh'?
Liess' er doch lieber Sorge sich wachsen,
dass mir nichts drück' die Zeh'!
Doch seit mein Schuster ein grosser Poet,
gar übel es um mein Schuhwerk steht:
da seht, wie's schlappt
und überall klappt!
All' seine Vers' und Reim'
liess' ich ihm gern daheim,
Historien, Spiel' und Schwänke dazu,
brächt' er mir morgen die neuen Schuh'!




SACHS
(kratzt sich hinter den Ohren)
Ihr mahnt mich da gar recht:
doch schickt sich's, Meister, sprecht,
dass, find' ich selbst dem Eseltreiber
ein Sprüchlein auf die Sohl',
dem hochgelahrten Herrn Stadtschreiber
ich nichts drauf schreiben soll?

(Walther steigt in grosser Aufregung
auf den Singstuhl und blickt
stehend herab)
Das Sprüchlein, das eu'r würdig sei,
mit all meiner armen Poeterei,
fand ich noch nicht zur Stund';
doch wird's wohl jetzt mir kund,
wenn ich des Ritters Lied gehört:
drum sing' er nun weiter ungestört!


BECKMESSER
Nicht weiter! Zum Schluss!

DIE MEISTER
(ausser Sachs und Pogner)
Genug! Zum Schluss!

SACHS
(zu Walther)
Singt, dem Herrn Merker zum Verdruss!

BECKMESSER
(Er holt aus dem Gemerk die Tafel
herbei und hält sie, während
des Folgenden, von einem zum andern
sich wendend, den Meistern
zur Prüfung vor.)
Was sollte man da noch hören?
Wär's nicht, euch zu betören?
Jeden Fehler, gross und klein,
seht genau auf der Tafel ein.
"Falsch' Gebänd", "unredbare Worte",
"Klebsilben", hier "Laster" gar!
"Aquivoca", "Reim am falschen Orte".
"Verkehrt", "verstellt" der ganze "Bar"!
Ein "Flickgesang" hier zwischen den Stollen!
"Blinde Meinung" all überall!
"Unklare Wort'", "Differenz", hie "Schrollen"!
Da "falscher Atem", hier "Überfall!"
Ganz unverständliche Melodei!
Aus allen Tönen ein Mischgebräu!
Scheutet ihr nicht das Ungemach,
Meister, zählt mir die Striche nach!
Verloren hätt' er schon mit dem Acht',
doch so weit wie der hat's noch keiner gebracht:
wohl über fünfzig, schlecht gezählt!
Sagt, ob ihr euch den zum Meister wählt?


DIE MEISTER
Ja wohl, so ist's; ich seh' es recht:
mit dem Herrn Ritter steht es schlecht!
Mag Sachs von ihm halten, was er will,
Hier in der Singschul' schweig' er still!
Bleibt einem Jeden doch unbenommen,
wen er sich zum Genossen begehrt?
Wär uns der erste Best' willkommen,
was blieben dann die Meister noch wert?
Hei! Wie sich der Ritter da quält!
Der Sachs hat sich ihn erwählt!
's ist ärgerlich gar! Drum macht ein End'!
Auf, Meister! Stimmt, und erhebt die Händ!

POGNER
Ja wohl, ich seh's, was mir nicht recht:
mit meinem Junker steht es schlecht!
Weich' ich hier der Übermacht,
mir ahnet, dass mir's Sorge macht.
Wie gern säh ich ihn angenommen!
Als Eidam wär' er mir gar wert:
nenn' ich den Sieger jetzt willkommen, -
wer weiss, ob ihn mein Kind begehrt?
Gesteh' ich's, dass mich's quält,
ob Eva den Meister wählt?

WALTHER
Aus finst'rer Dornenhecken
die Eule rauscht hervor,
tät' rings mit Kreischen wecken
der Raben heis'ren Chor:
in nächt'gem Heer zuhauf,
wie krächzen all' da auf,
mit ihren Stimmen, den hohlen,
die Elstern, Krähen und Dohlen!
Auf da steigt,
mit gold'nem Flügelpaar,
ein Vogel wunderbar;
sein strahlend hell Gefieder
licht in den Lüften blinkt;
schwebt selig hin und wieder,
zu Flug und Flucht mir winkt.
Es schwillt das Herz
vor süssem Schmerz,
der Not entwachsen Flügel;
es schwingt sich auf
zum kühnen Lauf,
aus der Städte Gruft,
zum Flug durch die Luft,
dahin zum heimischen Hügel,
dahin zur grünen Vogelweid',
Wo Meister Walther einst mich freit';
da sing' ich heil und hehr
der liebsten Frauen Ehr':
auf da steigt,
ob Meister-Kräh'n ihm ungeneigt,
das stolze Liebeslied!
Ade, ihr Meister, hienied'!


(Walther verlässt mit einer stolz verächtlichen Gebärde den Stuhl und wendet sich rasch zum Fortgehen.
Alles geht in grosser Aufregung auseinander;
lustiger Tumult der Lehrbuben, welche sich des Gemerkes,
des Singstuhls un der Meisterbänke bemächtigen,
wodurch Gedränge und Durcheinander der nach dem Ausgange sich wendenden Meister entsteht)

SACHS
(beobachtet Walther entzückt)
Ha, welch ein Mut!
Begeist'rungsglut!
Ihr Meister, schweigt doch und hört!
Hört, wenn Sachs euch beschwört!
Herr Merker dort, gönnt doch nur Ruh'!
Lasst andre hören, gebt das nur zu!
Umsonst! All' eitel Trachten!
Kaum vernimmt man sein eig'nes Wort;
des Junkers will keiner achten:
das nenn' ich Mut, singt der noch fort!
Das Herz auf dem rechten Fleck,
ein wahrer Dichter-Reck!
Mach' ich Hans Sachs wohl Vers' und Schuh',
ist Ritter der und Poet dazu!


DIE LEHRBUBEN UND DAVID
(Die Lehrbuben sind von der Bank
aufgestanden und nähern sich dem
Gemerk, um welches sie einem Ring
schliessen und sich zum Reigen ordnen)
Glück auf zum Meistersingen,
Mögt' ihr euch das Kränzlein erschwingen;
das Blumenkränzlein aus Seiden fein,
wird das dem Herrn Ritter beschieden sein?
(Sie fassen sich an uns tanzen in Ringe
immer lustiger um das Gemerk)

BECKMESSER
Nun, Meister, kündet's an!
(Die Meister, herheben die Hände)

ALLE MEISTER
Versungen und vertan!

(Sachs, der allein im Vordergrund geblieben,
blickt noch gedankenvoll nach dem leeren Singstuhl;
als die Lehrbuben auch diesen erfassen,
und Sachs darob mit humoristisch unmutiger Gebärde sich abwendet,
fällt der Vorhang.)
SCENE THREE

(On the right
a crescent of cushioned benches runs from the Marker's box,
which is in the middle of the stage;
on the left and facing the assembly is the ecclesiastical chair -
the Singer's Chair.
At the back of the stage
there is a long, low bench for the apprentices.
Walther, angered by the boys' mockery,
has slumped down on the front bench.
Pogner and Beckmesser have entered from the sacristy, conversing;
the apprentices wait respectfully by the bench.
Only David stands by the entrance to the sacresty)

POGNER
Be assured of my good faith;
what I have ordined is to your advantage:
you must win the song contest:
who might defy your Mastery?

BECKMESSER
But will you give way on the point
which - I must confess - makes me doubtful;
if Eva's wish can dismiss a wooer,
what is the use of my Master's glory?


POGNER
But say! I mean, of all things
should you worry about that?
If you cannot command my daughter's wishes,
how could you be wooing her at all?

BECKMESSER
Oh yes! Indeed! That's precisely why I'm asking you
to speak to the child on my behalf:
how tenderly and modestly I've wooed,
and how Beckmesser seems to you to be the right man.


POGNER
I'll gladly do that.

BECKMESSER
(aside)
He won't give way!
How should I fend off disaster?


WALTHER
(who, on perceiving Pogner,
has risen and advanced to meet him
and now bows to him)
Permit me, Master!

POGNER
What! Sir knight!
You seek me in the song-school here?

(They greet one another)

BECKMESSER
(still to himself)
If only women understood! but worthless bragging
counts for more with them than all poetry.


WALTHER
This is the right place for me.
I freely admit, what drove me
from the country to Nuremberg
was only my love of Art.
If I forgot to tell you that yesterday,
I must today be bold and proclaim it out loud:
I should like to be a Mastersinger.


Admit me, Master, to your guild!

(Kunz Vogelgesang and Konrad Nachtigall have entered.)

POGNER
(to those entering)
Kunz Vogelgesang! Friend Nachtigall!
Just listen, what a very unusual thing!
This knight, well known to me,
has turned to the Master's art.

(Greetings and introductions; other Masters arrive)

BECKMESSER
(aside)
I'll still try to avert it: but if I don't succeed
I'll try to win the girl's heart with my singing;
in the silence of the night, heard only by her,
I'll learn whether she sets store by my song.

(He turns and sees Walther)
Who is that man?

POGNER
(to Walther)
Belive me, how glad I am!
The old days seem to have returned.

BECKMESSER
(aside)
I don't like him!

POGNER
What you desire
as far as I am concerned, is granted to you.

BECKMESSER
What does he want here? What a smiling air!

POGNER
I gladly helped you with the sale of the estate,
now I'll equally gladly receive you into the guild.

BECKMESSER
Oho, Sixtus! Keep your eye on him!

WALTHER
(to Pogner)
Thank you for your kindness
from the bottom of my heart!
And may I then hope,
if I am this day allowed
to compete for the prize,
to be called a Mastersinger?


BECKMESSER
Oho! Gently now! A skittle can't stand on its head!

POGNER
Sir knight, this must all follow the rules.
But today there's a trial: I'll propose you;
the Masters will lend me a willing ear.

(The Mastersinger have now all assembled, Hans Sachs the last)

SACHS
God be with you, Masters!

VOGELGESANG
Are we all met?

BECKMESSER
Sachs is there all right!

NACHTIGALL
Call the names then!

KOTHNER
(producing a list,
he stands apart from the rest and calls)
To a trial and a guild meeting
an invitation has gone out to the Masters:
by their names,
to see if everyone has come,
I shall now call them; as the last to be admitted
I name myself: I am Fritz Kothner.
Are you here, Veit Pogner?

POGNER
Here at hand.
(sits)

KOTHNER
Kunz Vogelgesang?

VOGELGESANG
Has arrived.
(sits)

KOTHNER
Hermann Ortel?

ORTEL
Always there.
(sits)

KOTHNER
Balthasar Zorn?

ZORN
Never missing.
(sits)

KOTHNER
Konrad Nachtigall?

NACHTIGALL
True to his call.
(sits)

KOTHNER
Augustin Moser?

MOSER
Never likes to be absent.
(sits)

KOTHNER
Niklaus Vogel? Is he silent?

AN APPRENTICE
(jumping up from his seat)
He's ill.
KOTHNER
A quick recovery to the Master!

ALL THE MASTERS
May God will it!

THE APPRENTICE
Thank you!
(He sits down again)

KOTHNER
Hans Sachs?

DAVID
(jumping up
and pointing to Sachs)
There he is!

SACHS
(threateningly to David)
Is your hide itching?
Forgive me, Masters! Sachs is present!

(He sits)

KOTHNER
Sixtus Beckmesser?

BECKMESSER

Always near Sachs, so that I may learn
the rhyme of "bloom" and "wax".

(Sachs laughs)

KOTHNER
Ulrich Eisslinger?

EISSLINGER
Here.
(sits)

KOTHNER
Hans Foltz?

FOLTZ
I'm here.
(sits)

KOTHNER
Hans Schwarz?

SCHWARZ
The last: God's will!
(sits)

KOTHNER
For our session the number is good and full.
If it please you, shall we elect the Marker?

VOGELGESANG
Better after the festival

BECKMESSER
(to Kothner)
Is the gentleman in a hurry?
I'll gladly let him have my position and office.


POGNER
Not so, Masters! Leave that for now.
I ask leave to speak on an important proposal.

(All the Masters rise and reseat themselves)

KOTHNER
It is granted you, Master. Speak!

POGNER
Hear then, and understand me aright!

That beautiful festival, St. John's Day,
as you know, we celebrate tomorrow:
on the green meadow, by the flowery grove,
with games and dancing at the feast;
secure in a joyous heart,
all cares forgotten,
everyone enjoys himself as he pleases.

Their solemn song-school in the church nave
the Masters themselves give up;
with merry music out of the gate
and on to the open meadow they proceed,
in the din of the brilliant festival;
they permit the people to listen
to the open singing with their laymen's ears.

Victors prizes are awarded
for trial and competitive singing,
and both are praised far and wide,
the gift and also the melody.

Now, God has made me a rich man,
and everone gives what he can,
so I had to think carefully
what I might
not come into dishonour:
so hear what I have decided.

Widely travelled in German lands,
it has often vexed me
that people honour the burgher so little,
call him stingy and peevish:
at courts and in meaner places
I grew tired of the bitter reproach
that only in usury and money
was the burgher interested.
That we alone in the broad German empire
still cherish Art -
by that they set little store:
but how this may redound to our honour,
and that with high resolve
we treasure what is beautiful and good,
the value of Art, what it is worth,
this I became resolved to show the world.

So hear, Masters, the gift
which I have decreed as prize:
to the singer who in the Art-singing
before all the people wins the prize
on St John's Day,
be he who he may,
to him I, a friend of Art,
Nuremberg's Veit Pogner, give
with all my goods, such as they are,
Eva, my only child, in marriage.

THE MASTERS
(animatedly, to one another)
That was some word! The man's his word!
Now they'll see what a Nuremberger can do!
Therefore people will praise you far and wide,
you, the worthy burgher Veit Pogner!

THE APPRENTICES

At all times, far and wide:
Veit Pogner!

VOGELGESANG
Who would not gladly be single!

SACHS
Many a man would gladly give up his wife!

KOTHNER
Up, single men!
Now, get to work!



POGNER
But hear how seriously I intend it!
I give no lifeless gift:
a young girl also sits among judges.
The Master's Guild recognises the prize:
but where it's a question of marriage, reason demands
that over the Master's opinion
the bride has the casting vote.

BECKMESSER
(to Kothner)
Do you think that wise?

KOTHNER
If I understand aright,
you are placing us in the girl's charge?

BECKMESSER
Dangerous, that!

KOTHNER
If she doesn't agree
how could the Master's judgement be free?

BECKMESSER
Let her choose straight out as her heart desires
and leave the Mastersinging out of it!


POGNER
Ah no! Why? Understand me correctly!
The man to whom you Masters award the prize
the maid can refuse,
but never solicit another:
it must be a Mastersinger;
only the man whom you crown may she take.

SACHS
Forgive me!
Perhaps you have already gone too far.
A girl's heart and the Master's Art
do not always glow with equal ardour;
a woman's opinion, quite untutored,
seems to me to be as valid as popular opinion.
If you wish to show the people
how highly you honour Art;
if you let the girl choose for herself,
but do not want her to oppose the verdict:
then let the people be judges too;
they will assuredly agree with the child.


THE MASTERS
Oho! The people? Yes, that would be fine!
Farewell then, Art and Master-tones!

KOTHNER
No, Sachs! Certainly there's no sense in that!
Would you abandon the rules to the people!

SACHS
Understand me aright! What a fuss!
You'll admit I know the rules as well;
and to see that the guild preserves the rules
I have busied myself this many a year.
But once a year I should find it wise
to test the rules themselves,
to see whether in the dull course of habit
their strenght and life doesn't get lost:
and whether you are still
on the right track of Nature
will only be told you by someone
who knows nothing of the table of rules.


(The apprentices jump up and rub their hands)

BECKMESSER
Ha! how the boys rejoice!

SACHS
(earnestly continuing)
For that reason you might never regret
that each year on St John's Day,
instead of letting the people come to you,
from your high Masters' clouds
you yourselves should turn to the people.
You want to please the people;
well, I should have thought it in your interest
to let them tell you themselves
whether they took delight in it.
So that people and Art may bloom and thrive equally
do it in this way, say I, Hans Sachs.


VOGELGESANG
Your intentions are good!

KOTHNER
And yet it's all wrong.

NACHTIGALL
When the people speak, I hold my tongue.

KOTHNER
Art is threatened with downfall and disgrace
if it runs after the favours of the people.

BECKMESSER
This impudent fellow's gone far in that direction:
he mainly writes street-songs.


POGNER
Friend Sachs, my intent is itself new:
too much at one go might bring repentance!

So I ask if the Masters are pleased to accept
the gift and rules as I have stated them?

(The Masters rise assentingly)
SACHS
The girl's casting vote satisfies me.

BECKMESSER
The cobbler always rouses my anger!

KOTHNER
Who will enter his name as competitor?
He must be a bachelor.

BECKMESSER
Perhaps a widower too? Just ask Sachs!

SACHS
Oh no, Mister Marker! Of younger wax
than you and me the wooer must be
if Eva is to bestow the prize on him.


BECKMESSER
Than me too? Rude fellow!

KOTHNER
If anyone seeks trial, let him step forward!
Has anyone seeking trial announced himself?

POGNER
Yes, Masters! Back to the agenda for the day!
And hear me report
that I, following a Master's duty,
recommend a young knight
who wishes to be elected,
and this day seeks to become a Mastersinger!
Sir Stolzing, come hither!

(Walther advances and makes obeisance)

BECKMESSER
(aside)
Just as I thought! Is that the way it's heading, Veit?
(aloud)
Masters, I think it's too late now.

THE MASTERS
This is something new. A knight?
Should we be glad? Or is there a danger?
In any case it carries much weight
that Master Pogner speaks for him.

KOTHNER
If we are to welcome the knight,
he must first be heard.
POGNER
Hear me aright! Though I wish him good fortune
I do not overlook the rules.
Masters, put the questions!

KOTHNER
So may the knight tell us:
is he free and honourably born?

POGNER
That question may be put aside,
as I myself stand witness
that he was born in free and noble wedlock:
von Stolzing, Walther, from Franconia,
well known to me from letters and documents.
The last of his line,
he recently left his estate and castle
and came hither to Nuremberg
to become a burgher here.

BECKMESSER
An upstart knightly weed! That's not good!

NACHTIGALL
Friend Pogner's word is enough.

SACHS
As was long since decided by the Masters,
whether lord or peasant does not matter:
here it is only a question of Art,
when someone desires to be a Mastersinger.


KOTHNER
Therefore I ask you forthwith:
what Master's pupil are you?

WALTHER
At the quiet hearth in winter time,
when castle and courtyard were snowed up,
I often read
in an old book left to me by my ancestor
how once Spring so sweetly laughed,
and how it then soon awoke anew.
Walter von der Vogelweide
he was my master.


SACHS
A good master!

BECKMESSER
But long since dead; how could he
have taught him the rules' command?


KOTHNER
But in which school
did you succeed in learning singing?

WALTHER
When the meadow was free from frost
and summertime returned,
what previously in long winter nights
the old book had told me
now resounded loudly in the forests' splendour,
I heard it ring out brightly:
in the forest at Vogelweide
I also learnt how sing.


BECKMESSER
Oho! from finches and titmice
you learnt the Master's melodies?
So your song will be in this vein?


VOGELGESANG
He has already framed two nice stanzas there.

BECKMESSER
You praise him, Master Vogelgesang
because he has learned singing from the birds?


KOTHNER

What is your opinion, Masters? Shall I continue?
I think the knight is in the wrong place.

SACHS
That will soon become clear:
if he has true Art
and is a good guardian of it,
what does it matter who taught him?


KOTHNER
(to Walther)
Are you ready to show us now
if you have succided in creating a Mastersong
new in invention, both poem and melody
of your own composition?

WALTHER
What winter night,
what forest splendour,
what book and grove taught me;
what the wondrous power of the poet's song
tried in secret to disclose to me;
what my horse's step
at a trial of arms,
what a round-dance
at a marry gathering
gave me to attend to thoughtfully:
if I must exchange life's
highest prize for song,
in my own words and to my own melody
it will flow into a unity for me
as a Mastersong, if I understand aright,
and pour out before you Masters.


BECKMESSER
Can you make anything of this torrent of words?

VOGELGESANG
Ah well, he's trying!

NACHTIGALL
A curious case!

KOTHNER
Now Masters, if you please,
let the Marker's box be made ready.
(to Walther)
Does the gentleman choose a sacred theme?

WALTHER
Something sacred to me:
love's banner
I shall wave, and sing in high hopes.


KOTHNER
We call that profane. Therefore,
Master Beckmesser, shut yourself in alone!

BECKMESSER
(rising and going as if reluctantly
to the Marker's box)
A bitter task, and especially today;
there'll be much anguish with the chalk!

(bowing towards Walther)
Sir knight, know:
Sixtus Beckmesser is the Marker;
here in the box
he silently performs his strict task.
Seven faults he allows you,
he marks them up with chalk there:
if he incurs more than seven faults,
then the knightly gentleman has sung his chance away.

(He seats himself in the box)
He listens very carefully;
but so that he doesn't undermine your courage,
as might happen if you saw him,
he leaves you in peace
and shuts himself up here.
May God be with you.


(With the last words he stretches his head out with a scornfully familiar nod,
then pulls across the front curtains,
so that he becomes invisible)

KOTHNER

(to Walther)
What the guiding principles of your song should be,
learn from the Table of Rules.
(The apprentices have taken the
"Leges Tabulaturae" from the wall
and are holding it out to Kothner,
who reads from it)
(Reading)
"Each unit of a Mastersong
shall present a proper balance
of its different sections,
against which no one shall offend.
A section consist of two stanzas,
which shall have the same melody;
the stanza is a group of so many lines,
the line has its rhyme at the end.
Thereupon follows the Aftersong
which is also to be so many lines long
and have its own special melody
which is not to occur in the stanza.
Each Mastersong shall have
several units in this ratio;
and whoever composes a new song
which does not for more than four syllabies
encroach upon other Master's melodies -
his song may win a -master's prize."
(He returns the Table of Rules to the apprentices;
they hang it on the wall again)
Now seat yourself in the Singer's Chair!

WALTHER

Here - in this chair?

KOTHNER
As is the custom of the School.

WALTHER
(mounting the stool,
with dissatisfaction)
(aside)
For you, beloved, it shall be done!

KOTHNER

The singer sits.

BECKMESSER
(from his box, invisible)
Begin!

WALTHER
"Begin!"
Thus spring cried to the forest
so that it re-echoed loudly:
and as in more distant waves
the sound flees thence,
from farther off there comes a swelling
which powerfully draws nearer;
it swells and resounds,
the forest rings
with the host of lovely voices;
now loud and bright
and near at hand -
how the sound grows!
Like the clanging of bells
the throng of jubilation rings out!
The forest,
how soon
it answers to the call
which brought it new life,
and struck up
the sweet song of spring!

(During this, repeated groans of discouragement and scratchings of the chalk
are heard from the Marker.
Walther hears them too,
and after a momentary pause of discomposure continues.)
In a thorn-hedge,
consumed with jealousy and grief,
winter, grimly armed,
had to hide himself away:
with dry leaves rustling about him
he lies in wait and plans
how he might harm
this joyful singing.

(rising from the stool)
But: begin!
That was the call in my breast
when it was still ignorant of love.
I felt it rising deep within me
as if it were waking me from a dream;
my heart with its quivering beats
filled my whole bosom:
my blood pounds
all-powerfully,
swollen by this new feeling;
from a warm night
and with superior strength
this host of sighs
swells to a sea
in a wild tumult of bliss:
the breast,
how soon
it answers the call
which brought it new life:
strike up
the majestic song of love!


BECKMESSER
(tearing open the curtains)
Have you finished yet?

WALTHER
What do you mean?

BECKMESSER
There's no more room on the slate.
(He holds out the slate, completely covered with chalk marks.
The Masters cannot restrain their laughter)

WALTHER
But listen! My lady's praises
am I only now reaching with my melody.


BECKMESSER
(leaving his box)
Sing where you like! You're finished here!
Masters, look at the slate:
in all my life there has been nothing like it!
I shouldn't belive it, even if you all swear to it!


WALTHER
Will you allow him to interrupt me, Masters?
Am I to remain unheard by all?


POGNER
A word, Mister Marker! You are angry.

BECKMESSER
Let him forthwith be Marker who coverts it!
But that the knight has sung his chance away,
I'll first show before the Masters' assembly.
To be sure, it will be a hard task: where begin,
when there was no beginning nor end to it?
Of false number and false grouping
I'll make absolutely no mention:
too short, too long, who might find an end there?
Who would seriously call this a unit?
I'll accuse him only of Blind Meaning;
say, could a meaning be more meaningless?


SEVERAL MASTERS
It meant nothing! I must admit
no one could descry its end.

BECKMESSER
And then the melody! What a mad jumble
of "Adventure" and "Blue Larkspur" melodies,
"High Fir-Tree" and "Proud Youth" tones!


KOTHNER
Yes, I understood nothing of it!

BECKMESSER
No pause anywhere, no coloratura,
and not a trace of melody!




SEVERAL MASTERS
Who calls that singing?
It made one uneasy!

VOGELGESANG
Nothing but ear-splitting din!

ZORN
And nothing behind it!

KOTHNER
And he even jumped up from the Singer's Chair!

BECKMESSER
Will you press for proof of his faults?
Or declare outright that he has sung his chance away?


SACHS
(who has listened to Walther from the first
with serious interest)
Stay, Masters! Not so fast!
Not everyone shares your opinion.
The knight's song and melody
I found new, but not confused;
if he left our paths
he at least strode firmly and surely.
If you wish to measure according to rules
something which does not agree with your rules,
forget your own ways,
and first seek its rules!


BECKMESSER
Aha! That's right! Now you hear it:
Sachs is opening a loop-hole for bunglers
who come and go as they please
and follow their own frivolous course.
Sing to the people on the market-place and in the streets;
here admittance is only by the rules.


SACHS
Mister Marker, why such zealousness?
Why so little calm?
Your judgement, it seems to me, would be more mature
if you listened more carefully.
That's why I'll finish by sayng
that we must hear the knight to the end.


BECKMESSER
The Master's Guild, the whole School
count for nothing against Sachs.


SACHS
God forbid that what I ask
should not be according to the laws!
But it is written:
"The Marker shall be so disposed
that neiter hatred nor love
obscure the judgement which he gives."
Since he is going a-wooing,
why should he not satisfy his desire
to disgrace a rival in the chair
before the whole School?


(Walther flames up)

NACHTIGALL
You go too far!

KOTHNER
You're being personal!

POGNER
Avoid, Masters, discord and strife!
BECKMESSER
And what does it concern Master Sachs
where or how I go?
Rather should he take care
that nothing pinches my toes!
But since my cobbler is a great poet
thinas look bad for my footwear!
Look how sloppy they are,
they flap everywhere!
All his verses and rhymes
I'd glady have him leave at home,
histories, plays, and farces too
if he'd bring me my new shoes tomorrow!




SACHS

You do right to remind me;
but is it fitting, Masters, tell me,
that, if I make a little verse
for even the donkey-driver's soles,
I should write nothing on those
of our highly learned town clerk?

(Walther, much put out,
remounts the Singer's seat)

The little verse which would be worthy of you
I with all my humble poetic gifts
have not yet found;
but it will surely come to me now,
when I've heard the knight's song -
so let him sing on undisturbed!


BECKMESSER
No more! An end!

THE MASTERS
(except Sachs and Pogner)
Enough! An end!

SACHS
(to Walther)
Sing, in defiance of our Mister Marker!

BECKMESSER
(He fetches out his board
from the box and shows it
during the following,
first to one and then to another,
to convince the Masters)
What more should we hear?
Unless it were to delude you?
Each mistake, great and small,
see it recorded exactly on the slate.
"False Grouping", "Unspeakable Words",
"Affixes", here "Vices", even!
"Aequivoca", "Rhymes in the wrong place",
"Inverted" and "Misplaced" the whole "unit"!
A "Patch-Song" here between the stanzas!
"Obscure Meaning" absolutely everywhere!
"Unclear Words", "Disagreement", "Clods" here!
"Wrong Breathing" there, "Surprise" here!
A quite incomprehensible melody!
A confused brew of all the tones!
If you aren't put off by the toil,
Masters, count the faults with me!
He'd have failed with his eighth,
but no one has yet got as far as he:
certainly over fifty, at a rough count!
Say, do you elect him Master?


THE MASTERS
Yes indeed, that's it! I see it clearly!
It looks bad for the knight!
Let Sachs think of him what he will,
he must be silent here in the Singing-school!
Is everyone of us not at liberty to decide
whom he wishes as colleague?
If every stranger were welcomed
what worth would the Masters then have?
Ha! How the knight is toiling away!
Sachs has chosen him for his own.
It's really vexatious! So put a stop to it!
Up, Masters, vote and raise your hands!

POGNER
Yes, indeed, what I see doesn't please me:
things look bad for my knight!
If I yield to superior forces here
I foresee it will trouble me.
How gladly I should see him admitted.
He'd be a worthy son-in-law.
If I am now to bid the victor welcome,
who knows if my child will choose him!
I admit that it torments me -
will Eva choose the Master?

WALTHER
From a dark thorn-hedge
the owl sped forth,
awoke all around with its screeching
the hoarse chorus of ravens.
In vast nocturnal horde
how they all begin to croak
with their hollow voices -
Magpies, crows and jackdaws!
There rises up
on a pair of golden wings
a wondrous bird:
its dazzling bright plumage
shines light in the breezes;
blissfully hovering now and again
it beckons me to fly and flee.
My heart swells
with sweet pain,
in my need wings sprout;
it soars
in bold progress
to fly through the air
up from the tombs of cities
to its native hill
to the green Vogelweide
where Master Walther once set me free;
there I sing bright and clear
in honour of my dearest lady:
upwards then climbs -
though Master-Crows are unfriendly to it -
the proud love-song.
Farewell, you Masters here below!


(With a gesture of proud contempt,
Walther leaves the Singer's Chair and the building.
There is general confusion, augmented by the apprentices,
who shoulder the benches and Marker's box,
causing hindrance and disorder to the Masters who are crowding to the door)

SACHS

Ha, what spirit!
What glow of inspiration!
You Masters, be quiet and listen!
Listen when Sachs beseeches you!
Master Marker, favour us with some peace!
Let others listen! Grant but that!
In vain! Every endeavour is in vain!
One can scarcely hear oneself speak!
No one will heed the knight.
There's spirit for you, to carry on singing!
His heart's in the right place:
a true poet-knight!
If I, Hans Sachs, make verse and shoes,
he's a knight and a poet too!


THE APPRENTICES AND DAVID
(The apprentices, jumping up
from their bench towards the end
take hands and dance in ring
round the Marker's box)
Good luck for the Master-singing
if you want to gain the garland!
The flowery garland of fine silks -
will it be granted to the knight?

BECKMESSER
Now, Masters, annunce your decision!
(The Masters hold up their hands)

ALL MASTERS
Completely sung away his chance!

(Sachs remains alone in the front, looking pensively at the empty seat:
when the boys remove this too he turns away with a humorous gesture of discouragement)
(1/3-Bayreuth-1999)
1/3-Bayreuth-1999


1/3/Walther/Gestattet-Bayreuth-1999

1/3/Sachs/Gott_grüss-Bayreuth-1999
1/3/Kothner/Zu-Bayreuth-1999
1/3/Kothner/Zur_Sitzung-Bayreuth-1999
1/3/Pogner/Nun_hört-Bayreuth-1999
1/3/Meistersinger/Das_heisst-Bayreuth-1999
1/3/Pogner/Nun_hört-Bayreuth-1999
1/3/Pognr/Nicht_so!-Bayreuth-1999
1/3/Sachs/Verzeiht!-Bayreuth-1999
1/3/Sachs/Vernehmt-Bayreuth-1999
1/3/Kothner/Begehrt-Bayreuth-1999
1/3/Walther/Am_stillen-Bayreuth-1999
1/3/Kothner/Nun,_Meister!-Bayreuth-1999
1/3/Kothner/Was_euch_zum_Leide-Bayreuth-1999
1/3/Walther/Hier-Bayreuth-1999
1/3/Beckmesser/Seid-Bayreuth-1999
1/3/Sachs/Halt-Bayreuth-1999
1/3/Beckmesser/Ei!-Bayreuth-1999
1/3/Beckmesser/Was_sollte-Bayreuth-1999
1/3/DIE_LEHRBUBEN-Bayreuth-1999
(1/3/(Sachs_allein)-Bayreuth-1999)
End_of_Aufzug_1-Bayreuth-1999
-Bayreuth-1999
-Bayreuth-1999
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Zweiter Aufzug
Zweiter Aufzug, Erste Szene
ZWEITER AUFZUG

ERSTE SZENE

Die Bühne stellt im Vordergrunde eine Strasse im Längendurchschnitt dar,
welche in der Mitte von einer schmalen Gasse,
nach dem Hintergrunde zu krumm abbiegend,
durchschnitten wird,
so dass sich in Front zwei Eckhäuser darbieten,
von denen das eine, reichere, rechts, das Haus Pogners,
das andere, einfachere, links, das des Sachs ist.
Zu Pogners Hause führt von der vorderen Strasse aus eine Treppe von mehreren Stufen;
vertiefte Türe, mit Steinsitzen in den Nischen.
Zur Seite ist der Raum, ziemlich nahe an Pogners Hause, durch eine dickstämmige Linde abgegrenzt;
grünes Gesträuch umgibt sie am Fuss, vor welchem auch eine Steinbank angebracht ist.
Der Eingang zu Sachsens Hause ist ebenfalls nach der vorderen Strasse zu gelegen;
eine geteilte Ladentür führt hier unmittelbar in die Schusterwerkstatt;
dicht dabei steht ein Fliederbaum, dessen Zweige bis über den Laden herabhängen.
Nach der Gasse zu hat das Haus noch zwei Fenster,
von welchen das eine zur Werkstatt,
das andere zu einer dahinter liegenden Kammer gehört.
[Alle Häuser, namentlich auch die der engeren Grasse, müssen praktikabel sein].
Heitrer Sommerabend; im Verlaufe der ersten Auftritte allmählich einbrechende Nacht.

(David ist darüber her, die Fensterläden nach der Gasse zu von aussen zu schliessen.
Alle Lehrbuben tun das gleiche bei andren Häusern)

LEHRBUBEN
(während der Arbeit)
Johannistag! Johannistag!
Blumen und Bänder soviel man mag!

DAVID
(leise für sich)
"Das Blumenkränzlein aus Seiden fein",
möcht' es mir balde beschieden sein!

(Magdalene ist mit einem Korbe am Arme aus Pogners Haus gekommen und sucht David unbemerkt sich zu nähern)

MAGDALENE
Bst! David!

DAVID
(nach der Gasse zu sich
umwendend, heftig)
Ruft ihr schon wieder?
Singt allein eure dummen Lieder!
(Er wendet sich unwilling zur Seite)

LEHRBUBEN
David, was soll's?
Wär'st nicht so stolz,
schaut'st besser um,
Wär'st nicht so dumm!
"Johannistag! Johannistag!"
Wie der nur die Jungfer Lene nicht kennen mag!

MAGDALENE
David! Hör' doch! Kehr' dich zu mir!

DAVID
Ach, Jungfer Lene, ihr seid hier?

MAGDALENE
(auf ihren Korb deutend)
Bring' dir was Gut's, schau' nur hinein
das soll für mein lieb' Schätzel sein.
Erst aber schnell, wie ging's mit dem Ritter?
Du rietest ihm gut? Er gewann den Kranz?

DAVID
Ach, Jungfer Lene! Da steht's bitter;
der hat vertan und versungen ganz!

MAGDALENE
(erschrocken)
Versungen? Vertan?

DAVID
Was geht's euch nur an?

MAGDALENE
(den Korb, nach welchem David
die Hand ausstreckt, heftig
zurückziehend)
Hand von der Taschen!
Nichts zu naschen!
Hilf Gott! Unser Junker vertan!

(Sie geht mit Gebärden der Trostlosigkeit in das Haus zurück.
David sieht ihr verblüfft nach)

DIE LEHRBUBEN
(Die Lehrbuben, welche unvermerkt
näher geschlichen waren und
gelauscht hatten, präsentieren sich
jetzt, wie glückwünschend, David)
Heil! Heil zur Eh' dem jungen Mann!
Wie glücklich hat er gefreit!
Wir hörten's all' und sahen's an:
der er sein Herz geweiht,
für die er lässt sein Leben,
die hat ihm den Korb nicht gegeben!

DAVID
(auffahrend)
Was steht ihr hier faul?
Gleich haltet das Maul!

DIE LEHRBUBEN
(schliessen einen Ring um David
und tanzen um ihn)
Johannistag! Johannistag!
Da freit ein jeder, wie er mag.
Der Meister freit,
der Bursche freit,
da gibt's Geschlamp' und Geschlumbfer!
Der Alte freit
die junge Maid,
der Bursche die alte Jumbfer!
Juchhei! Juchhei! Johannistag!

(David ist im Begriff, wütend drein zu schlagen,
als Sachs, der aus der Gasse hervorgekommen, dazwischen tritt).
(Die Lehrbuben fahren auseinander)

SACHS
(zu David)
Was gibt's? Treff' ich dich wieder am Schlag?
DAVID
Nicht ich: Schandlieder singen die!

SACHS
Hör' nicht drauf; lern's besser wie sie!
Zur Ruh', ins Haus! Schliess und mach' Licht!


(Die Lehrbuben zerstreuen sich)

DAVID
Hab' ich heut' Singstund'?

SACHS
Nein, singst nicht -
zur Straf' für dein heutig' frech Erdreisten!
Die neuen Schuh' steck' mir auf den Leisten!


(David und Sachs sind in die Werkstatt eingetreten und gehen durch eine innere Tür ab)
ACT TWO

SCENE ONE

The scene shows a street lengthwise with two houses,
one on the left, another on the right.
Between the two houses is a narrow alley winding towards the back of the stage.
One house, grand in style, is Pogner's;
the other, simple in style, is Sachs's.
In front of Pogner's house there is a lime-tree,
in front of Sachs's an elder.
It is a pleasant summer evening and during this scene night falls.

(David is closing the shutters of Sachs's house
and other apprentices are doing the same
for the other houses in the background)

APPRENTICES
(as they work)
St John's Day! St John's Day!
Flowers and ribbons in plenty!

DAVID
(aside)
"The little flowery garland of fine silks",
might it soon be granted to me!

(Magdalena come out of Pogner's house with a basket on her arm
and seeking to approach David unperceived)

MAGDALENA
Pst! David!

DAVID
(turning towards
the alley)
Are you calling again?
Sing your silly songs alone!

APPRENTICES
David, what is it?
If you weren't so proud
you'd look round -
if you weren't so silly!
"St John's Day! St John's Day!"
He doesn't want to know Mistress Lena!

MAGDALENA
David! Listen! Turn round to me!

DAVID
Ah! Mistress Lena! You here?

MAGDALENA
(pointing to her basket)
I bring you something good! Just look inside!
That's for my dear little treasure.
But first, quickly, how did the knight fare?
You advised him well? He won the garland?

DAVID
Ah, Mistress Lena! It's a sad sory:
he has completely sung away his chance!

MAGDALENA

Sung away? Completely?

DAVID
What does that matter to you?

MAGDALENA
(snatching the basket
away from David's
outstretched hand)
Hands off the basket!
No titbits for you!
God help us! Our knight undone!

(She goes back into the house, wringing her hands in despair.
David looks after her, dumbfounded)

APPRENTICES
(who have quietly stolen
nearer and overheard,
now advance towards David
as if congratulating him)
Hail, hail to the young man on his marriage!
How successfully he has wooed!
We all heard, and saw it too:
she to whom he has given his heart
and for whom he would give his life -
she hasn't given him the basket.

DAVID
(flaring up)
Why are you idling here?
Hold your tongues this minute!

APPRENTICES
(dancing round David)

St John's Day! St John's Day!
Every man woos as he wishes.
The Master woos!
The apprentice woos!
There's much flirtation and cuddling!
The old man woos
the young maiden,
the apprentice the old maid!
Hurrah! Hurrah! St John's Day!

(David is about to fly at the boys in his temper,
when Sachs, who has come down the alley, steps between them).
(The apprentices separate)

SACHS
(to David)
What's this? Do I catch you fighting again?
DAVID
Not I! They're singing coarse songs.

SACHS
Don't listen to them! Learn better than they!
To rest! Get inside! Lock up and light a lamp.


(The apprentices disperse)

DAVID
Do I have a singing lesson today?

SACHS
No, no singing -
as a punishment for your cheekiness today!
Put the new shoes on the last for me!


(David and Sachs go together into the workshop and disappear through an inner door)
((2-Bayreuth-1999))
(2/Music+Curtain-Bayreuth-1999)
2/1/Lehrbuben-Bayreuth-1999
-Bayreuth-1999
-Bayreuth-1999
-Bayreuth-1999
shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Zweiter Aufzug, Zweite Szene
ZWEITE SZENE

(Pogner und Eva, wie vom Spaziergang heimkehrend,
die Tochter leicht am Arm des Vaters eingehängt,
sind, beide schweigsam die Gasse heraufgekommen)

POGNER
(durch eine Klinze im Fensterladen
Sachsens spähend)
Lass sehn, ob Nachbar Sachs zu Haus?
Gern spräch' ich ihn; trät' ich wohl ein?

(David kommt mit Licht aus der Kammer,
setzt sich damit an den Werktisch am Fenster
und macht sich an die Arbeit her)

(spähend)

EVA
Er scheint daheim:
kommt Licht heraus.


POGNER
Tu' ich's? Zu was doch? Besser nein!
(Er wendet sich ab)
Will einer Seltnes wagen,
was liess' er sich dann sagen?
(Er sinnt nach)
War er's nicht, der meint', ich ging' zu weit?
Und blieb' ich nicht im Geleise,
war's nicht auf seine Weise?
Doch war's vielleicht auch Eitelkeit?
(Er wendet sich zu Eva)
Und du, mein Kind? Du sagst mir nichts?

EVA
Ein folgsam Kind, gefragt nur spricht's.

POGNER
(sehr zart)
Wie klug! - Wie gut! Komm' setz' dich hier
ein' Weil' noch auf die Bank zu mir.
(Er setzt sich auf die Steinbank
unter der Linde.)

EVA
Wird's nicht zu kühl?
's war heut' gar schwül.

(Sie setzt sich zögernd und beklommen Pogner zur Seite)

POGNER
Nicht doch, 's ist mild und labend,
gar lieblich lind der Abend:
das deutet auf den schönsten Tag,
der morgen soll erscheinen.
O Kind! Sagt dir kein Herzensschlag,
welch' Glück dich morgen treffen mag,
wenn Nüremberg, die ganze Stadt,
mit Bürgern und Gemeinen,
mit Zünften, Volk und hohem Rat
vor dir sich soll vereinen,
dass du den Preis,
das edle Reis,
erteilest als Gemahl
dem Meister deiner Wahl?

EVA
Lieb' Vater, muss es ein Meister sein?

POGNER
Hör' wohl: ein Meister deiner Wahl.

(Magdalene erscheint an der Türe und winkt Eva.)

EVA
(zerstreut)
ja, meiner Wahl. Doch tritt nur ein -
(laut, zu Magdalene gewandt)
(gleich, Lene, gleich) zum Abendmahl!
(Sie steht auf)

POGNER
(ärgerlich aufstehend)
's gibt doch keinen Gast?

EVA
(wie oben)
Wohl den Junker?

POGNER
(verwundert)
Wie so?

EVA
Sahst ihn heut' nicht?

POGNER
(halb für sich)
Ward sein' nicht froh.
Nicht doch! Was denn? Ei! werd' ich dumm?

EVA
Lieb' Väterchen, komm'!
Geh', kleid' dich um.


POGNER
(während er ins Haus vorangeht)
Hm! Was geht mir im Kopf doch 'rum?

MAGDALENE
(heimlich zu Eva)
Hast was heraus?

EVA
Blieb still und stumm.

MAGDALENE
Sprach David, meint', er habe vertan.

EVA
(erschrocken)
Der Ritter? Hilf Gott! Was fing' ich an?
Ach Lene, die Angst! Wo was erfahren?


MAGDALENE
Vielleicht vom Sachs?

EVA
(heiter)
Ach! Der hat mich lieb:
gewiss, ich geh' hin.


MAGDALENE
Lass drin nichts gewahren;
der Vater merkt' es, wenn man jetzt blieb'.
Nach dem Mahl! Dann hab' ich dir noch was zu sagen,
(im Abgehen auf der Treppe)
was jemand geheim mir aufgetragen.

EVA
(sich umwendend)
Wer denn? Der Junker?

MAGDALENE
Nichts da! Nein!
Beckmesser.

EVA
Das mag was Rechtes sein!

(Sie gehen in das Haus. Magdalene folgt ihr)
SCENE TWO

(Pogner and Eva, returning from a walk together,
come silently and thoughtfully down the alley,
the daughter leaning on her father's arm)

POGNER
(peeping through a chink
in Sachs's shutter)
Let's see if Master Sachs is at home.
I'd like a word with him. Shall I go in?

(David comes out of the inner room with a light and sits down to work at the bench by the window)

EVA
He seems to be at home:
there's a light within.


POGNER
Shall I? But what for? Better not!
(He turns away)
If someone is about to risk something unusual
what advice would he accept?
(after some reflection)
Was it not he who thought I was going too far?
And if I left the beaten track
was it not in his way?
But was it perhaps vanity, too?
(to Eva)
And you, my child, you say nothing?

EVA
An obedient child speaks only when asked.

POGNER

How wise! How good! Come, sit down here
for a while with me on the bench.
(He sits on the stone seat
under the lime-tree)

EVA
Won't it be too cool?
It was very close today.

(She sits, nervously, at Pogner's side)

POGNER
No no, it's mild and refreshing;
it's a delightful balmy evening.
That suggest that tomorrow
will be the most beautiful day.
O child, don't your heartbeats tell you
what happiness may be yours tomorrow,
when Nuremberg, the whole city
with burghers and commoners,
with guilds, people, and high council,
shall assemble before you
so that you may award the prize,
that noble garland,
as consort
to the Master of your choice?

EVA
Dear father, must it be a Master?

POGNER
Listen carefully: a Master of your choice.

(Magdalena appears at the door and signs to Eva)

EVA
(distraught)
Yes, of my choice. But just go in -

(I'm coming, Lena, I'm coming!) - to supper.
(She rises)

POGNER
(rising vexedly)
But there's no guest?

EVA
(as before)
The nobleman, I thought?

POGNER
(surprised)
What do you mean?

EVA
Haven't you seen him today?

POGNER
(half to himself)
I wasn't pleased with him.
But no... What then? Ah! am I growing dim?

EVA
Come, dear papa!
Go and change!


POGNER
(going into the house before her)
Hm! What's going round in my head?

MAGDALENA
(secretly to Eva)
Have you learned anything?

EVA
He was still and silent.

MAGDALENA
David said he thought he was undone.

EVA
(disturbed)
The knight? God help me, what am I to do?
Ah Lena! What anguish! How can we find out?


MAGDALENA
Perhaps from Sachs?

EVA

Ah, he's fond of me!
Of course, I'll go to him.


MAGDALENA
Don't give anything away!
Your father would notice if we stayed any longer.
After supper! Then I shall have more to say

that someone has secretly entrusted to me.

EVA

Who then? The nobleman?

MAGDALENA
Nothing there! No!
Beckmesser.

EVA
That should be good!

(They go into the house)
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Zweiter Aufzug, Dritte Szene
DRITTE SZENE

SACHS
(ist in leichter Hauskleidung
von innen in die Werkstatt zurückgekommen.
Er wendet sich zu David,
der an seinem Werktische verblieben ist)
Zeig her! 's ist gut. Dort an die Tür'
rück' mir Tisch und Schemel herfür!
Leg' dich zu Bett', steh' auf beizeit:
verschlaf' die Dummheit, sei morgen gescheit!


DAVID
Schafft ihr noch Arbeit?

SACHS
Kümmert dich das?

DAVID
(für sich)
Was war nur der Lene? Gott weiss was!
Warum wohl der Meister heute wacht?

SACHS
Was stehst noch?

DAVID
Schlaft wohl, Meister!

SACHS
Gut' Nacht!
(David geht in die der Gasse zu gelegene Kammer ab)

(Sachs legt sich die Arbeit zurecht,
setzt sich an der Tür auf den Schemel,
lässt aber die Arbeit wieder liegen
und lehnt, mit dem Arm auf den geschlossenen Unterteil des Türladens gestätzt, sich zurück.)

SACHS
Wie duftet doch der Flieder
so mild, so stark und voll!
Mir löst es weich die Glieder,
will, dass ich was sagen soll.
Was gilt's, was ich dir sagen kann?
Bin gar ein arm einfältig' Mann!
Soll mir die Arbeit nicht schmecken,
gäbst, Freund, lieber mich frei,
tät' besser, das Leder zu strecken
und liess' alle Poeterei!

(Er nimmt heftig und geräuschvoll
die Schusterarbeit vor).
(Er Lässt wieder ab,
lehnt sich von Neuem zurück und sinnt nach)
Und doch, 's will halt nicht geh'n:
Ich fühl's und kann's nicht versteh'n: -
kann's nicht behalten, - doch auch nicht vergessen:
und fass' ich es ganz, kann ich's nicht messen!
Doch wie wollt' ich auch fassen,
was unermesslich mir schien?
Kein' Regel wollte da passen,
und war doch kein Fehler drin.
Es klang so alt und war doch so neu,
wie Vogelsang im süssen Mai!
Wer ihn hört,
und wahnbetört
sänge dem Vogel nach,
dem brächt' es Spott und Schmach:
Lenzes Gebot,
die süsse Not,
die legt' es ihm in die Brust:
nun sang er, wie er musst',
und wie er musst', so konnt' er's, -
das merkt' ich ganz besonders.
Dem Vogel, der heute sang,
dem war der Schnabel bald gewachsen;
macht' er den Meistern bang,
gar wohl gefiel er doch Hans Sachsen!
SCENE THREE

SACHS
(in light indoor dress,
has come back into the workshop.
He turns to David,
who is still at his work-bench)
Show me! It's good.
Move my table and stool up by the door there!
Go to bed! Be up in good time,
sleep off your folly and be sensible tomorrow!


DAVID
Are you going to work?

SACHS
Does that concern you?

DAVID
(aside)
What's wrong with Lena? Heaven knows!
Why's the Masters staying up late tonight?

SACHS
What are you still standing there for?

DAVID
Sleep well, Master!

SACHS
Good night!

(David goes into the inner room which overlooks the street)

(Sachs arranges his work,
sits on his stool at the door,
and then, laying down his tools again, leans back,
resting his arm on the closed lower half of the door)

SACHS
So mild, so strong and full
is the scent of the elder tree!
It relaxes my limbs gently,
wants me to say something.
What is the good of anything I can say to you?
I'm but a poor, simple man.
If work is not to my taste,
you might, friend, rather release me;
I would do better to stretch leather
and give up all poetry.

(He tries again to get down the work,
with much noise.)
(He leaves off,
leans back once more and reflects)
And yet it just won't go.
I feel it, and cannot understand it;
I cannot hold on to it,
nor yet forget it;
and if I grasp it wholly, I cannot measure it!
But then, how should I grasp
what seemed to me immeasurable?
No rule seemed to fit it,
and yet there was no fault in it.
It sounded so old, and yet was so new,
like birdsong who heard a bird singing
and, carried away by madness,
imitated its song,
would earn derision and disgrace!
Spring's command,
sweet necessity
placed it in his breast:
then he sang as he had to;
and as he had to, so he could:
I noticed that particularly.
The bird that sang today
had a finely-formed break;
if he made the Masters uneasy,
he certainly pleased Hans Sachs well!
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Zweiter Aufzug, Vierte Szene
VIERTE SZENE

(Eva ist auf die Strasse getreten,
hat sich schüchtern der Werkstatt genähert
und steht jetzt unvermerkt an der Türe bei Sachs)
(Sachs nimmt mit heitrer Gelassenheit seine Arbeit vor.)

EVA
Gut'n Abend, Meister!
Noch so fleissig?


SACHS
(fährt angenehm überrascht auf)
Ei, Kind! Lieb' Evchen? Noch so spät?
Und doch, warum so spät noch, weiss ich:
die neuen Schuh'?


EVA
Wie fehl er rät!
Die Schuh' hab' ich noch gar nicht probiert;
sie sind so schön und reich geziert,
dass ich sie noch nicht an die Füss' mir getraut.


(Sie setzt sich dicht neben Sachs auf den Steinsitz.)

SACHS
Doch sollst sie morgen tragen als Braut?

EVA
Wer wäre denn Bräutigam?

SACHS
Weiss ich das?

EVA
Wie wisst ihr dann, dass ich Braut?

SACHS
Ei, was!
Das weiss die Stadt.


EVA
Ja, weiss es die Stadt,
Freund Sachs gute Gewähr dann hat!
Ich dacht', er wüsst' mehr.


SACHS
Was sollt ich wissen?

EVA
Ei, seht doch! Werd' ich's ihm sagen müssen?
Ich bin wohl recht dumm?


SACHS
Das sag' ich nicht.

EVA
Dann wär't ihr wohl klug?

SACHS
Das weiss ich nicht.

EVA
Ihr wisst nichts? Ihr sagt nichts? Ei, Freund Sachs,
jetzt merk' ich wahrlich: Pech ist kein Wachs.
Ich hätt' euch für feiner gehalten.


SACHS
Kind, beid', Wachs und Pech, vertraut mir sind:
mit Wachs strich ich die seid'nen Fäden,
damit ich dir die zieren Schuh' gefasst:
heut' fass' ich die Schuh' mit dicht'ren Drähten,
da gilt's mit Pech für den derb'ren Gast.


EVA
Wer ist denn der? Wohl was recht's?

SACHS
Das mein' ich!
Ein Meister stolz auf Freiers Fuss;
denkt morgen zu siegen ganz alleinig:
Herrn Beckmessers Schuh' ich richten muss.


EVA
So nehmt nur tüchtig Pech dazu:
da kleb' er d'rin, und lass' mir Ruh'!


SACHS
Er hofft dich sicher zu ersingen.

EVA
Wieso denn der?

SACHS
Ein Junggesell', -
's gibt deren wenig dort zur Stell'.


EVA
Könnt's einem Witwer nicht gelingen?

SACHS
Mein Kind, der wär zu alt für dich.

EVA
Ei was! zu alt? Hier gilt's der Kunst,
wer sie versteht, der werb' um mich.


SACHS
Lieb' Evchen, machst mir blauen Dunst?

EVA
Nicht ich, ihr seid's, ihr macht mir Flausen!
Gesteht nur, dass ihr wandelbar.
Gott weiss, wer euch jetzt im Herzen mag hausen!
Glaubt ich mich doch d'rin so manches Jahr.


SACHS
Wohl, da ich dich gern auf den Armen trug?

EVA
Ich seh', 's war nur, weil ihr kinderlos.

SACHS
Hatt' einst ein Weib und Kinder genug!

EVA
Doch, starb eure Frau, so wuchs ich gross?

SACHS
Gar gross und schön!

EVA
Da dacht' ich aus:
ihr nähmt mich für Weib und Kind ins Haus?


SACHS
Da hätt' ich ein Kind und auch ein Weib;
's wär' gar ein lieber Zeitvertreib!
Ja, ja! Das hast du dir schön erdacht.


EVA
Ich glaub', der Meister mich gar verlacht?
Am End' auch liess' er sich gar gefallen,
dass unter der Nas' ihm weg vor allen
der Beckmesser morgen mich ersäng'?


SACHS
Wer sollt's ihm wehren, wenn's ihm geläng'?
Dem wüsst' allein dein Vater Rat.


EVA
Wo so ein Meister den Kopf nur hat!
Käm' ich zu euch wohl, fänd' ich's zu Haus'?


SACHS
(trocken)
Ach, ja! Hast recht: 's ist im Kopf mir kraus.
Hab' heut' manch' Sorg' und Wirr' erlebt:
da mag's dann sein, dass was d'rin klebt.


EVA
(wieder näher rückend)
Wohl in der Singschul'? 's war heut' Gebot?

SACHS
Ja, Kind! Eine Freiung machte mir Not.

EVA
Ja, Sachs! Das hättet ihr gleich soll'n sagen,
quält' euch dann nicht mit unnützen Fragen.
Nun sagt, wer war's, der Freiung begehrt?


SACHS
Ein Junker, Kind, gar unbelehrt.

EVA
(wie heimlich)
Ein Junker? Mein, sagt! Und ward er gefreit?

SACHS
Nichts da, mein Kind! 's gab gar viel Streit.

EVA
So sagt, - erzählt, - wie ging es zu?
Macht's euch Sorg', wie liess' mir es Ruh'?
So bestand er übel und hat vertan?


SACHS
Ohne Gnad' versang der Herr Rittersmann.

MAGDALENE
(kommt zum Hause heraus
und ruft leise)
Bst! Evchen! Bst!

EVA
(eifrig zu Sachs gewandt)
Ohne Gnade? Wie?
Kein Mittel gäb's, das ihm gedieh'?
Sang er so schlecht, so fehlervoll,
dass nichts mehr zum Meister ihm helfen soll?


SACHS
Mein Kind, für den ist alles verloren,
und Meister wird der in keinem Land;
denn wer als Meister geboren,
der hat unter Meistern den schlimmsten Stand.

MAGDALENE
(vernehmlicher rufend)
Der Vater verlangt.

EVA
(immer dringender zu Sachs)
So sagt mir noch an,
ob keinen der Meister zum Freund er gewann?


SACHS
Das wär' nicht übel, Freund ihm noch sein!
Ihm, vor dem sich alle fühlten so klein!
Den Junker Hochmut, lasst ihn laufen!
Mag er durch die Welt sich raufen;
was wir erlernt mit Not und Müh,
dabei lasst uns in Ruhe verschnaufen,
hier renn' er uns nichts über'n Haufen;
sein Glück ihm anderswo erblüh'!


EVA
(erhebt sich zornig)
Ja! anderswo soll's ihm erblühn,
als bei euch garst'gen, neid'schen Mannsen, -
wo warm die Herzen noch erglühn,
trotz allen tück'schen Meister Hansen!

(zu Magdalene)
Gleich, Lene, gleich! Ich komme schon!
Was trüg' ich hier für Trost davon?
Da riecht's nach Pech, dass Gott erbarm'!
Brennt' er's lieber, da würd' er doch warm!


(Sie geht sehr aufgeregt mit Magdalene über die Strasse hinüber
und verweilt in grosser Unruhe unter der Türe des Hauses.)

SACHS
(sieht ihr mit bedeutungsvollem
Kopfnicken nach)
Das dacht' ich wohl. Nun heisst's: schaff Rat!

(Er ist während des Folgenden damit beschäftigt,
auch die obere Ladentür so weit zu schliessen,
dass sie nur ein wenig Licht noch durchlässt:
er selbst verschwindet so fast gänzlich.)

MAGDALENE
Hilf Gott! Wo bliebst du nur so spat!
Der Vater rief.

EVA
Geh' zu ihm ein:
ich sei zu Bett, im Kämmerlein.


MAGDALENE
Nicht doch, hör' mich! Komm' ich dazu?
Beckmesser fand mich, er lässt nicht Ruh':
zur Nacht sollst du dich ans Fenster neigen,
er will dir was Schönes singen und geigen,
mit dem er dich hofft zu gewinnen, das Lied
ob das dir nach Gefallen geriet.
EVA
Das fehlte auch noch! Käme nur Er!

MAGDALENE
Hast David gesehn?

EVA
Was soll mir der?
(Sie späht aus)

MAGDALENE
(für sich)
Ich war zu streng; er wird sich grämen.

EVA
Siehst du noch nichts?

MAGDALENE
(tut, als spähe sie)
's ist als ob Leut' dort kämen.

EVA
Wär' er's!

MAGDALENE
Mach', und komm' jetzt hinan!

EVA
Nicht eh'r, bis ich sah den teuersten Mann!

MAGDALENE
Ich täuschte mich dort, er war es nicht.
Jetzt komm', sonst merkt der Vater die Geschicht'!

EVA
Ach! meine Angst!

MAGDALENE
Auch lass uns beraten,
wie wir des Beckmessers uns entladen!

EVA
Zum Fenster gehst du für mich.
(sie lauscht)

MAGDALENE
Wie ich?
(für sich)
Das machte wohl David eiferlich?
Er schläft nach der Gassen: Hihi! 's wär' fein! -

EVA
Da hör' ich Schritte.

MAGDALENE
(zu Eva)
Jetzt komm', es muss sein.

EVA
Jetzt näher!

MAGDALENE
Du irrst; 's nichts, ich wett'. -
Ei, komm'! Du musst, bis der Vater zu Bett.

POGNERS STIMME
(von innen)
He! Lene! Eva!

MAGDALENE
's ist höchste Zeit.
(Sie zieht die sich sträubende Eva
am Arm die Stufen zur Tür hinauf)
Hörst du's? Komm'! Dein Ritter ist weit!
SCENE FOUR

(Eva comes out into the street,
walks ahyly towards the workshop,
and stands unnoticed at the door beside Sachs)
(He takes up his work again)

EVA
Good evening, Master!
Still so busy?


SACHS
(starting up in agreeable surprise)
Ah, child! Dear Eva! Up so late?
And yet, I know why so late:
the new shoes?


EVA
How wrongly he guesses!
I have not yet even tried the shoes yet;
they are so beautiful and richly adorned
that I have not yet dared put them on my feet.


(She sits down on the bench near Sachs)

SACHS
But tomorrow you will wear them as a bride?

EVA
Who then might the bridegroom be?

SACHS
Do I know that?

EVA
How do you know then that I am to be a bride?

SACHS
Oho!
The whole town knows that.


EVA
Well, if the whole town knows,
then friend Sachs has good authority!
I thought he knew more.


SACHS
What should I know?

EVA
Well, think! Will I have to tell him?
Am I so stupid?


SACHS
I don't say that.

EVA
Then might you be shrewd?

SACHS
I don't know.

EVA
You know nothing? You say nothing? Well friend Sachs,
now I truly perceive that pitch is not wax.
I would have thought you sharper.


SACHS
Child! Both wax and pitch are familiar to me:
with wax I coated the silken threads
with wich I made your dainty shoes:
today I am making shoes with thicker yarn,
and pitch is required for a rougher customer.


EVA
Who is that? Someone important?

SACHS
Yes, indeed!
A master proud, intent on wooing,
plans to be sole victor tomorrow:
I must finish Herr Beckmesser's shoes.


EVA
Then take plenty of pitch for them:
then he will stick to it and leave me in peace!


SACHS
He assuredly hopes to win you by his singing.

EVA
Why he then?

SACHS
A bachelor -
there are few of them about here.


EVA
Might not a widower be successful?

SACHS
My child, he'd be too old for you.

EVA
How so, too old? Art is what matters here!
Let him who understands it woo me.


SACHS
Dear Eva, would you mock me?

EVA
Not I! It is you, who are making excuses!
Admit that you are fickle.
God knows who may dwell in your heart now!
Yet I thought I'd been there for many a year.


SACHS
Because I liked to carry you in my arms?

EVA
I see, it was only because you were childless.

SACHS
I once had a wife, and children enough.

EVA
But your wife died, and I've grown tall.

SACHS
Tall indeed, and beautiful.

EVA
Then I thought:
you might take me for wife and child into your house.


SACHS
Then I should have a child, and wife too:
that would indeed be a pleasant pastime!
Yes, you have thought it out well for yourself.


EVA
I think the Master is just laughing at me.
And in the end would he cheerfully,
under his very nose and in the sight of all,
let Beckmesser win me tomorrow with his song?


SACHS
Who could prevent him, were he to succeed?
Your father alone might know the solution.


EVA
Where does a Master keep his brains?
Would I come to you if I could find the answer at home?


SACHS

Oh yes! You're right: my brain is in a whirl.
I've had many cares and troubles today:
so it may well be that something's sticking.


EVA
(drawing close to him)
At the singing-school summoned today?

SACHS
Yes, child! A song-trial caused me distress.

EVA
Ah, Sachs! You should have said so at once,
I wouldn't have vexed you then with unnecessary questions.
Now, tell me, who was it who asked for a trial?


SACHS
A nobleman, child, quite untutored.

EVA

A knight? Goodness! Tell me, was he admitted?

SACHS
Not so, my child! There was much dispute.

EVA
Then tell me, say, how did it go?
If it caused you trouble, how could it leave me in peace?
So he fared badly, and failed?


SACHS
The knight sang his chance away hopelessly.

MAGDALENA
(coming out of the house
and calling softly)
Psst! Ev'chen! Listen!

EVA

Hopelessly? What?
Might there be no way of helping him?
Did he sing so badly, so faultily,
that nothing can help him to become a Master?


SACHS
My child, for him all is lost,
and he will not become a Master in any land;
for he who was born a Master
has among Masters the worst standing.

MAGDALENA
(calling louder)
Your father is asking for you.

EVA

Then tell me further
whether he won none of the Masters as a friend?


SACHS
That would be fine - still to be his friend!
He before whom everyone felt so small!
Squire High and Mighty, let him go!
May he fight his way through the world;
what we learned with dificulty and labour,
let us savour in peace;
let him not run amok among us,
but may Fortune smile upon him somewhere else.


EVA
(rising angrily)
Yes, it shall smile upon him somewhere other
than among you nasty, jealous little men;
where hearts still glow warm,
in despite of all malicious Master Hanses!

(to Magdalena)
At once, Lena! At once! I'm just coming!
What comfort could I take from here?
It stinks of pitch here, may God have mercy!
Let him burn it, then at least he'd grow warm!


(She crosses the street hastily to Magdalena
and remains in agitation at her own door)

SACHS
(with a meaningful nod of his head)
I thought so. Now we must find a way!

(During the following he closes the upper half of his door too,
so as to leave only a little crack of light showing.
He himself remains almost invisible)

MAGDALENA
Good heavens! Where are you, so late?
Your father was calling.

EVA
Go in to him:
Say I'm in bed in my little chamber.


MAGDALENA
No, no! Hear me! Let me have my word.
Beckmesser found me: he gives me no peace,
to-night you are to be at your window,
he wants to sing and play you something beautiful,
the song with which he hopes to win you,
to see if it pleases you.

EVA
That's all I needed! If only he would come!

MAGDALENA
Have you seen David?
EVA
What's he to me?

MAGDALENA
(aside)
I was too harsh; he'll fret.

EVA
Do you see nothing yet?

MAGDALENA

There seems to be someone coming.

EVA
Would it were he!

MAGDALENA
Come, let's go in!

EVA
Not until I've seen the dearest of men!

MAGDALENA
I was mistaken, it was not him.
Come now, or your father will notice something!

EVA
Ah! how anxious I am!

MAGDALENA
And we must also discuss
how to get rid of Beckmesser.

EVA
You'll go to the window in my place.

MAGDALENA
What, me?
(to herself)
That might make David jealous.
He sleeps on the alley side! Ha! That would be fine!

EVA
I hear footsteps there.

MAGDALENA
(to Eva)
Come now, you must!

EVA
Even nearer!

MAGDALENA
You're wrong! It's nothing, I'll wager,
Oh come! You must, till your father's in bed.

POGNER'S VOICE
(calling within)
He! Lena! Eva!

MAGDALENA
It's high time!
(She tries to drag Eva indoor by her arm)
Do you hear? Come! Your knight is far away.
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Zweiter Aufzug, Fünfte Szene
FÜNFTE SZENE

(Walther ist die Gasse heraufgekommen; jetzt biegt er um die Ecke herum).

EVA
(erblickt Walther)
Da ist er!
(Sie reisst sich von Magdalene los
und stürzt Walther auf die Strasse entgegen)

MAGDALENE
Da haben wir's! Nun heisst's: gescheit!
(Sie geht eilig in das Haus)

EVA
(ausser sich)
Ja, ihr seid es!
nein, du bist es!
Alles sag' ich,
denn ihr wisst es;
alles klag' ich,
denn ich weiss es:
ihr seid beides,
Held des Preises,
und mein einz'ger Freund!


WALTHER
(leidenschaftlich)
Ach, du irrst: bin nur dein Freund,
doch des Preises
noch nicht würdig,
nicht den Meistern
ebenbürtig:
mein Begeistern
fand Verachten,
und ich weiss es,
darf nicht trachten
nach der Freundin Hand.


EVA
Wie du irrst! Der Freundin Hand,
erteilt nur sie den Preis,
wie deinen Mut ihr Herz erfand,
reicht sie nur dir das Reis.


WALTHER
Ach, nein! Du irrst: der Freundin Hand,
wär' keinem sie erkoren,
wie sie des Vaters Wille band,
mir wär' sie doch verloren!
"Ein Meistersinger muss es sein;
nur, wen ihr krönt, den darf sie frei'n!"
So sprach er festlich zu den Herrn;
kann nicht zurück, möcht' er auch gern!
Das eben gab mir Mut:
wie ungewohnt mir alles schien,
ich sang voll Lieb' und Glut,
dass ich den Meisterschlag verdien'.
Doch, diese Meister!

(wütend)
Ha! diese Meister!
Dieser Reimgesetze
Leimen und Kleister!
Mir schwillt die Galle,
das Herz mir stockt,
denk' ich der Falle,
darein ich gelockt.
Fort, in die Freiheit!
Dahin gehör' ich,
dort, wo ich Meister im Haus.
Soll ich dich frei'n heut',
dich nun beschwör' ich,
flieh' und folg' mir hinaus!
Nichts steht zu hoffen;
keine Wahl ist offen!
Überall Meister,
wie böse Geister,
seh ich sich rotten,
mich zu verspotten:
mit den Gewerken,
aus den Gemerken,
aus allen Ecken,
auf allen Flecken,
seh' ich zu Haufen
Meister nur laufen,
mit höhnendem Nicken
frech auf dich blicken,
in Kreisen und Ringeln
dich umzingeln,
näselnd und kreischend,
zur Braut dich heischend,
als Meisterbuhle
auf dem Singestuhle
zitternd und bebend,
hoch dich erhebend!
Und ich ertrüg' es, sollt' es nicht wagen,
gradaus tüchtig drein zu schlagen?

(Man hört den starken Ruf eines Nachtwächterhorns)
(Walther hat mit emphatischer Gebärde
die Hand an das Schwert gelegt
und starrt wild vor sich hin).
(Schrei)
Ha!

(Eva fasst ihn besänftigend bei der Hand)

EVA
Geliebter, spare den Zorn;
's war nur des Nachtwächters Horn.
Unter der Linde
birg dich geschwinde;
hier kommt der Wächter vorbei.


MAGDALENE
(ruft leise unter der Türe)
Evchen! 's ist Zeit: mach' dich frei!

WALTHER
Du fliehst?

EVA
(lächelnd)
Muss ich denn nicht?

WALTHER
Entweichst?

EVA
(mit zarter Bestimmtheit)
Dem Meistergericht.
(Sie verschwindet mit Magdalene im Hause)

NACHTWÄCHTER
(ist währenddem in der Gasse erschienen,
kommt singend nach vorn,
biegt um die Ecke von Pogners Haus
und geht nach links zu weiter ab)
Hört', ihr Leut', und lasst euch sagen,
die Glock' hat zehn geschlagen:
bewahrt das Feuer und auch das Licht,
dass niemand kein Schad' geschieht.
Lobet Gott den Herrn!

SACHS
(welcher hinter der Ladentüre
dem Gespräche gelauscht,
öffnet jetzt bei eingezogenem Lampenlicht
ein wenig mehr)
Üble Dinge, die ich da merk':
eine Entführung gar im Werk?
Aufgepasst! Das darf nicht sein.

WALTHER
(hinter der Linde)
Käm' sie nicht wieder? O, der Pein!
(Eva kommt in Magdalenes
Kleidung aus dem Hause)
(die Gestalt gewahrend)
Doch ja, sie kommt dort? - Weh' mir! - nein! -
(Eva erblickt Walther und eilt auf ihn zu)
die Alte ist's. - Doch - aber - ja!

EVA
Das tör'ge Kind, da hast du's, da!
(Sie wirft sich ihm heiter an die Brust)

WALTHER
(hingerissen)
O Himmel! ja, nun wohl ich weiss,
dass ich gewann den Meisterpreis.


EVA
Doch nun kein Besinnen!
Von hinnen! Von hinnen!
O, wären wir schon fort!


WALTHER
Hier durch die Gasse,
dort finden wir vor dem Tor
Knecht und Rosse vor.


(Als sich beide wenden, um in die Gasse einzubiegen, lässt Sachs,
nachdem er die Lampe hinter eine Glaskugel gestellt,
durch die ganz wieder geöffnete Ladentüre
einen grellen Lichtschein quer über die Strasse fallen,
so dass Eva und Walther sich plötzlich hell erleuchtet sehen)

EVA
(Walther hastig zurückziehend)
O weh'! Der Schuster! Wenn der uns säh!
Birg dich, komm' ihm nicht in die Näh'!


WALTHER
Welch' and'rer Weg führt uns hinaus?

EVA
Dort durch die Strasse; doch der ist kraus,
ich kenn' ihn nicht gut; auch stiessen wir dort
auf den Wächter.


WALTHER
Nun denn: durch die Gasse.

EVA
Der Schuster muss erst vom Fenster fort.

WALTHER
Ich zwing' ihn, dass er's verlasse.

EVA
Zeig dich ihm nicht: er kennt dich.

WALTHER
Der Schuster?

EVA
's ist Sachs.

WALTHER
Hans Sachs? Mein Freund!

EVA
Glaub's nicht!
Von dir Übles zu sagen nur wusst' er.
SCENE FIVE

(Walther has come up the alley and now turns the corner by Pogner's house).

EVA
(sees Walther)
There he is!
(She tears herself free from Magdaena
and rushes towards Walther)

MAGDALENA
That's that! Now we must be cunning!
(She hurries into the house)

EVA

Yes, it is you,
it is you!
I'll tell everything,
for you know it;
I'll bewail everything,
for I know it;
you are both
hero of the prize
and my only friend.


WALTHER

Alas, you're wrong! I'm only your friend,
not yet worthy
of prize,
not the equal
of the Masters:
my inspiration
met with contempt,
and I know
I may not aspire
to my fair friend's hand!


EVA
How wrong you are! Your friend's hand
alone will award the prize;
as her heart has discovered your courage,
only to you will she give the garland.


WALTHER
Alas! no, you're wrong! My friend's hand,
even if it were destined for no one in particular,
would, bound by her father's will,
still be lost to me.
"It must be a Mastersinger:
only the man you crown may she woo!"
Thus he spoke solemnly to the gentlemen,
and can't turn back, even if he wanted to!
That's what gave me courage;
though everything seemed strange to me
I sang full of love and ardour
that I might win the rank of Master.
But these Masters!


Ha, these Masters!
The gluey, sticky nature
of these rhyming laws!
My gall rises,
my heart stands still,
when I think of the trap
into which I was lured!
Away to freedom!
That's where I belong -
where I'm Master in the house!
If I'm to woo you today,
I beseech you now,
come, and follow me away from here!
There's nothing to hope for,
there's no choice!
Everywhere Masters I see
like evil spirits,
ganging up
to mock me:
with their guilds,
from Marker's boxes,
from every corner,
in every spot
I see nothing but Masters
crowding together,
with scornful nods
gazing insolently at you,
surrounding you
in circles and rings,
nasally and shrilly
demanding you as their bride,
as Master's mistress
in the Singer's Chair
lifting you trembling and quaking
up on high!
Should I suffer this, should I not dare
doughtily to join in the fight?

(The loud sound of a night-watchman's horn is heard)
(Walther claps his hand to his sword
and stares wildly before him)

Ha!

(Eva takes him soothingly by the hand)

EVA
Beloved, spare your anger!
It was only the night-watchman's horn.
Beneath the lime-tree
hide yourself quickly:
the watchman is coming.


MAGDALENA
(at the door, softly)
Eva! It's time! Take your leave!

WALTHER
You'll flee?

EVA

Shouldn't I?

WALTHER
Escape?

EVA

From the Masters' court.
(She disappears with Magdalena into the house)

THE WATCHMAN
(has meanwhile appeared in the alley.
He comes forward singing,
turns the corner of Pogner's house,
and goes off)
Hear, people, what I say,
the clock has struck ten;
guard your fire and also your light
so that no one comes to harm!
Praise God the Lord!

SACHS
(who has listened to the foregoing
from behind his shop door,
now opens it a little wider,
having shaded his lamp)
Wicked goings-on, I see:
an elopement afoot, indeed!
Watch out: that must not be!

WALTHER
(behind the lime-tree)
Will she not return? Oh what torment!
(Eva turns from the house
in Magdalena's dress)

But yes! Is that her? Woe is me, no!
(Eva sees Walther
and hurries towards him)
It's the older one! But it... yes!

EVA
The foolish child: you've got her, there she is!
(She runs happily into his arms)

WALTHER

O heavens! Yes, now I surely know
that I've won the Master-prize.


EVA
But no time for thought now!
Away, away from here!
Oh, if only we were already far away!


WALTHER
This way, through the alley:
there beyond the gate
we'll find servant and horses.


(As they turn towards the alley
Sachs places his lamp behind a glass bowl
and sends a bright stream of light through the new wide-open door across the street,
so that Eva and Walther suddenly find themselves illuminated)

EVA
(hastily pulling Walther back)
Oh dear, the cobbler! If he were to see us!
Hide! Don't go near him!


WALTHER
What other way will lead us hence?

EVA
Through the street there: but it's winding
and I don't know it well; and we would meet
the watchman there.


WALTHER
Well then, through the alley!

EVA
Not till the cobbler leaves his window.

WALTHER
I'll make him leave it.

EVA
Don't show yourself to him: he knows you!

WALTHER
The cobbler?

EVA
It's Sachs!

WALTHER
Hans Sachs? My friend?

EVA
Don't belive it!
He could only speak ill of you.
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Zweiter Aufzug, Sechste Szene
SECHSTE SZENE

WALTHER
Wie? Sachs? Auch er? -
Ich lösch' ihm das Licht.


(Beckmesser ist, dem Nachtwächter nachschleichend,
die Gasse heraufgekommen,
hat nach den Fenstern von Pogners Haus gespäht und an Sachsens Haus angelehnt,
zwischen den beiden Fenstern einen Steinsitz sich ausgesucht,
auf welchem er sich,
immer nach dem gegenüberliegenden Fenster aufmerksam lugend,niedergelassen hat:
jetzt stimmt er seine mitgebrachte Laute)

EVA
Tu's nicht! - Doch horch!

WALTHER
Einer Laute Klang.

EVA
Ach! meine Not!

(Als Sachs den ersten Ton der Laute vernommen,
hat er, von einem plötzlichen Einfall erfasst,
das Licht wieder etwas eingezogen und öffnet leise den unteren Teil des Ladens)

WALTHER
Wie, wird dir bang?
Der Schuster, sieh! zog ein das Licht:
so sei's gewagt!


EVA
Weh'! Siehst du denn nicht?
Ein andrer kam, und nahm dort Stand.


WALTHER
Ich hör's und seh's: ein Musikant.
Was will der hier so spät des Nachts?


EVA
(in Verzweiflung)
's ist Beckmesser schon!

SACHS
(hat unvermerkt seinen Werktiscb ganz unter die Tür gestellt;
jetzt erlauscbt er Evas Ausruf)
Aha! - ich dacht's.
(Er setzt sich leise zur Arbeit zurecht)

WALTHER
Der Merker? Er? In meiner Gewalt?
D'rauf zu! Den Lung'rer mach' ich kalt.


EVA
Um Gott! So hör'! Willst du den Vater wecken?
Er singt ein Lied, dann zieht er ab.
Lass dort uns im Gebüsch verstecken!
Was mit den Männern ich Müh' doch hab'!

(Sie zieht Walther hinter das Gebüscb
auf die Bank unter der Linde)

(Beckmesser, eifrig nach dem Fenster lugend,
klimpert voll Ungeduld heftig auf der Laute.
Als er sich endlich auch zum Singen rüstet,
schlägt Sachs sehr stark mit dem Hammer auf den Leisten,
nachdem er soeben das Licht wieder hell auf die Strasse hat fallen lassen)

SACHS
Jerum! Jerum!
Hallo allohe!
Oho! Tralalei! Ohe!


BECKMESSER
(springt ärgelich von dem Steinsitz auf,
und gewahrt Sachs bei der Arbeit)
Was soll das sein?
Verdammtes Schrei'n!


SACHS
Als Eva aus dem Paradies
von Gott dem Herrn verstossen,
gar schuf ihr Schmerz der harte Kies
an ihrem Fuss, dem blossen.


BECKMESSER
Was fällt dem groben Schuster ein?

SACHS
Das jammerte den Herrn,
ihr Füsschen hatt er gern:
und seinem Engel rief er zu:
da, mach' der armen Sünd'rin Schuh';...


WALTHER
(flüsternd zu Eva)
Was heisst das Lied? Wie nennt er dich?

EVA
Ich hört' es schon; 's geht nicht auf mich:
doch eine Bosheit steckt darin.


SACHS
...und da der Adam, wie ich seh',
an Steinen dort sich stösst die Zeh',
dass recht fortan
er wandeln kann,
so miss dem auch Stiefeln an!


WALTHER
Welch' Zögernis! Die Zeit geht hin!

BECKMESSER
(tritt zu Sachs heran)
Wie, Meister? Auf? Noch so spät zur Nacht?

SACHS
Herr Stadtschreiber! Was? Ihr wacht?
Die Schuh' machen euch grosse Sorgen?
Ihr seht, ich bin dran: ihr habt sie morgen!

(Er arbeitet)

BECKMESSER
(zornig)
Hol' der Teufel die Schuh'!

SACHS
Jerum!

BECKMESSER
Hier will ich Ruh'!

SACHS
Hallo hallohe!
Oho! Tralalei! Ohe!
O Eva! Eva! schlimmes Weib,
das hast du am Gewissen,
dass ob der Füss' am Menschenleib
jetzt Engel schustern müssen!


WALTHER
(wie vorher)
Uns, oder dem Merker,
wem spielt er den Streich?


EVA
Ich fürcht', uns dreien gilt er gleich.

O weh', der Pein!
Mir ahnt nichts Gutes.


SACHS
Bliebst du im Paradies,

WALTHER
Mein süsser Engel, sei guten Mutes!

SACHS
da gab es keinen Kies:

EVA
Mich betrübt das Lied.

WALTHER
Ich hör' es kaum;
du bist bei mir:
welch holder Traum!

(Er zieht Eva zärtlich an sich)

SACHS
um deiner jungen Missetat,
hantier' ich jetzt mit Ahl' und Draht,
und ob Herrn Adams übler Schwäch'
versohl' ich Schuh' und streiche Pech!
Wär' ich nicht fein
ein Engel rein,
Teufel möcht' Schuster sein!
Je -

(sich unterbrechend)

BECKMESSER
(drohend auf Sachs zufahrend)
Gleich höret auf!
Spielt Ihr mir Streich'?
Bleibt Ihr tags
und nachts Euch gleich?


SACHS
Wenn ich hier sing',
was kümmert's euch?
Die Schuhe sollen
doch fertig werden?


BECKMESSER
So schliesst euch ein,
und schweigt dazu still!


SACHS
Des Nachts arbeiten
macht Beschwerden;
wenn ich da
munter bleiben will,
da brauch' ich Luft
und frischen Gesang:
drum hört, wie der dritte

(Er wichst den Draht ersichtlich)
Vers gelang!

Jerum! Jerum!


BECKMESSER
Er macht mich rasend!

SACHS
Hallo hallohe!

BECKMESSER
Das grobe Geschrei!

SACHS
O ho! Tralalei! O he!

BECKMESSER
Am End' denkt sie gar, dass ich das sei!
(Er hält sich die Ohren zu und geht verzweiflungsvoll,
sich mit sich beratend,
die Gasse vor dem Fenster auf und ab)

SACHS
O Eva! hör' mein' Klageruf,
mein' Not und schwer Verdrüssen!
Die Kunstwerk', die ein Schuster schuf,
sie tritt die Welt mit Füssen!
Gäb' nicht ein Engel Trost,
der gleiches Werk erlos't,
und rief mich oft ins Paradies,
wie ich da Schuh' und Stiefel liess!
Doch wenn mich der im Himmel hält,
dann liegt zu Füssen mir die Welt,
und bin in Ruh'
Hans Sachs, ein Schuh-
macher und Poet dazu!

BECKMESSER
(späht nach dem Fenster,
welches leise geöffnet wird
und an welchem vorsichtig Magdalene
in Evas Kleidung sich zeigt)
Das Fenster geht auf! Herr Gott! 's ist sie.

EVA
(mit grosser Aufregung)
Mich schmerzt das Lied, ich weiss nicht wie!
O fort! Lass uns fliehen!


WALTHER
(das Schwert halb ziehend)
Nun denn: mit dem Schwert!

EVA
Nicht doch! Ach halt!

WALTHER
(die Hand vom Schwert nehmend)
Kaum wär' er's wert.

EVA
Ja, besser Geduld! O bester Mann!
Dass ich so Not dir machen kann!


BECKMESSER
Jetzt bin ich verloren, singt der noch fort!
(Er tritt zu Sachs an den Laden heran
und klimpert während des Folgenden,
mit dem Rücken der Gasse zugewendet,
seitwärts auf der Laute,
um Magdalene am Fenster festzuhalten)
Freund Sachs! So hört doch nur ein Wort!

WALTHER
(leise zu Eva)
Wer ist am Fenster?

EVA
(leise)
's ist Magdalene.

BECKMESSER
Wie seid ihr auf die Schuh' versessen!
Ich hatt' sie wahrlich schon vergessen.
Als Schuster seid ihr mir wohl wert,
als Kunstfreund doch weit mehr verehrt.


WALTHER
Das heiss' ich vergelten.
Fast muss ich lachen.


EVA
Wie ich ein End' und Flucht mir ersehne!

WALTHER
Ich wünscht', er möchte den Anfang machen.

(Walther und Eva, auf der Bank sanft aneinender gelehnt,
verfolgen des weiteren den Vorgang zwischen Sachs und Beckmesser mit wachsender Teilnahme)

BECKMESSER
Eu'r Urteil, glaubt, das halt' ich hoch;
(Er klimpert wiederholt seitwärts
nach dem Fenster gewandt)
drum bitt ich, hört das Liedlein doch,
mit dem ich morgen möcht gewinnen,
ob das auch recht nach eu'ren Sinnen.


SACHS
Oha! Wollt mich beim Wahne fassen?
Mag mich nicht wieder schelten lassen.
Seit sich der Schuster dünkt Poet,
gar übel es um eu'r Schuhwerk steht:
ich seh', wie's schlapp't,
und überall klappt;
d'rum lass ich Vers und Reim'
gar billig nun daheim,
Verstand und Witz und Kenntnis dazu,
mach' euch für morgen die neuen Schuh'!


BECKMESSER
(kreischend)
Lasst das doch sein! Das war ja nur Scherz.
Vernehmt besser, wie's mir ums Herz.
Vom Volk seid ihr geehrt,
auch der Pognerin seid ihr wert:
will ich vor aller Welt
nun morgen um die werben,
sagt! könnt's mich nicht verderben,
wenn mein Lied ihr nicht gefällt?
Drum hört mich ruhig an,
und sang ich, sagt mir dann,
was euch gefällt, was nicht, -
dass ich mich darnach richt'!


SACHS
Ei! lasst mich doch in Ruh'!
Wie käme solche Ehr' mir zu?
Nur Gassenhauer dicht' ich zum meisten:
drum sing' ich zur Gassen und hau auf den Leisten!


(fortarbeitend)
Jerum! Jerum!
Hallo, hallohe!
Oho! Tralalei! Ohe!


BECKMESSER
Verfluchter Kerl! Den Verstand verlier' ich,
mit seinem Lied voll Pech und Schmierich!
Schweigt doch! Weckt ihr die Nachbarn auf?


SACHS
Die sind's gewöhnt. 's hört keiner drauf.
O Eva, Eva! -


BECKMESSER
(in höchste Wut ausbrechend)
Oh, ihr boshafter Geselle!
Ihr spielt mir heut' den letzten Streich!
Schweigt ihr jetzt nicht auf der Stelle,
so denkt ihr d'ran, das schwör' ich euch!

(Er klimpert wütend)
Neidisch seid ihr, nichts weiter,
dünkt ihr euch auch gleich gescheiter;
dass andre auch 'was sind, ärgert euch schändlich:
glaubt, ich kenne euch aus- und inwendlich!
Dass man euch noch nicht zum Merker gewählt,
das ist's, was den gallichten Schuster quält.
Nun gut! Solang' als Beckmesser lebt,
und ihm noch ein Reim an den Lippen klebt;
solang' ich noch bei den Meistern 'was gelt',
ob Nürnberg blüh' und wachs',
das schwör' ich Herrn Hans Sachs,
nie wird er je zum Merker bestellt.


SACHS
(der ihm ruhig und
aufmerksam zugehört bat)
War das eu'r Lied?

BECKMESSER
Der Teufel hol's!

SACHS
Zwar wenig Regel, doch klang's recht stolz.

BECKMESSER
Wollt ihr mich hören?

SACHS
In Gottes Namen,
singt zu: ich schlag' auf die Sohl' die Rahmen.


BECKMESSER
Doch schweigt ihr still?

SACHS
Ei, singet ihr,
die Arbeit, schaut, fördert's auch mir.

(Er schlägt fort auf den Leisten.)

BECKMESSER
Das verfluchte Klopfen wollt ihr doch lassen?

SACHS
Wie sollt' ich die Sohl' euch richtig fassen!

BECKMESSER
Was? Ihr wollt klopfen, und ich soll singen?

SACHS
Euch muss das Lied, mir der Schuh gelingen.

BECKMESSER
Ich mag keine Schuh'!

SACHS
Das sagt ihr jetzt:
in der Singschul' ihr mir's dann wieder versetzt.
Doch hört! Vielleicht sich's richten lässt;
zweieinig geht der Mensch am best'.
Darf ich die Arbeit nicht entfernen,
die Kunst des Merkers möcht' ich erlernen:
darin kommt euch nun keiner gleich:
ich lern' sie nie, wenn nicht von euch.
D'rum, singt ihr nun, ich acht' und merk',
und fördr' auch wohl dabei mein Werk.


BECKMESSER
Merkt immer zu; und was nicht gewann,
nehmt eure Kreide und streicht mir's an.


SACHS
Nein, Herr! da fleckten die Schuh' mir nicht:
mit dem Hammer auf den Leisten halt' ich Gericht.


BECKMESSER
Verdammte Bosheit! Gott, und's wird spät!
Am End' mir die Jungfer vom Fenster geht!

(Er klimpert eifrig.)

SACHS
Fanget an! 's pressiert! Sonst sing' ich für mich.

BECKMESSER
Haltet ein! Nur das nicht! (Teufel! wie ärgerlich!)
Wollt ihr euch denn als Merker erdreisten,
nun gut, so merkt mit dem Hammer auf den Leisten:
nur mit dem Beding, nach den Regeln scharf,
aber nichts, was nach den Regeln ich darf.


SACHS
Nach den Regeln, wie sie der Schuster kennt,
dem die Arbeit unter den Händen brennt.


BECKMESSER
Auf Meisterehr'?

SACHS
Und Schustermut!

BECKMESSER
Nicht einen Fehler: glatt und gut!

SACHS
Dann ging't ihr morgen unbeschuh't!

(Nachtwächter sehr entfernt auf dem Horn)

WALTHER
(leise zu Eva auf den Steinsitz vor der Ladentüre deutend)
Welch' toller Spuk! Mich dünkt's ein Traum:
den Singstuhl, scheint's, verliess ich kaum.


SACHS
Setzt euch denn hier!

BECKMESSER
(sich nach der Ecke
des Hauses zurückziehend)
Lasst mich hier stehen.

SACHS
Warum so weit?

BECKMESSER
Euch nicht zu sehen,
wie's Brauch der Schul' vor dem Gemerk.


EVA
(sanft an Walthers Brust gelehnt)
Die Schläf' umwebt mir's wie ein Wahn:
ob Heil, ob's Unheil, was ich ahn'?


SACHS
Da hör ich euch schlecht.

BECKMESSER
Der Stimme Stärk'
ich so gar lieblich dämpfen kann.

(Er stellt sich ganz um die Ecke,
dem Fenster gegenüber,
auf und stimmt die in der Wut unversehens
himaufgeschraubte D-Saite wieder herunter)

SACHS
(Wie fein!) Nun, gut denn! Fanget an!

(Kurzes Vorspiel Beckmesser auf der Laute,
wozu Magdalene sich breit in das Fenster legt)

BECKMESSER
"Den Tag seh' ich erscheinen,
der mír wohl géfall'n tút:

(Sachs schlägt auf;
Beckmesser schüttelt sich.)
da fásst mein Hérz sich einen
(Er setzt heftig ab, singt aber weiter)
gutén und fríschen" -
(Sachs hat zweimal geschlagen:
Beckmesser wendet sich wütend
um die Ecke herum)
Treibt ihr hier Scherz?
Was wär' nicht gelungen?


SACHS
Besser gesungen:
"da fasst mein Herz
sich einen guten, frischen"? -


BECKMESSER
Wie soll sich das reimen
auf "seh' ich erscheinen"?


SACHS
Ist euch an der Weise nichts gelegen?
Mich dünkt', sollt' passen Ton und Wort?


BECKMESSER
Mit euch zu streiten? Lasst von den Schlägen,
sonst denkt ihr mir dran!


SACHS
Jetzt fahret fort.

BECKMESSER
Bin ganz verwirrt!

SACHS
So fangt noch 'mal an:
drei Schläg' ich jetzt pausieren kann.


BECKMESSER
(beiseite)
Am besten, wenn ich ihn gar nicht beacht':
wenn's nur die Jungfer nicht irre macht!
"Den Tag seh' ich erscheinen,
der mír wohl géfall'n tút;
da fásst mein Hérz sich einen
gutén und frischen Mút:
da denk' ich nicht an Sterben,
lieber an Werben
um júng Mägdéleins Hánd.
Warum wohl aller Tage
schönstér mag dieser sein?

(ärgerlieh)
Allén hier ich es ságe:
weil ein schönés Fräuléin
von ihrem lieb'n Herrn Vater,
wie gélobt hat er,
ich béstimmt zum Ehstánd.

(sehr ärgerlich)

Wer sich getrau',
der komm' und schau'
dastéh'n die hóld lieblích Jungfráu,
auf díe ich áll' mein' Hoffnung báu,
darúm ist dér Tag só schön bláu,
als ich anfänglich fand".

(Beckmesser, der bei jedem Schlage
schmerzlich zusammenzuckte, war genötig,
bei Berkämpfung der inneren Wut oft den Ton,
den er immer zärtlich zu halten sich bemükte,
kurz und heftig auszustossen, was das Komische
seines an sich gänzlich prosodielosen
Vortrages sehr vermehrte.
Jetzt bricht er wütend um die Ecke auf Sachs los)
Sachs! Seht, ihr bringt mich um!
Wollt ihr jetzt schweigen?


SACHS
Ich bin ja stumm!
Die Zeichen merkt' ich; wir sprechen dann;
derweil lassen die Sohlen sich an.


BECKMESSER
(gewahrend, dass Magdalene
sich vom Fenster entfernen will)
Sie entweicht? Bst! Bst! Herr Gott, ich muss!
(um die Ecke herum,
die Faust gegen Sachs ballend)
Sachs, euch gedenk' ich die Argernus.
(Er macht sich zum zweiten Vers fertig)

SACHS
(mit dem Hammer nach dem Leisten ausholend)
Merker am Ort:
fahret fort!


BECKMESSER
(immer stärker und atemloser)
"Will héut mir dás Herz hüpfen,
werbén um Fräulein júng,
doch tät' der Váter knüpfén
darán ein' Bédingúng
für dén, wer ihn beérben
will' únd auch wérben
um seín Kindélein féin.
Der Zúnft ein bíed'rer Méister,
wohl séin Tochtér er líebt,
doch zúgleich auch bewéist er,
was ér auf díe Kunst gíbt:
zum Préise múss es bringen
im Meistersingen,
wer séin Eidám will sein.

(Er stampft wütend mit den Füssen)
Nun gilt es Kunst,
dass mit Vergunst
ohn' all' schädlich gemeinen Dunst
ihm glücke dés Preisés Gewúnst,
wer bégehrt mít wahrér Inbrúnst,

(Sachs, welcher kopfschüttelnd es aufgibt
die einzelnen Fehler anzumerken, arbeitet
hämmernd fort, um den Keil
aus dem Leisten zu schlagen)
um die Jungfrau zu frei'n!"

SACHS
(über den Laden weit berausgelehnt)
Seid ihr nun fertig?

BECKMESSER
(in höchster Angst)
Wie fraget ihr?

SACHS
(hält die fertigen Schuhe triumphierend heraus)
Mit den Schuhen ward ich fertig schier.
(während er die Schuhe an den Bändern
hoch in der Luft tanzen lässt)
Das heiss' ich mir echte Merkerschuh':
mein Merkersprüchlein hört dazu!

(sehr kräftig)
Mit lang' und kurzen Hieben
steht's auf der Sohl' geschrieben:
da lest es klar,
und nehmt es wahr,
und merkt's euch immerdar.
Gut Lied will Takt:
wer den verzwackt,
dem Schreiber mit der Feder
hau't ihn der Schuster auf's Leder.
Nun lauft in Ruh',
habt gute Schuh',
der Fuss euch d'rin nicht knackt,
ihn hält die Sohl' im Takt!


BECKMESSER
(der sich ganz in die Gasse zurückgezogen
hat und an die Mauer mit dem Rücken
sich anlehnt, singt, um Sachs zu übertäuben,
mit grösster Anstrengung, schreiend und
atemlos hastig, während er die Laute
wütend nach Sachs zu schwingt)
"Darf ich mich Meister nennen,
das béwähr' ích heut' gérn,
weil ích nach dém Preis brennen
muss dúrsten und hungérn.
Nun ruf' ich die neun Músen,
dass an sie blusen
mein' dicht'rischen Verstand.
Wohl kénn' ich alle Régeln,
halté gut Máss und Záhl;
doch Sprung und überkégeln
wohl pássiert je einmal,
wann dér Kopf ganz voll Zagen
zu frei'n will wagen
um júng Mägdéleins Hand.

(Er verschnauft sich)
Ein Junggesell,
trug ich mein Fell,
mein' Ehr', Amt, Würd' und Brot zur Stell',
dass éuch mein Gésang wóhl gefäll',
und mich das Júngfräuléin erwähl',
wenn sie mein Lied gut fand".


NACHBARN
(erst einige, dann immer mehrere,
öffnen in der Gasse die Fenster
und gucken heraus)
Was heult denn da? Wer kreischt mit Macht?

Ist das erlaubt, so spät zur Nacht?
Gebt Ruhe hier! 's ist Schlafenszeit.
Mein', hört nur, wie dort der Esel schreit!
Ihr da! Seid still und schert euch fort!
Heult, kreischt und schreit an and'rem Ort!

DAVID
(hat den Fensterladen, dicht hinter
Beckmesser, ein wenig geöffnet und
lugt daraus hervor)
(Er wird Magdalene gewahr)
Wer Teufel, hier? Und drüben gar?
Die Lene ist's, ich seh' es klar!
Herr Je! Der war's! Den hat sie bestellt.
Der ist's, der ihr besser als ich gefällt.
Nun warte, du kriegst's! Dir streich' ich das Fell!
(Er entfernt sich nach innen)

(David ist, mit einem Knüppel bewaffnet, zurückgekommen,
steigt aus dem Fenster und wirft sich auf Beckmesser.
Magdalene winkt, da sie David wiederkommen sieht, diesem heftig zurück,
was Beckmesser, als Zeichen des Missfallens deutend,
zur äussersten Verzweiflung im Gesangsausdrucke bringt)

DAVID
Zum Teufel mit dir, verdammter Kerl!
(Beckmesser wehrt sich, will fliehen. David hält ihn am Kragen)

(Sachs beobachtet noch eine Zeitlang den wachsenden Tumult,
löscht aber alsbald sein Licht aus und schliesst den Laden so weit, dass er, ungesehen,
stets durch eine kleine Öffnung den Platz unter der Linde beobachten kann.
Walther und Eva sehen mit wachsender Sorge dem anschwellenden Auflaufe zu:
er schliesst sie in seinen Mantel fest an sich und birgt sich hart an der Linde im Gebüsche,
so dass beide fast ungesehen bleiben.
Die Nachbarn verlassen die Fenster
und kommen nach und nach in Nachtkleidern einzeln auf die Strasse herab)
SCENE SIX

WALTHER
What, Sachs? Him too?
I'll put out his light!


(Beckmesser has slunk up the alley,
some distance behind the watchman,
peered up at Pogner's windows
and now, leaning against Sachs's house,
begins to tune the lute he has brought with him)

EVA
Don't do it! But listen!

WALTHER
The sound of a lute?

EVA
Ah, what trouble!

(On hearing the first sounds of the lute,
Sachs has, as if struck by a new idea,
withdrawn his light
and gently opened the lower half of his shop-door)

WALTHER
What, are you afraid?
The cobbler... look, he's taken in the light:
let's risk it!


EVA
Alas! Don't you see?
Someone else has come and taken up this position.


WALTHER
I hear and see - a musician.
What does he want here so late at night?


EVA

It's Beckmesser here already!

SACHS
(has placed his work-bench on the threshold.
He now hears Eva's exclamation)
Aha! I thought so!
(He quietly settles down to work)

WALTHER
The marker? Him? In my power?
At him! I'll knock that good-for-nothing cold!


EVA
For God's sake! Will you wake my father?
He'll sing a song and then he'll go.
Let's hide there, in the bushes.
What trouble I have with men!

(She draws Walther behind the bushes
which surround the bench under the lime-tree)

(Beckmesser impatiently tinkles on his lute,
waiting for the window to open.
As he is about to begin his song
Sachs turns his light full on the street again
and begins to hammer loudly on his last)

SACHS
Jerum! Jerum!
Hallo allohe!
Oho! Tralalei! Ohe!


BECKMESSER
(jumps up angrily from the stone bench
and sees Sachs at work)
What's all this
damned yelling?


SACHS
When Eva was driven from Paradise
by God the Lord,
the hard gravel caused pain
to her bare foot.


BECKMESSER
What's the boorish cobbler thinking of?

SACHS
The Lord took pity,
he liked her little foot
and he called to his angel:
Make shoes for the poor sinner!...


WALTHER
(whispering to Eva)
What's this song? How come he names you?

EVA
I've heard it before: it's not about me.
But there's mischief behind it.


SACHS
... and as Adam, as I see,
bangs his toe against the stones -
so that in future
he can walk properly:
measure him for boots as well!


WALTHER
What a delay! Time is passing!

BECKMESSER
(to Sachs)
What, Master? Up? So late at night?

SACHS
Mister town clerk! What, you're keeping watch?
The shoes are causing you much worry?
You see, I'm at it; you'll have them tomorrow.

(He continues his work)
BECKMESSER

The devil take the shoes!

SACHS
Jerum!

BECKMESSER
I want some peace here!

SACHS
Hallo hallohe!
Oho! Tralalei! Ohe!
O Eva! Eva! wicked woman,
thou hast it on thy conscience
that, by reason of the feet of the human body
angel must now cobble!


WALTHER

Us or the Marker -
on whom is he playing tricks?


EVA
I'm afraid it's meant for all three of us.

Alas, what torment!
I fear some ill.


SACHS
When thou went in Paradise

WALTHER
My sweet angel, be of good cheer!

SACHS
there was no gravel:

EVA
The song is making me sad.

WALTHER
I scarcely hear it;
you are at my side:
what a lovely dream!


SACHS
because of thy recent misdeed
I now busy myself with awl and thread,
and because of Adam's wretched weakness
I sole shoes and apply pitch!
If I were not
a pure angel -
the devil could be a cobbler!
Je-...


BECKMESSER
(coming threateningly towards him)
Stop this minute!
Are you playing tricks on me?
Are you day
and night the same?


SACHS
If I sing here,
what's that to you?
The shoes must
be finished, eh?


BECKMESSER
Then shut yourself in
and keep quiet!


SACHS
To work at night
is irksome.
If I'm to
keep awake
I need air
and lively song;
so hear how the third


verse goes:

Jerum! Jerum!


BECKMESSER
He's driving me mad!

SACHS
Hallo hallohe!

BECKMESSER
What a hideous yelling!

SACHS
O ho! Tralalei! O he!

BECKMESSER
She'll end up by thinking it's me!
SACHS
O Eva, hear my lamentation,
my trouble and heavy vexation!
The works of art which a cobbler created,
the world treads underfoot!
If an angel did not bring comfort
who has drawn the lot of similar work
and did not often call me into Paradise,
how gladly I'd leave shoes and boots behind!
But when he has me in heaven
the world lies at my feet,
and I am at peace -
Hans Sachs, a shoemaker
and a poet too!

BECKMESSER
(Magdalena opens the window
and shows herself cautiously,
dressed in Eva's clothes)

The window is opening! Good heavens! It's her.

EVA

The song grieves me, I don't know why!
Away, let us flee!


WALTHER

All right then: with the sword!

EVA
No, no! Ah, stop!

WALTHER
(taking his hand from his sword)
He's scarcely worth it!

EVA
Yes, patience is better! Oh dearest man!
That I can cause you such distress!


BECKMESSER
Now I'm lost if he carries on singing!
(He goes to Sachs's shop-door
and during the following, with his
back turned to the alley, he strums
on the lute to attract the attention
of Magdalena and keep her at the window)
Friend Sachs! Hear just one word!

WALTHER
(to Eva)
Who's at the window?

EVA

It's Magdalena.

BECKMESSER
How keen you are about the shoes!
I had honestly forgotten them.
I certainly esteem you as a cobbler,
and as an artist I venerate you more highly still.


WALTHER
That serves him right.
I can scarcely help laughing.


EVA
How I long for an end to this, and escape!

WALTHER
I wish he'd make a start.

(Walther and Eva from their bench now watch Sachs and Beckmesser with growing interest)

BECKMESSER
Your judgement, believe me, I value highly;
(Again, he repeatedly sturm on his lute,
anxiously turning towards the window)
so I beg you: listen to this little song
with which I would like to win tomorrow,
and say whether it seems all right to you.


SACHS
Ah! So you want to dupe me?
I don't want to be abused again.
Since the cobbler fancies himself as a poet,
things look bad for your footwear;
I can see how sloppy they are.
They flap everywhere:
so I'll now sensibly
leave verse and rhymes at home,
reason and wit and knowledge too,
and make your new shoes for tomorrow.


BECKMESSER

Let that be! That was only a joke;
better you should hear what's on my mind!
You are honoured by the people,
and Pogner's daughter esteems you:
if before everybody
I wish to woo her tomorrow,
say, might it not ruin me
if my song is not pleasing to her?
So listen to me quietly:
and when I've sung, you can tell me
what you like about it, and what you don't,
so that I may change it accordingly.


SACHS
Oh, leave me in peace!
Why should such honour come to me?
I've mainly written only street-songs;
so I'll sing to the street and hammer at my last.

Jerum! Jerum!
Hallo, hallohe!
Oho! Tralalei! Ohe!


BECKMESSER
Curse the fellow! I'm going out of my mind
with his song full of pitch and grease!
Shut up! Do you want to wake the neighbours?


SACHS
They're used to it: no one pays attention.
O Eva, Eva!...


BECKMESSER

Oh, you spiteful fellow!
You're playing your last trick on me today!
If you don't shut up at once
you'll pay for it, I swear to you.
(strumming angrily on his lute)
You're jealous, nothing else,
even if you think you're cleverer:
that others count for something too vexes you dreadfully;
belive me, I know you inside out!
That you weren't yet chosen as Marker -
that's what tormenting this embittered cobbler.
All right then! So long as Beckmesser lives,
and there's a rhyme still on his lips,
so long as I still count for something with the Masters,
whether or not Nuremberg blooms and flourishes,
I swear to Mister Hans Sachs
that he will never ever be appointed Marker!


SACHS
(who has listened
with grave attention)
Was that your song?

BECKMESSER
The devil take it!

SACHS
Few rules, it's true, but it rang out proudly!

BECKMESSER
Will you listen to me?

SACHS
In God's name.
sing:I'll be welting the soles.


BECKMESSER
But you'll be quiet?

SACHS
Oh, sing away,
you'll see, it will advance my work too.

(He hammers away on his last)

BECKMESSER
But won't you stop that damned knocking?

SACHS
How should I fix your soles properly?

BECKMESSER
What, you want to hammer, and I'm to sing?

SACHS
You must finish the song, and I the shoe.

BECKMESSER
I don't want any shoes!

SACHS
You say that now,
in the song-school you'll hold it against me again.
But listen! Perhaps we can come to an arrangement:
Man gets on best in consort.
Though I may not put aside my work
I should like to learn the Marker's art:
you have no equal in it;
I'll never learn it if not from you.
So if you sing, I'll note and mark,
and further my work at the same time.


BECKMESSER
Mark away then; and what went wrong,
take your chalk and set it against me.


SACHS
No, sir! The shoes would make up no progress:
with the hammer on the last I'll judge you.


BECKMESSER
Damned malice! God, it's getting late:
the maid will end up by leaving the window!

(He strums zealously)

SACHS
Begin! Hurry up! Or I'll sing to myself!

BECKMESSER
Stop! anything but that (The devil, how provoking!)
If you want to make bold as Marker,
very well, mark with the hammer on the last:
with one condition; keep strictly to the rules;
mark nothing which is according to the rules.


SACHS
According to the rules, as known to the cobbler,
whose fingers are itching to get down to work.


BECKMESSER
Master's honour?

SACHS
And cobbler's humour!

BECKMESSER
Not one mistake: smooth and good!

SACHS
Then you'd go barefoot tomorrow.

(The watchman's horn-call in the distance)

WALTHER
(softly to Eva)
What a crazy business! It's like a dream:
I scarcely seem to have left the Song-chair


SACHS
Sit down here, then!

BECKMESSER
(moving to the corner of the house)
Let me stand here.

SACHS
Why so far off?

BECKMESSER
In order not to see you,
as in the School custom before the Marker's box.


EVA
(leaning on Walther's breast)
My brow is troubled, as if by some mad delusion:
is it good or evil that I sense?


SACHS
I shan't hear you well there.

BECKMESSER
The volume of my voice
I can very charmingly modulate.


(He places himself at the corner,
facing the window, re-tunes his lute)

SACHS
(That's fine!) - All right then! Begin!

(Beckmesser plays a short prelude)

BECKMESSER
"The day I see appear,
which pleases me well;

(Sachs knocks;
Beckmesser shivers)
then my heart takes to itself a...
(he starts violently, but continues)
...good and fresh..."
(Sachs knocks once more.
Beckmesser looks round the corner)
Are you joking?
What was wrong?


SACHS
Better to sing:
"then my heart
takes to itself a good, fresh..."


BECKMESSER
How's that to rhyme
with "I see appear"?


SACHS
Don't you care about the melody?
Methinks tone and word should fit.


BECKMESSER
Who would quarrel with you? Leave the banging
or you'll have cause to remember me!


SACHS
Now continue!

BECKMESSER
I'm quite confused!

SACHS
Then begin again:
I can now rest for three taps.


BECKMESSER
(aside)
I'd best pay no attention to him:
if only it doesn't confuse the maiden!
"The day I see appear,
which pleases me well;
then my heart takes to itself a
good and fresh courage.
I don't think of dying
but rather of wooing
for a young maiden's hand.
Why of all days
the most beautiful should this one be?


To all here I say it:
because a beautiful maiden
by her dear father
as vowed he has
is destined for matrimony.


Come and see
standing there,
the good, dear young lady,
on whom I set all my hope:
that is why the day is so beautifully blue,
as I at the beginning found."


Sachs! Look! You're ruining me!
Won't you be silent now?


SACHS
Indeed I'm dumb!
I was marking the faults: then we'll talk;
meanwhile the soles are coming on.


BECKMESSER
(seeing that Magdalena
is about to leave the window)
Is she going? Pst, pst! Oh God! I must!
(shaking his fist at Sachs
round the corner)
Sachs! I'll remember you for this vexation!

SACHS
(already lifting his hammer for a knock on the last)
Marker in position!
Continue!


BECKMESSER
(even louder and more hurriedly)
"Today my heart will jump for joy
to woo a young lady,
but her father tied
a condition to it
for him who will inherit him
and also woo
his fine little child.
A worthy Master of the Guild,
he loves his daughter well,
but at the same time he shows
what store he sets by Art:
he must win the prize
in the Master-singing
who will his son-in-law be.


Now Art is needed
so that, by your leave,
and without all harmful, common deception,
the winning of the prize may succeed to him
who desires with true ardour...

(Sachs who, shaking his head,
gives up the marking of the faults
one by one, continues his hammering
and knocks out the key of the last)
...the maiden to woo"

SACHS
(leaning out over the shop-door)
Have you finished yet?

BECKMESSER
(in great trepidation)
Why do you ask?

SACHS
(triumphantly holding out the shoes)
I've quite finished the shoes.

I'd call them real Marker's shoes:
hear my Marker's verse too!


With long and short strokes
it is written upon the soles:
read it clearly there
and perceive it
and note it for ever more.
A good song needs rhythm;
whoever distorts it,
be it the clerk with his pen,
the cobbler will hammer it on the leather.
Now run away in peace,
you have good shoes;
your foot won't crack them:
the soles will keep it in step!


BECKMESSER
(who has retired into the alley again
and leaned against the wall,
continues to sing,
shouting breathlessly with violent efforts
to drown out Sachs's voice)

"I may call myself a master,
I'll gladly prove it today,
because I must burn to have the prize,
and thirst and hunger.
Now I call the nine Muses
that they may inspire
my poetic mind.
I well know all the rules,
keep good time and count;
but leaps and superfluities
may sometimes occur
when the head, quite full of hesitation,
makes bold to woo
for a young maiden's hand.

(He stops for breath)
A bachelor,
I brought my skin,
my honour, office, dignity and livelihood here
so that my singing may please you well
and the young maiden may choose me
if she found my song good."


NEIGHBOURS
(first a few, then more,
opening their windows in the alley during
Beckmesser's song and peeping out)
Who's that yelling? Who's screeching so loud?
Is that allowed so late at night?
Let's have some peace here! It's bed-time!
My, just listen to that ass braying!
You there! Be quiet, and be off with you!
Yell and screech somewhere else!

DAVID
(who has opened his shutter close to Beckmesser,
looking out)
(He perceives Magdalena)
Who the devil's here? And over there of all places?
It's Lena - I can see it clearly!
Goodness! It's the man she's made a date with;
that's the man she prefers to me!
Just wait! You're in for it! I'll tan your hide!
(He withdraws and goes inside)

(David has armed himself with a cudgel and returned to the window,
springing out and throwing himself upon Beckmesser)

DAVID
The devil take you, damned churl!

(Sachs who, for a while, has watched the growing tumult,
extinguishes his light and sets his door ajar so that,
remaining unseen himself,
he can still watch the place under the lime-tree.
Walther and Eva observe the riot with increasing anxiety;
he has put his cloak around her
and hides close to the lime-tree in the bushes
so that both are nearly invisible)
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Zweiter Aufzug, Siebente Szene
SIEBENTE SZENE

MAGDALENE
(am Fenster, schreiend)
Ach, Himmel! David! Gott, welche Not!
Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sie schlagen sich tot!

BECKMESSER
Verfluchter Bursch! Lässt du mich los?

DAVID
Gewiss! Die Glieder brech' ich dir bloss!

(Beckmesser und David balgen sich fortwährend;
bald verschwinden sie gänzlich, bald kommen sie wieder in den Vordergrund,
Beckmesser immer auf der Flucht, David ihn einholend,
festhaltend und prügelnd)

NACHBARN
Seht nach! Springt zu! Da würgen sich zwei!
Heda! Herbei! 's gibt Schlägerei:
Ihr da, lasst los! Gebt freien Lauf!
Lasst ihr nicht los, wir schlagen drauf!

EIN NACHBAR
Ei, seht! Auch ihr hier! Geht's euch was an?

EIN ZWEITER
Was sucht ihr hier? Hat man euch 'was getan?

ERSTER NACHBAR
Euch kennt man gut!

ZWEITER NACHBAR
Euch noch viel besser!

ERSTER NACHBAR
Wieso denn?

ZWEITER NACHBAR
(zuschlagend)
Ei so!

EINIGE
Sind die Schuster.

ANDERE
Nein, sind die Schneider.

DIE ERSTEREN
Die Trunkenbolde!

DIE ANDEREN
Die Hungerleider!

DIE NACHBARN
(auf der Gasse durcheinander)
Esel! Dummrian!
Euch gönnt ich's schon lange!
Wird euch wohl bange?
Das für die Klage!
Seht euch vor, wenn ich schlage!
Hat euch die Frau gehetzt?
Schau', wie es Prügel setzt!
Seid ihr noch nicht gewitzt?
So, schlagt doch! Das sitzt!
Dass dich, Hallunke!
Wartet, ihr Racker!
Ihr Massabzwacker!
Dummer Kerl!
Schert euch heim!
Macht euch fort!
Haltet's Maul!

LEHRBUBEN
(einzeln, dann kommen mehr von allen Seiten dazu)
Kennt man die Schlosser nicht?
Die haben's sicher angericht'!
Ich glaub', die Schmiede werden's sein!
Nein, 's sind die Schlosser dort, ich wett'!
Ich kenn' die Schreiner dort!
Gewiss, die Metzger sind's.
Hei! Schaut die Schäffler dort beim Tanz!
Dort seh' die Bader ich im Glanz;
herbei zum Tanz!
Immer mehr! 's gibt grosse Keilerei!
Krämer finden sich zur Hand
mit Gerstenstang' und Zuckerkand;
mit Pfeffer, Zimt, Muskatennuss,
sie riechen schön,
doch machen viel Verdruss;
sie riechen schön,
und bleiben gern vom Schuss.
Seht nur, der Has'!
hat überall die Nas'.
Meinst du damit etwa mich?
Mein' ich damit etwa dich?
Immer mehr heran! Jetzt fängt's erst richtig an!
Hei, nun geht's Plauz!
hast du nicht gesehn!
Hast's auf die Schnauz!
Ha! nun geht's: Krach!
Wo es sitzt, da fleckt's,
da wächst kein Gras sobald nicht wieder nach!

GESELLEN
(mit Knütteln bewaffnet,
kommen von verschiedenen Seiten dazu)
Heda! Gesellen 'ran!
Dort wird mit Zank und Streit getan;
da gibt's gewiss noch Schlägerei;
Gesellen, haltet euch dabei!
Gibt's Schlägerei, wir sind dabei!
'sind die Weber! 'sind die Gerber!
Die Preisverderber!
Dacht' ich mir's doch gleich:
spielen immer Streich'.
Wischt's ihnen aus!
Gebt's denen scharf!
Immer mehr, die Kelerei wird gross!
Dort den Metzger Klaus
kenn' ich heraus!
's ist morgen der Fünfte!
'brennt manchem im Haus!
Herbei!
Hei! Hier setzt's Prügel!
Schneider mit dem Bügel!
Zünfte heraus!
Bald ist der Fünfte!
Nur tüchtig d'rauf und d'ran,
wir schlagen los!
Ihr da macht! Packt euch fort!
Wir sind hier grad' am Ort!
Wollet ihr etwa den Weg uns hier verweran?
Macht Platz, wir schlagen drein!
Macht euch selber fort!
Gürtler!
Spengler!
Leimsieder!
Zinngiesser!
Lichtsieder!
Schert euch selber fort!
Wir sind grad' am Ort!
Nicht gewichen!
Schlagt sie nieder!
Keiner weiche!
Tuchscherer!
Leinweber!
Schlagt sie nieder!

DIE MEISTER
(und älteren Bürger, von verschiedenen Seiten dakukommend)
Was gibt's denn da für Zank und Streit?
Das tost ja weit und breit!
Gebt Ruh' und schert nach Hause euch heim,
sonst schlag' ein Hageldonnerwetter drein!
Schert euch gleich nach Hause heim!
Ei, so schlag' ein heil'ges Hageldonnerwetter drein,
wollt ihr nicht gleich nach Hause heim!

(Nachbarinnen haben die Fenster geöffnet und gucken heraus)

NACHBARINNEN
Was ist das für Zanken und Streit?
Gleich auseinander da, ihr Leut'!
Wär' nur der Vater nicht dabei!
Ach, welche Not! Mein, seht nur hier!
Der Lärm und Streit: 's wird einem angst und bang!
He da! Ihr dort unten,
so seid doch nur gescheit!
Seid ihr denn alle gleich
zu Streit und Zank bereit?
Mein! Dort schlägt
sich mein Mann!
Säh' die Not ich wohl an?
Seid ihr denn alle toll?
Sind euch vom Wein die Köpfe voll?
Hilfe! Der Vater! Der Vater!
Ach, sie hau'n ihn tot!
Peter! So höre doch!
Gott, welche Höllennot!
Hört keines mehr sein Wort!
Die Köpf' und Zöpfe
wackeln hin und her!
Welches Toben!
Welches Krachen!
So hört doch!
Auf, schaffet Wasser her!
Da giesst's auf die Köpf' hinab!
Auf! schreit zu Hilfe!
Mord und Zeter!
Auf, schreit lauter:
Hilfe, Mord und Zeter!

MAGDALENE
(mit höchster Anstrengung)
Hör' doch nur, David!
So lass doch nur den Herrn dort los,
er hat mir nichts getan!
Ach, welche Not!
(hinabspäbend)
Ach, welche Not!
Mein, David, ist er toll!
David, hör,
's ist Herr Beckmesser!

POGNER
(ist im Nachtgewande oben
an das Fenster getreten)
Um Gott! Eva! Schliess zu!
Ich seh', ob unt' im Hause Ruh'!

(Er zieht Magdalene,
welche jammernd die Hände nach der Gasse hinabgerungen,
herein und schliesst das Fenster)

WALTHER
(der bisher mit Eva sich hinter dem Gebüsch verborgen,
fasst jetzt Eva dicht in den linken Arm
und zieht mit der rechten Hand das Schwert)
Jetzt gilt's zu wagen,
sich durchzuschlagen!


(Er dringt mit geschwungenem Schwert bis in die Mitte der Bühne vor,
um sich mit Eva durch die Gasse durchzuhauen.
Da springt Sachs mit einem kräftigen Satze aus dem Laden,
bahnt sich mit geschwungenem Knieriemen den Weg bis zu Walther und packt diesen beim Arm.)
(Sogleich mit den Eintritte des Nachtwächterhornes haben die Frauen aus allen Fenstern
starke Güsse von Wasser aus Kannen, Krügen und Becken auf die Streitenden hinabstürzen lassen;
dieses, mit dem besonders starken Tönen des Hornes zugleich,
wirkt auf alle mit einem panischen Schrecken.
Nachbarn, Lehrbuben, Gesellen und Meister suchen in eiliger Flucht
nach allen Seiten hin das Weite,
so dass die Bühne sehr bald gänzlich leer wird;
auch die Nachbarinnen verschwinden von den Fenstern,
welche sie zuschlagen)

POGNER
(auf der Treppe)
He! Lene! Wo bist du!

SACHS
(die halb ohnmächtige Eva
die Treppe hinaufstossend)
Ins Haus, Jungfer Lene!

(Pogner empfängt Eva und zieht sie am Arm in das Haus,
Sachs, mit einem Knieriemen David eines überhauend
und mit einem Fusstritt ihn voran in den Laden stossend, zieht Walther,
den er mit der andren Hand fest gefasst hält,
gewaltsam schnell ebenfalls mit sich hinein
und schliesst sogleich fest hinter sich zu.
Beckmesser, durch Sachs von David befreit,
sucht sich, jämmerlich zerschlagen,
eilig durch die Menge zu flüchten).

(Als die Strasse und Gasse leer geworden und alle Häuser geschlossen sind,
betritt der Nachtwächter im Vordergrunde rechts die Bühne,
reibt sich die Augen, sieht sich verwundert um,
schüttelt den Kopf und stimmt mit leise bebender Stimme den Ruf an)

DER NACHTWÄCHTER
Hört', ihr Leut', und lasst euch sagen,
die Glock' hat eilfe geschlagen:
bewahrt euch vor Gespenstern und Spuk,
dass kein böser Geist eu'r Seel' beruck'!
Lobet Gott, den Herrn!

(Der Vollmond tritt hervor und scheint hell in die Gasse hinein;
der Nachtwächter schreitet langsam dieselbe hinab).

(Als der Nachtwächter um die Ecke biegt,
fällt der Vorhang schnell genau mit dem letzten Takt)
SCENE SEVEN

MAGDALENA
(crying aloud, at the window)
Ah heavens! David! O God, what a mess!
Help. help! They'll kill each other!

BECKMESSER
Accursed boy! Let me go!

DAVID
Of course! I'll break your bones for you!

(Beckmesser and David continue to struggle and fight.)

NEIGHBOURS
Look! Join in! They're throttling each other!
Ho there! This way! There's a fight!
You there! Let go! Clear the way!
If you don't stop, we'll join in!

A NEIGHBOUR
Ah look! You're here too? What's that to you?

SECOND ONE
What do you want here? What's that to you?

FIRST NEIGHBOUR
We know you sort.

SECOND NEIGHBOUR
And yours even better.

FIRST NEIGHBOUR
What d'you mean?

SECOND NEIGHBOUR

Just that!

SOMEONE
It's the cobblers!

SOMEONE ELSE
No, it's the tailors!

THE FIRST GROUP
The drunkards!

THE SECOND GROUP
The starvelings!

NEIGHBOURS

Ass! stupid oaf!
I've owed you this for a long time!
Are you afraid?
Take that for your pains!
Look out when I strike!
Has your wife egged you on?
Watch out for the blows.
Haven't you learned your lesson?
Well hit back! Got him!
Take that, scoundrel!
Wait you rascals!
Swindlers!
Stupid fellow!
Get off home!
Clear off!
Shut up!

APPRENTICES

Don't we know those locksmiths?
They're sure to have started it!
I think it'll have been the smiths.
No, it's the locksmiths, I bet!
I know those joiners!
I'm sure it's the butchers!
Hey! Look at the coopers joining in the dance.
I can see the barbers over there.
Come along! Now there'll be dancing!
On and on! There's great scuffle going on!
Grocers turn up
with barley sugar and candy sticks,
with pepper, cinnamon, nutmeg,
they smell lovely,
but they disgust us.
they smell lovely,
and stay out of harm's way.
Just look, that creature's
got his nose into everything.
Do you mean me?
Do I mean you?
There's more of them coming! Now it's really getting underway!
Hey, off they go! Biff!
Did you see that?
Take that on your nose!
Ha, off they go: Crack!
It makes a mark where it falls;
nothing will grow there for a while!

JOURNEYMEN
(arriving from all sides,
armed with coudgels)
Come on, journeymen, at 'em!
There's quarrelling and fighting going on.
There's bound to be more fighting.
Journeymen, be in it!
If there's a fight we'll be there too!
It's the weavers! It's the tanners!
Cheapjecks!
I thought so:
they're always playing tricks!
Thump them well!
Give it to them properly!
The fight gets fiercer and fiercer!
I can see Klaus
the butcher there!
Tomorrow's the fifth.
Many have it too hot at home!
Come here!
Hey! See how the cudgels fly!
Tailors with their irons!
Come on guilds!
Soon it will be fifth!
Go to it smartly,
we're pitching in!
You there! Clear off!
We're right there!
Are you trying to bar our way?
Get out of the way, we're pitching in!
You clear off yourselves!
Girdlers!
Tinsmiths!
Glueboilers!
Pewterers!
Candlemakers!
Clear off yourselves!
We're right there!
Don't budge!
Beat them!
Don't give in!
Cloth-cutters!
Flax weavers!
Beat them!

THE MASTERS

What's all this quarrelling and brawling?
It's raging far and wide!
Calm down and clear off at once, all of you!
Or it'll hail thunder-blows!
Clear off and go home!
Hey, there'll be the devil to pay, it'll hail thunder-blows
if you don't all clear off home!

(The women have opened the windows and are peeping out)

WOMEN
What's all this brawling and quarrelling?
Hi! You there, go away!
If only father weren't in it!
Ah, how dreadful! Oh my, just look here!
Shrieking, fighting! It's enough to frighten anyone properly!
Hi! You down there,
do be sensible!
Are you then all at once
ready for quarrelling and brawling?
My! That's
my husband fighting!
Do my eyes deceive me?
Are you all mad?
Are your heads heavy with wine?
Help! Father! Father!
Ah, they'll club him to death!
Peter, just listen!
God, what a hell of a mess!
Nobody can hear himself speak!
Heads and pigtails
are bobbing about all over!
What a row!
What a noise!
Just listen!
Come on, bring some water!
Pour it on their heads!
Come on, cry for help:
murder, come here!
Come on, cry for help more loudly:
murder, come here!

MAGDALENA

Just listen, David!
Do let then man go,
he's done nothing to me!
Ah! How dreadful!

Ah! How dreadful!
My! David! He is mad!
David, listen!
It's Master Beckmesser!

POGNER
(coming to the window
in his nightgrown)
For heaven's sake! Eva! Close the window!
I'll see if all is quiet downstairs.

(He pulls Magdalena in and closes the window)

WALTHER
(who has been hiding with Eva behind the bushes,
now clasps her with his left arm
and with his right hand draws his sword)
Now we must be bold
and fight our way through!


(Brandishing his sword,
Walther forces a way to the middle of the stage,
in order to clear a path for Eva and himself through the alley,
Sachs rushes with one bound out of his shop and grasps Walther's arm)

(Loud call from the Nightwatchman's horn.
The crowd disappears in all directions,
and in a moment the street becomes totally deserted)

POGNER
(on the steps)
He! Lena, where are you?

SACHS
(pushing the half-fainting
Eva up the steps)
Get indoors, Mistress Lena!

(Pogner catches Eva and pulls her into the house.
Sachs, still brandishing his knee-strap,
now belts David one and after kicking him into the shop,
drags Walther, whom he still holds firmly by his other hand, indoors with him,
closing and barring the door behind them.
Beckmesser, released from David's attentions by Sachs,
seeks hasty flight through the crowd.)

(When the street and the alley are empty and all houses are closed,
the watchman re-enters.
He rubs his eyes, stares about him in surprise, and shakes his head)

THE WATCHMAN
Hear, people, what I say:
the clock has struck eleven,
beware of ghosts and spooks,
that no evil spirit ensnare your soul!
Praise God, the Lord!

(The full moon comes out and brightly illumines the new peaceful alley.
The watchman walks slowly up the alley.)
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Dritter Aufzug
Dritter Aufzug, Erste Szene
DRITTER AUFZUG

VORSPIEL

ERSTE SZENE

In Sachsens Werkstatt. (Kurzer Raum).
Im Hintergrunde die halb geöffnete Ladentüre, nach der Strasse führend.
Rechts zur Seite eine Kammertüre.
Links das nach der Gasse gehende Fenster mit Blumenstöcken davor;
zur Seite ein Werktisch.
Sachs sitzt auf einem grossen Lehnstuhle an diesem Fenster,
durch welches die Morgensonne hell auf ihn bereinscheint;
er hat vor sich auf dem Schosse einen grossen Folianten und ist im Lesen vertieft.

(David zeigt sich, von der Strasse kommend, unter der Ladentüre;
er lugt herein, und da er Sachs gewahrt, fährt er zurück).
(Er versichert sich aber, dass Sachs ihn nicht bemerkt, schlüpft herein, stellt seinen mitgebrachten Korb auf den hinteren Werktisch beim Laden und untersucht seinen Inhalt;
er holt Blumen und Bänder hervor, kramt sie auf dem Tische aus und findet endlich auf dem Grunde eine Wurst und einen Kuchen;
er lässt sich an, diese zu verzehren,
als Sachs, der ihn fortwährend nicht beachtet,
mit starkem Geräusch eines der grossen Blätter des Folianten umwendet).

DAVID
(fährt zusammen, verbirgt das Essen
und wendet sich zurück)
Gleich, Meister! Hier!
Die Schuh' sind abgegeben
in Herrn Beckmessers Quartier.
Mir war's, als rieft ihr mich eben?
(Er nähert sich, sehr demütig, langsam Sachs)
Er tut, als säh' er mich nicht?
Da ist er bös', wenn er nicht spricht!
Ach Meister! Wollt mir verzeih'n!
Kann ein Lehrbub' vollkommen sein?
Kenntet ihr die Lene, wie ich,
dann vergäb't ihr mir sicherlich.
Sie ist so gut, so sanft für mich,
und blickt mich oft an so innerlich.
Wenn ihr mich schlagt, streichelt sie mich
und lächelt dabei holdseliglich;
muss ich karieren, füttert sie mich,
und ist in allem gar liebelich!
Nur gestern, weil der Junker versungen,
hab' ich den Korb ihr nicht abgerungen.
Das schmerzte mich; und da ich fand,
dass nachts einer vor dem Fenster stand,
und sang zu ihr, und schrie wie toll,
da hieb ich ihm den Buckel voll.
Wie käm' nun da 'was Grosses drauf an?
Auch hat's unsrer Liebe gar wohl getan!
Die Lene hat mir eben alles erklärt
und zum Fest Blumen und Bänder beschert.
(Er bricht in grössere Angst aus)
Ach, Meister! Sprecht doch nur ein Wort!
(beiseite)
Hätt ich nur die Wurst und den Kuchen erst fort!

(Sachs hat unbeirrt immer weiter gelesen.
Jetzt schlägt er den Folianten zu.
Von dem starken Geräusch erschrickt David so,
dass er strauchelt und unwillkürlich vor Sachs auf die Knie fällt.
Sachs sieht über das Buch, das er noch auf dem Schosse behält, hinweg, über David,
welcher, immer auf den Knien, furchtsam nach ihm aufblickt,
hin und heftet seinen Blick unwillkürlich auf den hinteren Werktisch.)

SACHS
(sehr leise)
Blumen und Bänder seh' ich dort:
schaut hold und jugendlich aus.
Wie kamen mir die ins Haus?


DAVID
(verwundert über Sachsens Freundlichkeit)
Ei, Meister! 's ist heut festlicher Tag;
da putzt sich jeder, so schön er mag.

SACHS
(immer leise, wie für sich)
Wär' heut' Hochzeitsfest?

DAVID
Ja, käm's erst so weit,
dass David die Lene freit!

SACHS
(immer wie zuvor)
's war Polterabend, dünkt mich doch?

DAVID
(für sich)
(Polterabend? Da krieg ich's wohl noch?)
(laut)
Verzeiht das, Meister; ich bitt', vergesst!
Wir feiern ja heut' Johannisfest.

SACHS
Johannisfest?

DAVID
(Hört er heut' schwer?)

SACHS
Kannst du dein Sprüchlein,
so sag' es her!


DAVID
(der allmählich wieder
zu stehen gekommen)
Mein Sprüchlein? Denk', ich kann's gut.
(beiseite)
('s setzt nichts! Der Meister ist wohlgemut).
(stark und grob)
"Am Jordan Sankt Johannes stand"
(Er hat in der Zerstreuung die Worte
mit der Melodie von Beckmessers
Werbelied aus dem vorhergehenden
Aufzuge gesungen; Sachs macht eine
verwunderte Bewegung,
worauf David sich unterbricht)

SACHS
Wa-was?

DAVID
(lächelnd)
Verzeiht das Gewirr:
mich machte der Polterabend irr'.
(Er sammelt und stellt
sich gehörig auf)
"Am Jordan Sankt Johannes stand,
all' Volk der Welt zu taufen;
kam auch ein Weib aus fernem Land,
aus Nürnberg gar gelaufen.
Sein Söhnlein trug's zum Uferrand,
empfing da Tauf' und Namen;
doch als sie dann sich heim gewandt,
nach Nürnberg wieder kamen,
in deutschem Land gar bald sich fand's,
dass wer am Ufer des Jordans
Johannes ward genannt,
an der Pegnitz hiess der Hans."
(sich besinnend)
(feurig)
Hans? Hans! Herr Meister! 's ist heut' eu'r Namenstag!
Nein! Wie man so 'was vergessen mag!
Hier! hier die Blumen sind für euch,
die Bänder, und was nur alles noch gleich?
Ja hier, schaut! Meister, herrlicher Kuchen!
Möchtet ihr nicht auch die Wurst versuchen?

SACHS
(immer ruhig, ohne seine Stellung
zu verändern)
Schön' Dank, mein Jung! Behalt's für dich.
Doch heut' auf die Wiese begleitest du mich;
mit Blumen und Bändern putz' dich fein:
sollst mein stattlicher Herold sein!


DAVID
Sollt' ich nicht lieber Brautführer sein?
Meister, ach! Meister, ihr müsst wieder frei'n.

SACHS
Hätt'st wohl gern eine Meist'rin im Haus?

DAVID
Ich mein', es säh' doch viel stattlicher aus.

SACHS
Wer weiss? Kommt Zeit, kommt Rat.

DAVID
's ist Zeit.

SACHS
Dann wär der Rat wohl auch nicht weit?

DAVID
Gewiss! Geh'n schon Reden hin und wieder;
den Beckmesser, denk' ich, säng't ihr doch nieder?
Ich mein', dass der heut' sich nicht wichtig macht.

SACHS
Wohl möglich; hab' mir's auch schon gedacht.
Jetzt geh', und stör' mir den Junker nicht.
Komm' wieder, wenn du schön gericht't!


DAVID
(küsst Sachs gerührt die Hand)
So war er noch nie, wenn sonst auch gut!
(Kann mir gar nicht mehr denken, wie der Knieriemen tut!)
(Er packt seine Sachen zusammen
und geht in die Kammer ab)

(Sachs, immer noch den Folianten auf dem Schosse, lehnt sich, mit untergestütztem Arm, sinnend darauf;
es scheint, dass ihn das Gespräch mit David gar nicht aus seinem Nachdenken gestört hat)

SACHS
Wahn! Wahn!
Überall Wahn!
Wohin ich forschend blick',
in Stadt- und Weltchronik,
den Grund mir aufzufinden,
warum gar bis aufs Blut
die Leut' sich quälen und schinden
in unnütz toller Wut!
Hat keiner Lohn
noch Dank davon:
in Flucht geschlagen,
wähnt er zu jagen;
hört nicht sein eigen Schmerzgekreisch,
wenn er sich wühlt ins eig'ne Fleisch,
wähnt Lust sich zu erzeigen!
Wer gibt den Namen an?
's ist halt der alte Wahn,
ohn' den nichts mag geschehen,
's mag gehen oder stehen!
Steht's wo im Lauf,
er schläft nur neue Kraft sich an:
gleich wacht er auf,
dann schaut, wer ihn bemeistern kann!
Wie friedsam treuer Sitten,
getrost in Tat und Werk,
liegt nicht in Deutschlands Mitten
mein liebes Nürenberg!

(Er blickt mit freudiger
Begeisterung ruhig vor sich hin)
Doch eines Abends spat,
ein Unglück zu verhüten
bei jugendheissen Gemüten,
ein Mann weiss sich nicht Rat;
ein Schuster in seinem Laden
zieht an des Wahnes Faden;
wie bald auf Gassen und Strassen
fängt der da an zu rasen!
Mann, Weib, Gesell und Kind
fällt sich da an wie toll und blind;
und will's der Wahn gesegnen,
nun muss es Prügel regnen,
mit Hieben, Stoss' und Dreschen
den Wutesbrand zu löschen.
Gott weiss, wie das geschah?
Ein Kobold half wohl da:
ein Glühwurm fand sein Weibchen nicht;
der hat den Schaden angericht't.
Der Flieder war's: Johannisnacht!
Nun aber kam Johannistag!
Jetzt schaun wir, wie Hans Sachs es macht,
dass er den Wahn fein lenken mag,
ein edler Werk zu tun:
denn lässt er uns nicht ruh'n,
selbst hier in Nürenberg,
so sei's um solche Werk',
die selten vor gemeinen Dingen
und nie ohn' ein'gen Wahn gelingen.
ACT THREE

PRELUDE

SCENE ONE

The inside of sach's workshop:
at the back is the half-open door to the street.
To the right there is a door leading to an inner chamber;
to the left, overlooking the street, a window with flowers outside;
at the side a work-bench.
Sachs is seated in an arm-chair near the window,
through which the morning sun pours in.
He has a large folio in his lap and is absorbed in reading it.

(David comes along the road outside, peeps inside the door, sees Sachs, and starts back.)
(Having made certain Sachs has not noticed him, he slips quietly into the room.
He has a basket in his hand which he puts on the work-bench near the door;
he takes flowers and ribbons from the basket;
finally, he finds a sausage and a cake.
He prepares to eat some of the food
when Sachs, who still does not look at him,
noisly turns over one of the large pages of the folio)

DAVID
(starting at the noise, hiding his food,
and turning to Sachs)
Coming, Master! Here!
The shoes have been delivered
to Her Beckmesser's house.
I thought you just called me?
(gradually approaching, humbly)
He's pretending he hasn't seen me.
It means he's angry when he doesn't speak.
Ah Master! Will you forgive me?
Can an apprentice be perfect?
If you knew Lena as I do,
you would forgive me for sure.
She is so good, so gentle to me,
and often looks at me tenderly:
when you strike at me, she caresses me
and smiles so sweetly the while!
If I'm made to fast, she feeds me,
and in every way is so lovely.
Yesterday, when the knight ruined his chances
I couldn't get her to give me the basket:
that hurt me; and when I found
someone standing before her window at night
and singing to her, and shouting like mad,
I gave him a real thrashing.
How could such a big fuss arise fro that?
And it's certainly helped our love:
Lena has just explained everything to me
and given me flowers and ribbons for the festival.
(bursting out in still greater anxiety)
Ah, Master! speak just one word!
(aside)
If only I'd first put away the sausage and cake!

(Sachs, who has read on undisturbed, claps his book shut.
At the loud noise David is so startled
that he stumbles and falls unintentionally on his knees before Sachs.
The latter gazes away beyond the book which he still holds,
beyond David, who looks up at him timidly,
and his eyes fall on the farther table)

SACHS

Do I see flowers and ribbons there?
It looks charming and youthful!
How did they get into my house?


DAVID
(astonished at Sachs's friendliness)
Well, Master! Today's a festival;
so everyone puts his best things on.

SACHS

Might there be a wedding-feast today?

DAVID
Yes, would that the time had come
for David to marry Lena!

SACHS

It was Polter-evening, methinks?

DAVID
(aside)
(Polter-evening? So I'm in for it, then?)
(aloud)
Forgive me, Master! Please forget!
For today we celebrate St John's Day.

SACHS
St John's Day?

DAVID
(Is his hearing bad today?)

SACHS
Do you know your poem?
Say it to me!


DAVID
(who meanwhile has stood up again)
My poem? I think I know it well.
(aside)
(No thrashing! The Master is in a good mood!).
(aloud)
"On Jordan's bank St John did stand"
(In his agitation he sings
his lines to the melody
of Beckmesser's serenade
from the previous Act;
he is pulled up by Sachs's
movement of astonishment)

SACHS
Wh-what?

DAVID
(smiling)
Forgive the confusion!
The Polter-evening led me astray.
(He recovers himself
and begins again)
"On Jordan's bank St John did stand
to baptise all the people of the world:
a woman came from a distant land,
from Nuremberg she had hastened:
her little son she carried to the river's bank,
received there baptism and name;
but when they then took their homeward way
and got back to Nuremberg again,
in German land it soon transpired
that the person who on the Jordan's bank
was named John,
on the River Pegnitz was called Hans."
(reflecting)
(impetuously)
Hans? Hans! Sir! Master! It's your nameday!
No! How can one forget such a thing!
Here! here, the flowers are for you,
the ribbons... and what else is there now?
Yes, here! Look, Master! A splendid cake!
Wouldn't you like to try the sausage too?

SACHS
(still dreamily, without moving)
Thank you my boy! Keep it for yourself!
But today you shall accompany me to the meadow:
adorn yourself with flowers and ribbons;
you shall be my grand herald!


DAVID
Shouldn't I rather be best man?
Master! Ah, Master, you must go wooing again!

SACHS
Would you like to have a Mistress in the house?

DAVID
I mean, it would look much grander.

SACHS
Who knows! Time brings wisdom.

DAVID
It's time.

SACHS
So wisdom can't be far away?

DAVID
For sure! There are rumours about already.
You'd defeat Beckmesser in singing I think.
I mean, he'll hardly give himself airs today.

SACHS
Quite possibly! I've thought about it already.
Go now, and don't disturb the knight!
Come back when you're all smart.


DAVID
(kisses Sachs's hand)
He's never been like this before, though he's usually kind!
(I can't remember what the strap's like!
(He collects his things
and goes into the chamber)

(Sachs, still with the book on his knees,
leans forward deep in thought,
resting his head on his hand.)

SACHS
Madness! Madness!
Everywhere madness!
Wherever I look searchingly
in city and world chronicles,
to seek out the reason
why, till they draw blood,
people torment and flay each other
in useless, foolish anger!
No-one has reward
or thanks for it:
driven to flight,
he thinks he is hunting;
hears not his own cry of pain;
when he digs into his own flesh
he thinks he is giving himself pleasure!
Who will give it its name?
It is the old madness,
without which nothing can happen,
nothing whatever!
If it halts somewhere in its course
it is only to gain new strenght in sleep:
suddenly it awakens,
then see who can master it!
How peacefully with its staunch customs,
contented in deed and work,
lies, in the middle of Germany,
my dear Nuremberg!

(He gazes before him,
filled with a deep and peaceful joy)
But one evening late,
to prevent a mishap
caused by youthful ardour,
a man knows not what to do;
a cobbler in his shop
plucks at the thread of madness:
how soon in alleys and streets
it begins to rage!
Man, woman, journeyman, and child
fall upon each other as if crazed and blind;
and if madness prevails,
it must now rain blows,
with cuts, blows, and thrashings
to quench the fire of anger.
God knows how that befell!
A goblin must have helped:
a glow-worm could not find its mate;
it set the trouble in motion.
It was the elder-tree: Midsummer Eve!
But now has come Midsummer Day!
Now let us see how Hans Sachs manages
finely to guide the madness
so as to perform a nobler work:
for if madness won't leave us in peace
even here in Nuremberg,
then let it be in the service of such works
as are seldom successful in plain activities
and never so without a touch of madness.
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Dritter Aufzug, Zweite Szene
ZWEITE SZENE

(Walther tritt unter der Kammertür ein.
Er bleibt einen Augenblick dort stehen und blickt auf Sachs.
Dieser wendet sich und lässt den Folianten auf den Boden gleiten)

SACHS
Grüss' Gott, mein Junker! Ruhtet ihr noch?
Ihr wachtet lang, nun schlieft ihr doch?


WALTHER
Ein wenig, aber fest und gut.

SACHS
So ist euch jetzt wohl bass zumut?

WALTHER
Ich hatt' einen wunderschönen Traum.

SACHS
Das deutet Gut's: erzählt mir den!

WALTHER
Ihn selbst zu denken wag' ich kaum:
ich fürcht' ihn mir vergeh'n zu seh'n.


SACHS
Mein Freund! Das grad' ist Dichters Werk,
dass er sein Träumen deut' und merk'.
Glaubt mir, des Menschen wahrster Wahn
wird ihm im Traume aufgetan:
all' Dichtkunst und Poeterei
ist nichts als Wahrtraumdeuterei.
Was gilt's, es gab der Traum euch ein,
wie heut' ihr wolltet Meister sein?


WALTHER
Nein, von der Zunft und ihren Meistern
wollt' sich mein Traumbild nicht begeistern.


SACHS
Doch lehrt' es wohl den Zauberspruch,
mit dem ihr sie gewännet?


WALTHER
Wie wähnt ihr doch, nach solchem Bruch,
wenn ihr noch Hoffnung kennet!


SACHS
Die Hoffnung lass' ich mir nicht mindern,
nichts stiess sie noch über'n Haufen;
wär's nicht, glaubt, statt eu're Flucht zu hindern,
wär' ich selbst mit euch fortgelaufen!
Drum bitt' ich, lasst den Groll jetzt ruh'n!
Ihr habt's mit Ehrenmännern zu tun;
die irren sich, und sind bequem,
dass man auf ihre Weise sie nähm'.
Wer Preise erkennt und Preise stellt,
der will am End' auch, dass man ihm gefällt.
Eu'r Lied, das hat ihnen bang' gemacht;
und das mit Recht: denn wohl bedacht,
mit solchem Dicht'- und Liebesfeuer
verführt man wohl Töchter zu Abenteuer;
doch für liebseligen Ehestand
man and're Wort' und Weisen fand.


WALTHER
(lächelnd)
Die kenn' ich nun auch seit dieser Nacht:
es hat viel Lärm auf der Gasse gemacht.


SACHS
(lachend)
Ja, ja! Schon gut! Den Takt dazu
hörtet ihr auch! Doch lasst dem Ruh'
und folgt meinem Rate, kurz und gut:
fasst zu einem Meisterliede Mut!


WALTHER
Ein schönes Lied, ein Meisterlied:
wie fass' ich da den Unterschied?


SACHS
(zart)
Mein Freund, in holder Jugendzeit,
wenn uns von mächt'gen Trieben
zum sel'gen ersten Lieben
die Brust sich schwellet hoch und weit,
ein schönes Lied zu singen,
mocht' vielen da gelingen;
der Lenz, der sang für sie.
Kam Sommer, Herbst und Winterszeit,
viel Not und Sorg' im Leben,
manch' ehlich Glück daneben,
Kindtauf', Geschäfte, Zwist und Streit:
denen's dann noch will gelingen,
ein schönes Lied zu singen,
seht; Meister nennt man die!


WALTHER
(zart und begeistert)
Ich lieb' ein Weib und will es frei'n,
mein dauernd Eh'gemahl zu sein.


SACHS
Die Meisterregeln lernt beizeiten,
dass sie getreulich euch geleiten,
und helfen wohl bewahren,
was in der Jugend Jahren,
mit holdem Triebe
Lenz und Liebe
euch unbewusst ins Herz gelegt,
dass ihr das unverloren hegt!


WALTHER
Steh'n sie nun in so hohem Ruf,
wer war es, der die Regeln schuf?


SACHS
Das waren hoch bedürft'ge Meister,
von Lebensmüh' bedrängte Geister:
in ihrer Nöten Wildnis
sie schufen sich ein Bildnis,
dass ihnen bliebe
der Jugendliebe
ein Angedenken, klar und fest,
d'ran sich der Lenz erkennen lässt.


WALTHER
Doch, wem der Lenz schon lang entronnen,
wie wird er dem im Bild gewonnen?


SACHS
Er frischt es an, so gut er kann:
drum möcht'ich, als bedürft'ger Mann,
will ich die Regeln euch lehren,
sollt ihr sie mir neu erklären.
Seht, hier ist Tinte, Feder, Papier:
ich schreib's euch auf, diktiert ihr mir!


WALTHER
Wie ich's begänne, wüsst' ich kaum.

SACHS
Erzählt mir euren Morgentraum.

WALTHER
Durch eu'rer Regeln gute Lehr'
ist mir's, als ob verwischt er wär'.


SACHS
Grad' nehmt die Dichtkunst jetzt zur Hand:
Mancher durch sie das Verlor'ne fand.


WALTHER
So wär's nicht Traum, doch Dichterei?

SACHS
Sind Freunde beid', steh'n gern sich bei.

WALTHER
Wie fang' ich nach der Regel an?

SACHS
Ihr stellt sie selbst und folgt ihr dann.
Gedenkt des schönen Traums am Morgen:
fürs andre lasst Hans Sachs nur sorgen.


(Walther hat sich zu Sachs am Werktisch gesetzt,
wo dieser das Gedicht Walthers nachschreibt)

WALTHER
(beginnt, nach kurzer Sammlung, sehr leise, wie heimlich)
"Morgenlich leuchtend in rosigem Schein,
von Blüt und Duft
geschwellt die Luft,
voll aller Wonnen,
nie ersonnen,
ein Garten lud mich ein,
Gast ihm zu sein".


SACHS
Das war ein "Stollen"; nun achtet wohl,
dass ganz ein gleicher ihm folgen soll.


WALTHER
Warum ganz gleich?

SACHS
Damit man seh',
ihr wähltet euch gleich ein Weib zur Eh'.


WALTHER
"Wonnig entragend dem seligen Raum,
bot gold'ner Frucht
hellsaft'ge Wucht,
mit holdem Prangen
dem Verlangen,
an duft'ger Zweige Saum,
herrlich ein Baum".


SACHS
Ihr schlosset nicht im gleichen Ton:
das macht den Meistern Pein;
doch nimmt Hans Sachs die Lehr' davon,
im Lenz wohl müss' es so sein.
Nun stellt mir einen "Abgesang".


WALTHER
Was soll nun der?

SACHS
Ob euch gelang,
ein rechtes Paar zu finden,
das zeigt sich an den Kinden;
den Stollen ähnlich, doch nicht gleich,
an eig'nen Reim' und Tönen reich;
dass man's recht schlank und selbstig find',
das freut die Eltern an dem Kind:
und euren Stollen gibt's den Schluss,
dass nichts davon abfallen muss.


WALTHER
"Sei euch vertraut,
welch' hehres Wunder mir geschehn:
an meiner Seite stand ein Weib,
so hold und schön ich nie gesehn:
gleich einer Braut
umfasste sie sanft meinen Leib;
mit Augen winkend,
die Hand wies blinkend,
was ich verlangend begehrt,
die Frucht so hold und wert
vom Lebensbaum".


SACHS
(gerührt)
Das nenn' ich mir einen Abgesang:
Seht, wie der ganze Bar gelang!
Nur mit der Melodei
seid ihr ein wenig frei;
doch sag' ich nicht, dass das ein Fehler sei;
nur ist's nicht leicht zu behalten,
und das ärgert uns're Alten.
Jetzt richtet mir noch einen zweiten Bar,
damit man merk', welch' der erste war.
Auch weiss ich noch nicht, so gut ihr's gereimt,
was ihr gedichtet, was ihr geträumt.


WALTHER
"Abendlich glühend in himmlischer Pracht
verschied der Tag,
wie dort ich lag:
aus ihren Augen
Wonne saugen,
Verlangen einz'ger Macht
in mir nur wacht'.
Nächtlich umdämmert, der Blick mir sich bricht:
wie weit so nah',
beschienen da
zwei lichte Sterne
aus der Ferne,
durch schlanker Zweige Licht,
hehr mein Gesicht.
Lieblich ein Quell
auf stiller Höhe dort mir rauscht;
jetzt schwellt er an sein hold Getön',
so stark und süss ich's nie erlauscht:
leuchtend und hell,
wie strahlten die Sterne da schön!
Zu Tanz und Reigen
in Laub und Zweigen
der gold'nen sammeln sich mehr,
statt Frucht ein Sternenheer
im Lorbeerbaum".


SACHS
(sehr gerührt)
Freund, euer Traumbild wies euch wahr:
gelungen ist auch der zweite Bar.
Wolltet ihr noch einen dritten dichten,
des Traumes Deutung würd' er berichten.


(Walther steht schnell auf)

WALTHER
Wo fänd' ich die? Genug der Wort'!

SACHS
(erhebt sich gleichfalls und tritt
mit freundlicher Entschiedenheit
zu Walther)
Dann Tat und Wort am rechten Ort!
Drum bitt' ich, merkt mir wohl die Weise:
gar lieblich drin sich's dichten lässt.
Und singt ihr sie in weit'rem Kreise,
so haltet mir auch das Traumbild fest.


WALTHER
Was habt ihr vor?

SACHS
Eu'r treuer Knecht
fand sich mit Sack und Tasch' zurecht:
die Kleider, drin am Hochzeitsfest
daheim ihr wollten prangen,
die liess er her zu mir gelangen.
Ein Täubchen zeigt' ihm wohl das Nest,
darin sein Junker träumt.
Drum folgt mir jetzt ins Kämmerlein:
mit Kleidern, wohl gesäumt,
sollen beide wir gezieret sein,
wenn's Stattliches zu wagen gilt.
Drum kommt, seid ihr gleich mir gewillt.


(Walther schlägt in Sachsens Hand ein;
so geleitet ihn dieser ruhig festen Schrittes zur Kammer,
deren Türe er ihm ehrerbietig öffnet und dann ihm folgt.)

(Man gewahrt Beckmesser,
welcher draussen vor dem Laden erscheint,
in grosser Aufgeregtheit hereinlugt und,
da er die Werkstatt leer findet,
hastig hereintritt)
SCENE TWO

(Walther enters from the chamber.
He pauses a moment at the door, looking at Sachs.
The latter turns and allows his book to slip to the ground)

SACHS
God be with you, Sir knight! You've rested till now?
You were up late, and then you slept?


WALTHER
A little, but deeply and well.

SACHS
So you are now in good heart?

WALTHER
I had a wonderfully beautiful dream.

SACHS
That bodes well! Tell it to me!

WALTHER
I scarcely dare even to think of it:
I fear to see it vanish from me.


SACHS
My friend, it is precisely the poet's task
to interpret and record his dreamings.
Belive me, man's truest madness
is disclosed to him in dreams:
all poetry and versification
is nothing but true dream interpretation.
What are the odds that your dream told you
how you might become a Master today?


WALTHER
No, from the guild and its Masters
my vision did not want to take its inspiration.


SACHS
But it taught you the magic spell
with which you might win her?


WALTHER
How you delude yourself, after such a failure,
if you still cherish hope!


SACHS
I shan't let my hope diminish;
nothing has yet overthrown it;
were it so, then belive me, instead of hindering your flight
I would have run away with you!
So please give up your resentment now!
You are dealing with men of honour;
they make mistakes and are content
that one takes them on their own terms.
He who decides prizes and offers prizes
expects also that people should please him.
Your song made them uneasy;
and rightly so; for when you think of it,
it is with such fire of poetry and love
that daughters are seduced to adventure;
but for loving and blissful wedlock
other words and melodies were invented.


WALTHER

These too I know, since last night;
there was much noise in the street.


SACHS

Yes, yes! Very true! The time-beating as well
you must have heard! But let that be,
and follow my advice; in short:
take courage and make a Master-song!


WALTHER
A beautiful song, a Master-song:
how am I to grasp the difference?


SACHS

My friend, in the sweet time of youth,
when from mighty impulse
to blissful first love
the breast swells high and free,
to sing a beautiful song
many have succeeded:
the spring sang for them.
But when summer, autumn and winter come,
much hardship and care in life,
much married joy as well,
baptism, business, discord and strife:
whoever then can still succeeded
in singing a beautiful song:
Behold! He is called Master!


WALTHER

I love a woman, and will woo her
to be my wife for ever.


SACHS
Learn the Master's rules in good time,
that they may truly accompany you
and help you keep
what in youthful years,
with lovely impulse,
spring and love
placed unawares in your heart,
so that you may cherish it safely.


WALTHER
If they now stand in such high repute,
who was it who made the rules?


SACHS
It was sorely-troubled Masters,
spirits oppressed by the cares of life:
in the desert of their troubles
they formed for themselves an image,
so that to them might remain
of youthful love
a memory, clear and firm,
in which spring can be recognised.


WALTHER
But the form whom spring has long since fled,
how can he capture it in an image?


SACHS
He refreshes it as often as he can:
so, as a troubled man, I should like,
if I am to teach you the rules,
you to explain them to me anew.
See, here is ink, pen, paper:
I'll write it down for you if you will dictate to me.


WALTHER
How I should begin I scarcely know.

SACHS
Tell me your morning-dream.

WALTHER
Through the good precepts of your rules
I feel as if it were effaced.


SACHS
Then take poetry to your hand now:
many found through it what was lost.


WALTHER
So it might be not dream, but poetry?

SACHS
The two are friends, gladly standing by each other.

WALTHER
How do I begin according to the rule?

SACHS
You make it yourself, and then you follow it.
Think of your beautiful dream of this morning;
of the rest let Hans Sachs take care!


(Walther places himself at the work-bench near Sachs
who takes down the song as Walther sings it)

WALTHER

"Shining in the rosy light of morning,
the air heavy
with blossom and scent,
full of every
unthought-of joy,
a garden invited me
to be its guest".


SACHS
That was a "stanza": now see to it
that one just like it follows.


WALTHER
Why just like it?

SACHS
So that one can see
that you're choosing an equal as a wife.


WALTHER
"Blissfully towering from that blessed spot,
offering golden fruits'
healing, juicy abundance
with fair splendour
in response to desire
at the tips of its fragrant branches,
a glorious tree".


SACHS
You didn't close in the same tone:
that offends the Masters;
but Hans Sachs will learn from it,
in spring it must be so.
Now compose an "Aftersong".


WALTHER
What is that?

SACHS
If you've succeeded
in finding a true pair,
it will show in the children.
Similar to the stanza, but not exactly the same,
rich in its own rhymes and tones;
that people find it slender and self-sufficient,
that makes the parents proud of the child:
and it will from a conclusion to your stanzas
so that nothing shall fall out of place.


WALTHER
"To you be confided
what sublime wonder befell me:
at my side stood a woman
so fair and beautiful as I have never seen;
like a bride
she gently enfolded my body;
with twinkling eyes
her hand pointed shining
towards what I ardently desired,
the fruit, so fair and precious,
of the Tree of Life".


SACHS
(moved)
That's what I call an Aftersong:
see how the complete section has come off!
Only with the melody
you are a little free;
but I don't say that's a fault;
but it isn't easy to hold on to,
and that vexes our old men!
Now fashion me a second section
so that one can see what the first was.
Also, I don't yet know, well as you've rhymed,
what you've composed and what you've dreamt.


WALTHER
"Glowing in the heavenly splendour of the evening,
day departed
as I lay there:
from her eyes
to drink bliss
a desire of unique power
awoke within me.
Enclosed in night my gaze grows faint:
so far, yet so near
shone there
two light stars
from the distance
through the light of slender twings
brightly on my face.
Loving a spring
on a silent height murmurs to me;
now its lovely tone swells
so strong and sweet as I have never heard it:
gleaming and bright
how beautifully the stars were shining there!
To dance and circle
in leaf and twings
more of the golden ones come together,
instead of fruit a host of stars
in the laurel-tree".


SACHS
(deeply moved)
Friend, your vision told you true:
you have succeeded with the second section too.
If you would write a third,
it would tell the meaning of the dream.


(Walther rises hastily)

WALTHER
Where might I find that? Enough of words!

SACHS
(also rising, and going up
to Walther with friendly decision)
Then deed and word at the proper place!
Therefore I beg you, remember well the melody;
it is a fine vehicle for poetry,
and when you sing it in a wider circle,
then hold fast to your vision too.


WALTHER
What is your intent?

SACHS
Your faithful servant
found his way hither with pack and bag:
the clothes in which at your marriage ceremony
at home you intended to dazzle,
he sent hither to me:
a little dove surely showed him the nest
in which his master was dreaming.
So follow me now into the little chamber!
With richly embroidered clothes
we must both be adorned
if we are to venture on solemn enterprises.
So come, if you are in agreement with me.


(Walther clasps Sachs's hand;
Sachs quietly guides him to the chamber;
he opens the door and respectfully follows Walther in.)

(Beckmesser is seen in the street, before the house;
in the greatest excitement, he peeps into the shop;
finding it empty he comes in.)
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Dritter Aufzug, Dritte Szene
DRITTE SZENE

Beckmesser ist sehr aufgeputzt, aber in sehr leidendem Zustande.
Er blickt sich erst unter der Türe nochmals genau in der Werkstat um.
Dann hinkt er vorwärts, zuckt aber zusammen und streicht sich den Rücken.
Er macht wieder einige Schritte, knickt aber mit den Knien und streicht nun diese.
Er setzt sich auf den Schusterschemel, fährt aber schnell schmerzhaft wieder auf.
Er betrachtet sich Schemel und gerät dabei in immer aufgeregteres Nachsinnen.
Er wird von den verdriesslichsten Erinnerungen und Vorstellungen gepeinigt;
immer unruhiger beginnt er sich den Schweiss von der Stirne zu wischen.
Er hinkt immer lebhafter umher und starrt dabei vor sich hin.
Als ob er von allen Seiten verfolgt wäre, taumelt er fliehend hin und her.
Wie um nicht umzusinken, hält er sich an den Werktisch,
zu dem er hingeschwankt war, an, und starrt vor sich hin.
Matt und verzweiflungsvoll sieht er sich um:
sein Blick fällt durch das Fenster auf Pogners Haus;
er hinkt mühsam an dasselbe heran, und,
nach dem gegenüberliegenden Fenster ausspähend,
versucht er sich in die Brust zu werfen,
als ihm sogleich Ritter Walther einfällt.
Ärgerliche Gedanken entstehen dadurch,
gegen die er mit schmeichelndem Selbstgefühle anzukämpfen sucht.
Die Eifersucht übermannt ihn; er schlägt sich vor den Kopf.
Er glaubt die Verhöhnung der Weiber und Buben auf der Gasse zu vernehmen,
wendet sich wütend ab und schmeisst das Fenster zu.
Sehr verstört wendet er sich mechanisch wieder dem Werktische zu,
indem er, vor sich hinbrütend,
nach einer neuen Weise zu suchen scheint.
Sein Blick fällt auf das von Sachs zuvor beschriebene Papier,
er nimmt es neugierig auf, überfliegt es mit wachsender Aufregung,
und bricht endlich wütend aus).

BECKMESSER
Ein Werbelied! Von Sachs! Ist's wahr?
Ha! jetzt wird mir alles klar!

(Da er die Kammertüre gehen hört,
fährt er zusammen und steckt
das Papier eilig in die Tasche)

(Sachs, im Festgewande, tritt ein, kommt vor und hält an, als er Beckmesser gewahrt)

SACHS
Sieh da, Herr Schreiber: auch am Morgen?
Euch machen die Schuh' doch nicht mehr Sorgen?


BECKMESSER
Zum Teufel! so dünn war ich noch nie beschuht;
fühl' durch die Sohl' den feinsten Kies!


SACHS
Mein Merkersprüchlein wirkte dies;
trieb sie mit Merkerzeichen so weich.


BECKMESSER
Schon gut der Witz' und genug der Streich'!
Glaubt mir, Freund Sachs: jetzt kenn' ich euch!
Der Spass von dieser Nacht,
der wird euch noch gedacht.
Dass ich euch nur nicht im Wege sei,
schuf't ihr gar Aufruhr und Meuterei!


SACHS
's war Polterabend, lasst euch bedeuten;
eure Hochzeit spukte unter den Leuten:
je toller es da hergeh',
je besser bekommt's der Eh'!


BECKMESSER
(wütend)
Oh, Schuster, voll von Ränken
und pöbelhaften Schwänken!
Du warst mein Feind von je:
nun hör', ob hell ich seh'. -
Die ich mir auserkoren,
die ganz für mich geboren,
zu aller Witwer Schmach
der Jungfer stellst du nach.
Dass sich Herr Sachs erwerbe
des Goldschmieds reiches Erbe,
im Meisterrat zur Hand
auf Klauseln er bestand,
ein Mägdlein zu betören,
das nur auf ihn sollt' hören,
und andren abgewandt,
zu ihm allein sich fand.
Darum! Darum!
Wär' ich so dumm?
Mit Schreien und mit Klopfen
wollt' er mein Lied zustopfen,
dass nicht dem Kind werd' kund,
wie auch ein Andrer bestund.
Ja, ja! Ha, ha!
Hab' ich dich da?
Aus seiner Schusterstuben
hetzt' endlich er den Buben
mit Knüppeln auf mich her,
dass meiner los er wär'!
Au, au! Au, au!
Wohl grün und blau,
zum Spott der allerliebsten Frau,
zerschlagen und zerprügelt,
dass kein Schneider mich aufbügelt.
Gar auf mein Leben
war's angegeben.
Doch kam ich noch so davon,
dass ich die Tat euch lohn':
zieht heut' nur aus zum Singen,
merkt auf, wie's mag gelingen!
Bin ich gezwackt
auch und zerhackt,
euch bring' ich doch sicher aus dem Takt.


SACHS
Gut Freund, ihr seid in argem Wahn!
Glaubt was ihr wollt, was ich getan,
gebt eure Eifersucht nur hin;
zu werben kommt mir nicht in Sinn.


BECKMESSER
Lug und Trug! Ich kenn es besser.

SACHS
Was fällt euch nur ein, Meister Beckmesser?
Was ich sonst im Sinn, geht euch nichts an;
doch glaubt, ob der Werbung seid ihr im Wahn.


BECKMESSER
Ihr sängt heut' nicht?

SACHS
Nicht zur Wette.

BECKMESSER
Kein Werbelied?

SACHS
Gewisslich, nein!

BECKMESSER
(greift in die Tasche)
Wenn ich aber d'rob ein Zeugnis hätte?

SACHS
(blickt auf den Werktisch)
Das Gedicht? hier liess ich's.
Stecktet ihr's ein?


BECKMESSER
(das Blatt hervorziehend)
Ist das eure Hand?

SACHS
Ja, war es das?

BECKMESSER
Ganz frisch noch die Schrift?

SACHS
Und die Tinte noch nass?

BECKMESSER
's wär' wohl gar ein biblisches Lied?

SACHS
Der fehlte wohl, wer darauf riet'!

BECKMESSER
Nun denn?

SACHS
Wie doch?

BECKMESSER
Ihr fragt?

SACHS
Was noch?

BECKMESSER
Dass ihr mit aller Biederkeit
der ärgste aller Spitzbuben seid!


SACHS
Mag sein; doch hab' ich noch nie entwandt,
was ich auf fremden Tischen fand:
und dass man von euch auch nicht Übles denkt,
behaltet das Blatt, es sei euch geschenkt.


BECKMESSER
(in freudigem Schreck aufspringend)
Herr Gott! Ein Gedicht? Ein Gedicht von Sachs!
Doch halt', dass kein neuer Schad' mir erwachs'!
Ihr habt's wohl schon recht gut memoriert?


SACHS
Seid meinethalb doch nur unbeirrt!

BECKMESSER
Ihr lasst mir das Blatt?

SACHS
Damit ihr kein Dieb.

BECKMESSER
Und macht' ich Gebrauch?

SACHS
Wie's euch beliebt'.

BECKMESSER
Und sing' ich das Lied?

SACHS
Wenn's nicht zu schwer.

BECKMESSER
Und wenn ich gefiel?

SACHS
Das wunderte mich sehr.

BECKMESSER
(ganz zutraulich)
Da seid ihr nun wieder zu bescheiden;
ein Lied von Sachs, das will was bedeuten!
Und seht nur, wie mir's ergeht,
wie's mit mir Ärmsten steht!
Erseh' ich doch mit Schmerzen,
das Lied, das nachts ich sang,
Dank euren lust'gen Scherzen,
es machte der Pognerin bang'.
Wie schaff' ich mir nun zur Stelle,
ein neues Lied herzu?
Ich armer, zerschlag'ner Geselle,
wie fänd' ich heut' dazu Ruh'.
Werbung und ehlich Leben,
ob das mir Gott beschied,
muss ich nun grad' aufgeben,
hab' ich kein neues Lied.
Ein Lied von euch, dess bin ich gewiss,
mit dem besieg' ich jed' Hindernis:
soll ich das heute haben,
vergessen, begraben
sei Zwist, Hader und Streit
und was uns je entzweit!

(Er blickt seitwärts in das Blatt:
plötzlich runzelt sich seine Stirne)
Und doch! Wenn's nur eine Falle wär'!
Noch gestern war't ihr mein Feind:
wie käm's, dass nach so grosser Beschwer'
ihr's freundlich heut mit mir meint?


SACHS
Ich macht' euch Schuh' in später Nacht:
hat man je so einen Feind bedacht?


BECKMESSER
Ja, ja! Recht gut! Doch eines schwört:
wo und wie ihr das Lied auch hört,
dass nie ihr euch beikommen lasst,
zu sagen, das Lied sei von euch verfasst.


SACHS
Das schwör' ich, und gelob' euch hier:
nie mich zu rühmen, das Lied sei von mir.


BECKMESSER
(sich vergnügt die Hände reibend)
Was will ich mehr? Ich bin geborgen:
jetzt braucht sich Beckmesser nicht mehr zu sorgen.


SACHS
Doch, Freund, ich führ's euch zu Gemüte,
und tat es euch in aller Güte:
studiert mir recht das Lied;
sein Vortrag ist nicht leicht:
ob euch die Weise geriet,
und ihr den Ton erreicht.


BECKMESSER
Freund Sachs, ihr seid ein guter Poet;
doch was Ton und Weise betrifft, gesteht,
da tut mir's keiner vor.
Drum spitzt nur fein das Ohr,
und: "Beckmesser,
keiner besser!"
Darauf macht euch gefasst,
wenn ihr mich ruhig singen lasst.
Doch nun memorieren,
schnell nach Haus:
ohne Zeit zu verlieren
richt' ich das aus.
Hans Sachs, mein Teurer,
ich hab' euch verkannt;
durch den Abenteurer
ward ich verrannt:

(sehr zutraulich)
(so einer fehlte uns bloss!
Den wurden wir Meister doch los!)
Doch mein Besinnen
läuft mir von hinnen!
Bin ich verwirrt
und ganz verirrt?
Die Silben, die Reime,
die Worte, die Verse!
Ich kleb' wie am Leime,
und brennt doch die Ferse.
Ade! Ich muss fort!
An andrem Ort
dank' ich euch inniglich,
weil ihr so minniglich;
für euch nur stimme ich,
kauf' eure Werke gleich,
mache zum Merker euch,
doch fein mit Kreide weich,
nicht mit dem Hammerstreich!
Merker! Merker! Merker Hans Sachs!
Dass Nürnberg schusterlich blüh' und wachs'!


(Beckmesser nimmt tanzend von Sachs Abschied,
taumelt und poltert der Ladentüre zu;
plötzlich glaubt er, das Gedicht in seiner Tasche vergessen zu haben,
läuft wieder vor, sucht ängstlich auf dem Werktische,
bis er es in der eigenen Hand gewahr wird:
darüber scherzhaft erfreut,
umarmt er Sachs nochmals, voll feurigen Dankes,
und stürzt dann, hinkend und strauchelnd,
geräuschvoll durch die Ladentür ab)

SACHS
(sieht Beckmesser gedankenvoll
lächelnd nach)
So ganz boshaft doch keinen ich fand;
er hält's auf die Länge nicht aus:
vergeudet mancher oft viel Verstand,
doch hält er auch damit Haus:
die schwache Stunde kommt für jeden,
da wird er dumm und lässt mit sich reden.
Dass hier Herr Beckmesser ward zum Dieb,
ist mir für meinen Plan gar lieb.

(Eva nähert sich auf der Strasse der Ladentür)
(Er wendet sich und gewahrt Eva)
Sieh', Evchen! Dacht' ich doch, wo sie blieb'!
SCENE THREE

Beckmesser is richly dressed but in a deplorable state.
He limps and rubs his back and knees; he tries to sit down on a stool, but jumps up again.
He hobbles around, holding on to the workbench as if to avoid toppling over.
Then pausing, he looks through the window at Pogner's house opposite;
makes gestures of wrath and jealousy; strikes his hand on his forehead.
At last he turns back to the work-bench
and his eyes fall on the paper which Sachs has left lying there.
He takes it up inquisitively, runs his eye over it in growing agitation,
and finally bursts out wranthfully

BECKMESSER
A wooing-song! By Sachs? Is it true?
Ha! Now I understand everything!

(Hearing the chamber door open
he stands and conceals the paper hurriedly in his pocket)

(Sachs, in festive attire, enters and stops short on noticing Beckmesser)

SACHS
Well I never! Mr Clerk? In the morning too?
Surely your shoes can't still be troubling you?


BECKMESSER
The devil! Never have I worn such thin shoes;
I feel the smallest stone through the soles!


SACHS
My Marking Song was responsible for that:
I made them so soft with the Marker's strokes.


BECKMESSER
No more jokes! And enough of your tricks!
Belive me, friend Sachs, now I know you!
Last night's joke
will be remembered against you all right:
so that I shouldn't stand in your way
you created an uproar and riot!


SACHS
It was Polter-evening, let me inform you:
your wedding had a haunting effect on people;
so the madder it goes,
the better the marriage will be.


BECKMESSER
(bursting out into a rage)
O cobbler, full of tricks
and vulgar pranks,
you were always my foe:
now you'll hear whether I see clearly.
The girl I had chosen,
born just for me -
disgrace of all widowers,
this is the maiden you're trying to ensnare.
So that Herr Sachs might win
the goldsmith's rich inheritance,
in the Masters' assembly
he insisted on clauses
so as to delude a girl
who should listen only to him,
and, forsaking other men,
turn only to him.
That's why! That's why!
Could I be so stupid?
With shouts and bangings
he wanted to stop my song,
so that the child should not know
how another man felt!
Yes, yes! Ha ha!
Haven't I got you?
From his cobbler's shop
he finally set the boy
on me with cudgels,
so as to get rid of me!
Ow, ow! Ow, ow!
Thrashed and beaten
so black and blue,
the laughing stock of my dearest lady,
so that no tailor could iron me out!
My very life
was endangered!
But I escaped all the same,
so as to be able to pay you back!
Just go out to the Singing today
and see how it goes;
though I'm pinched
and hacked about too,
I'll certainly upset your rhythm!


SACHS
Good friend, you're seriously deluded!
Please yourself what you think I've done,
give vent to your jealousy;
I've no thought of wooing.


BECKMESSER
Lies and deceit! I know better.

SACHS
What are you thinking of, Master Beckmesser?
My other thoughts don't concern you:
but belive me, you're wrong about the wooing.


BECKMESSER
You're not singing today?

SACHS
Not in the contest.

BECKMESSER
No wooing-song?

SACHS
Indeed not!

BECKMESSER
(he puts his hand into his pocket)
But supposing I had proof of it?

SACHS
(looking on the work-bench)
The poem?
I left it here... have you pocketed it?


BECKMESSER
(producing the paper)
Is that your hand?

SACHS
Yes... was that it?

BECKMESSER
Quite fresh still, the writing?

SACHS
And the ink still wet?

BECKMESSER
Might it perhaps be a biblical song?

SACHS
Anyone suggesting that would be wrong.

BECKMESSER
Well then?

SACHS
What do you mean?

BECKMESSER
You ask?

SACHS
What more?

BECKMESSER
In all honesty, you
are the worst of rascals!


SACHS
Maybe! But I've never yet taken
what I found on others' tables:
and so that people don't think evil of you,
keep the sheet, let it be a present for you.


BECKMESSER
(springing up in joyous surprise)
Good heavens! A poem! A poem by Sachs?
But wait... lest some new harm come to me!
You'll have memorised it pretty well already?


SACHS
On my account have no fear!

BECKMESSER
You'll let me have the sheet?

SACHS
So that you're no thief.

BECKMESSER
And if I were to use it?

SACHS
As you like.

BECKMESSER
But, shall I sing the song?

SACHS
If it's not too difficult.

BECKMESSER
And if I brought it off?

SACHS
I should be very surprised!

BECKMESSER
(affectionately)
There you are now, being too modest again:
a song by Sachs, that counts for something!
And look at the state that I'm in,
how things are with me, most wretched fellow!
I look with pain at the song
which I sang last night -
thanks to your funny jokes
it frightened Pogner's daughter!
How can I now forthwith procure
a new song for the purpose?
Poor, beaten-up fellow that I am,
how should I find peace for that today?
Wooing and married life,
even if God allotted me them,
I must straightway give up
if I have no new song.
A song of yours, of that I'm sure,
with that I'll overcome every obstacle:
if I'm to have that today,
forgotten and buried
be quarrels, dispute, and strife
and whatever else kept us apart.

(He peers sideways at the paper:
suddenly he frowns)
And yet! If it should be only a trap!
Yesterday you were still my foe:
how should it be that after such great troubles
you are friendly to me today?


SACHS
I was making you shoes far into the night:
did anyone ever treat a foe in such a way?


BECKMESSER
Yes, yes! Quite right! But swear one thing:
that wherever and however you hear the song
you'll never take it into your head
to say that the song was written by you.


SACHS
I swear and vow to you here
never to boast that the song is by me.


BECKMESSER
(rubbing his hands with elation)
What more do I want? I am saved!
Beckmesser has nothing more to worry about!


SACHS
But friend, I draw it to your attention
and advise you with all kindness:
study the song properly!
Its performance is not easy,
even if you find the right melody
and get the proper tone!


BECKMESSER
Friend Sachs, you are a good poet;
but where tone and melody are concerned,
admit, no one surpasses me!
So prick up your ears,
and: "Beckmesser,
no one better!"
You can be sure of that
if you let me sing in peace.
But now, to memorise it,
quickly home!
Without losing time
I'll see to that.
Hans Sachs, my dear friend,
I've misjudged you;
by that adventurer
I was led astray:


(that sort is no loss!
We Masters have got rid of him all right!)
But my thoughts
are running away with me:
am I confused
and quite lost?
The syllables, the rhymes,
the words, the lines:
I'm stuck as if by glue,
and yet my heels are itching!
Adieu! I must away!
In another place
I'll thank you fervently
for being so charming;
I'll vote only for you,
I'll buy your works at once,
and make you Marker -
but delicately, with soft chalk,
not with hammer-strokes!
Marker! Marker! Hans Sachs Marker!
Let Nuremberg bloom and wax in cobblerly fashion!


(Beckmesser takes leave of Sachs
and lumbers towards the door;
suddenly thinking he has lost the song,
he rushes back to search for it on the work-bench;
he finds it in his own hand,
delightedly embraces Sachs in warm thanks,
and hobbles noisily off through the shop-door)

SACHS
(watching Beckmesser leave
and smiling thoughtfully)
I've never found anyone quite so malicious,
he'll not keep it up for ever:
if many a man often throws away much of his reason,
he'll need some for keeping house.
A moment of weakness comes to everyone -
he then looks foolish and listens to reason.
That Master Beckmesser has turned thief here
is very welcome for my plan.

(Eva approaches the shop-door.)
(He turns and sees her coming)
Look, Eva! I was wondering where she was!
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Dritter Aufzug, Vierte Szene
VIERTE SZENE

(Eva, reich geschmückt, in glänzend weisser Kleidung,
etwas leidend und blass, tritt zum Laden herein
und schreitet langsam vor)

SACHS
Grüss Gott, mein Evchen! Ei, wie herrlich
und stolz du's heute meinst!
Du machst wohl Alt und Jung begehrlich,
wenn du so schön erscheinst.


EVA
Meister, 's ist nicht so gefährlich:
und ist's dem Schneider geglückt,
wer sieht dann, wo's mir beschwerlich,
wo still der Schuh mich drückt?


SACHS
Der böse Schuh! 's war deine Laun',
dass du ihn gestern nicht probiert!


EVA
Merk' wohl, ich hatt' zu viel Vertrau'n;
im Meister hatt' ich mich geirrt.


SACHS
Ei, 's tut mir leid! Zeig' her, mein Kind,
dass ich dir helfe gleich geschwind.


EVA
Sobald ich stehe, will es geh'n;
doch, will ich geh'n, zwingt mich's zu steh'n.


SACHS
Hier auf den Schemel streck' den Fuss:
der üblen Not ich wehren muss.

(Sie streckt einen Fuss auf
dem Schemel am Werktiscb aus)
Was ist mit dem?

EVA
Ihr seht, zu weit!

SACHS
Kind, das ist pure Eitelkeit;
der Schuh ist knapp.


EVA
Das sagt' ich ja:
drum drückt er mich an den Zehen da.


SACHS
Hier links?

EVA
Nein, rechts.

SACHS
Wohl mehr am Spann?

EVA
Hier mehr am Hacken.

SACHS
Kommt der auch dran?

EVA
Ach, Meister!
Wüsstet ihr besser als ich,
wo der Schuh mich drückt?


(Walther, in glänzender Rittertracht,
tritt unter die Türe der Kammer)

SACHS
Ei! 's wundert mich,
dass er zu weit und doch drückt überall!


(Eva stösst einen Schrei aus und bleibt,
unverwandt auf Walther blickend,
in ihrer Stellung mit dem Fusse auf dem Schemel)

EVA
Ah!

SACHS
Aha! Hier sitzt's: nun begreif' ich den Fall.
(Sachs, der vor ihr niedergebückt steht,
bleibt mit dem Rücken der Türe zugekehrt,
ohne Walthers Eintritt zu beachten)
Kind, du hast recht: 's stak in der Naht.
Nun warte, dem Übel schaff ich Rat:

(Walther, durch den Anblick Evas festgebannt,
bleibt ebenfalls unbeweglich unter
der Türe stehen)
bleib' nur so steh'n; ich nehm' dir den Schuh'
eine Weil' auf den Leisten, dann lässt er dir Ruh'!

(Sachs hat Eva sanft den Schuh vom Fusse gezogen;
während sie in ihrer Stellung verbleibt,
macht er sich am Werktisch mit dem Schuh zu schaffen,
und tut, als beachte er nichts anderes)
(bei der Arbeit)
Immer schustern, das ist nun mein Los;
des Nachts, des Tags, komm' nicht da von los.
Kind, hör' zu: ich hab' mir's überdacht,
was meinem Schustern ein Ende macht:
am besten, ich werbe doch nun um dich;
da gewänn' ich doch 'was als Poet für mich.
Du hörst nicht drauf? So sprich doch jetzt!
Hast mir's ja selbst in den Kopf gesetzt.
Schon gut! ich merk': "mach deine Schuh!"
Säng' mir nur wenigstens einer dazu!
Hörte heut' gar ein schönes Lied:
wem dazu wohl ein dritter Vers geriet'?


WALTHER
(den begeisterten Blick unverwandt auf Eva geheftet)
"Weilten die Sterne im lieblichen Tanz?
So licht und klar
im Lockenhaar,
vor allen Frauen
hehr zu schauen,
lag ihr mit zartem Glanz
ein Sternenkranz".


SACHS
(immer fort arbeitend)
Lausch', Kind! Das ist ein Meisterlied.

WALTHER
"Wunder ob Wunder nun bieten sich dar:
zwiefachen Tag
ich grüssen mag;
denn gleich zwei'n Sonnen
reinster Wonnen,
der hehrsten Augen Paar
nahm' ich da wahr".


SACHS
(beiseite zu Eva)
Derlei hörst du jetzt bei mir singen.

WALTHER
"Huldreichstes Bild,
dem ich zu nahen mich erkühnt!
Den Kranz, von zweier Sonnen Strah
zugleich verblichen und ergrünt,
minnig und mild
sie flocht ihn um das Haupt dem Gemahl:
dort Huldgeboren,
nun Ruhmerkoren,
giesst paradiesische Lust
sie in des Dichters Brust
im Liebestraurn."


SACHS
(hat den Schuh zurückgebracht
und ist jetzt darüberher,
ihn Eva wieder an den Fuss zu ziehen)
Nun schau', ob dazu mein Schuh geriet?
Mein' endlich doch,
es tät mir gelingen?
Versuch's, tritt auf! Sag', drückt er dich noch?


(Eva, die wie bezaubert bewegungslos gestanden, gesehen und gehört hat,
bricht jetzt in heftiges Weinen aus, sinkt Sachs an die Brust
und drückt ihn schluchzend an sich.
Walther ist zu ihnen getreten; er drückt Sachs begeistert die Hand,
Sachs tut sich endlich Gewalt an, reisst sich wie unmutig los,
und lässt dadurch Eva unwillkürlich an Walthers Schulter sich anlehnen)

SACHS
Hat man mit dem Schuhwerk nicht seine Not!
Wär' ich nicht noch Poet dazu,
ich machte länger keine Schuh'!
Das ist eine Müh', ein Aufgebot!
Zu weit dem einen, dem andern zu eng;
von allen Seiten Lauf' und Gedräng':
da klappt's,
da schlappt's,
hier drückt's,
da zwickt's.
Der Schuster soll auch alles wissen,
flicken, was nur immer zerrissen;
und ist er gar Poet dazu,
da lässt man am End' ihm auch da keine Ruh';
doch ist er erst noch Witwer gar,
zum Narren hält man ihn fürwahr:
die jüngsten Mädchen, ist Not an Mann,
begehren, er hielte um sie an;
versteht er sie, versteht er sie nicht,
all eins, ob ja, ob nein er spricht,
am End' riecht er doch nach Pech,
und gilt für dumm, tückisch und frech.
Ei! 's ist mir nur um den Lehrbuben leid;
der verliert mir allen Respekt:
die Lene macht ihn nun nicht recht gescheit,
dass aus Töpf' und Tellern er leckt.
Wo Teufel er jetzt nur wieder steckt!

(Er stellt sich, als wollte
er nach David sehen)

EVA
(indem sie Sachs zurückhält
und von neuem an sich zieht)
O Sachs! Mein Freund! Du teurer Mann!
Wie ich dir Edlem lohnen kann!
Was ohne deine Liebe,
was wär' ich ohne dich,
ob je auch Kind ich bliebe,
erwecktest du nicht mich?
Durch dich gewann ich,
was man preist,
durch dich ersann ich,
was ein Geist;
durch dich erwacht',
durch dich nur dacht'
ich edel, frei und kühn;
du liessest mich erblühn!
Ja, lieber Meister, schilt mich nur:
ich war doch auf der rechten Spur.
Denn, hatte ich die Wahl,
nur dich erwählt' ich mir;
du warest mein Gemahl,
den Preis reicht' ich nur dir.
Doch nun hat's mich gewählt
zu nie gekannter Qual;
und werd' ich heut' vermählt,
so war's ohn' alle Wahl:
das war ein Müssen, war ein Zwang!
Euch selbst, mein Meister, wurde bang'.


SACHS
Mein Kind,
von Tristan und Isolde
kenn' ich ein traurig Stück:
Hans Sachs war klug und wollte
nichts von Herrn Markes Glück.
's war Zeit, dass ich den Rechten fand,
wär' sonst am End' doch hineingerannt!
Aha! Da streicht die Lene schon ums Haus.
Nur herein! He! David! Kommst nicht heraus?

(Magdalene, in festlichem Staate,
tritt durch die Ladentüre herein.
David, ebenfalls im Festkleid,
mit Blumen und Bändern sehr reich
und zierlich ausgeputzt, kommt
zugleich aus der Kammer heraus.)
Die Zeugen sind da, Gevatter zur Hand:
jetzt schnell zur Taufe! Nehmt euren Stand!

(Alle blicken ihn verwundert an)
Ein Kind ward hier geboren:
Jetzt sei ihm ein Nam' erkoren!
So ist's nach Meisterweis' und Art,
wenn eine Meisterweise geschaffen ward,
dass die einen guten Namen trag',
dran jeder sie erkennen mag.
Vernehmt, respektable Gesellschaft,
was euch heut zur Stell' schafft!
Eine Meisterweise ist gelungen,
von Junker Walther gedichtet und gesungen:
der jungen Weise lebender Vater
lud mich und die Pognerin zu Gevatter.
Weil wir die Weise wohl vernommen,
sind wir zur Taufe hierher gekommen;
auch dass wir zur Handlung Zeugen haben,
ruf' ich Jungfer Lene und meinen Knaben.
Doch da 's zum Zeugen kein Lehrbube tut,
und heut' auch den Spruch er gesungen gut,
so mach' ich den Burschen gleich zum Gesell'.
Knie nieder, David, und nimm diese Schell!

(David ist niedergekniet;
Sachs gibt ihm eine starke Ohrfeige)
Steh' auf, Gesell', und denk' an den Streich:
du merkst dir dabei die Taufe zugleich.
Fehlt sonst noch was', uns keiner schilt;
wer weiss, ob's nicht gar einer Nottaufe gilt.
Dass die Weise Kraft behalte zum Leben,
will ich nur gleich den Namen ihr geben:
Die "selige Morgentraumdeut-Weise"
sei sie genannt zu des Meisters Preise.
Nun wachse sie gross, ohn' Schad' und Bruch.
Die jüngste Gevatterin spricht den Spruch.

(Er tritt aus der Mitte des Halbkreises,
der von den Übrigen um ihn gebildet
worden war, auf die Seite, so dass nun
Eva in die Mitte zu stehen kommt)

EVA
Selig, wie die Sonne
meines Glückes lacht,
Morgen voller Wonne,
selig mir erwacht!
Traum der höchsten Hulden,
himmlich Morgenglüh'n:
Deutung euch zu schulden,
selig süss Bemüh'n!

Einer Weise mild und hehr,
sollt' es hold gelingen,
meines Herzens süss Beschwer
deutend zu bezwingen.
Ob es nur ein Morgentraum?
Selig deut' ich mir es kaum.
Doch die Weise,
was sie leise
mir vertraut,
hell und laut,
in der Meister vollem Kreis',
deute sie auf den höchsten Preis.


MAGDALENE
Wach' oder träum' ich schon so früh'?
Das zu erklären macht mir Müh':
's ist wohl nur ein Morgentraum?
Was ich seh', begreif' ich kaum!
Er zur Stelle
gleich Geselle?
Ich die Braut?
Im Kirchenraum wir
gar getraut?
Ja! Wahrhaftig, 's geht! Wer weiss,
dass ich Meist'rin bald heiss'!

WALTHER
Deine Liebe liess mir es gelingen,
meines Herzens süss Beschwer'
deutend zu bezwingen.
Ob es noch der Morgentraum?
Selig deut' ich mir es kaum!
Doch die Weise,
was sie leise
dir vertraut
im stillen Raum,
hell und laut,
in der Meister vollem Kreis',
werbe sie um den höchsten Preis.


DAVID
Wach' oder träum' ich schon so früh?
Das zu erklären macht mir Müh':
's ist wohl nur ein Morgentraum!
Was ich seh', begreif' ich kaum.
Ward zur Stelle
gleich Geselle?
Lene Braut?
Im Kirchenraum wir
gar getraut?
's geht der Kopf mir wie im Kreis,
dass ich Meister bald heiss'!

SACHS
Vor dem Kinde, lieblich hold,
mocht' ich gern wohl singen;
doch des Herzens süss' Beschwer'
galt es zu bezwingen.
's war ein schöner Abendtraum;
d'ran zu denken wag' ich kaum.
Diese Weise,
was sie leise
mir anvertraut,
im stillen Raum,
sagt mir laut:
auch der Jugend ew'ges Reis
grünt nur durch des Dichters Preis.
(zu den Übrigen sich wendend)
jetzt all' am Fleck'!

(zu Eva)
Den Vater grüss'!
Auf, nach der Wies', schnell auf die Füss'!

(Eva und Magdalene gehen)
(zu Walther)
Nun, Junker, kommt! Habt frohen Mut!
David, Gesell'! Schliess' den Laden gut!


(Als Sachs und Walther ebenfalls auf die Strasse gehen
und David über das Schliessen der Ladentür sich hermacht,
wird im Proszenium ein Vorhang von beiden Seiten zusammengezogen,
so dass er die Szene gänzlich verschliesst)
SCENE FOUR

(Eva, richly dressed in dazzling white, though pale and distraught, enters the shop)

SACHS
God be with you, my Eva! Ah, how noble
and proud you are today!
You'll fill old and young with desire
by looking so beautiful.


EVA
Master! It's not so dangerous:
and if the tailor has brought it off,
who'll then see where I'm anxious,
where my shoe silently pinches me?


SACHS
The wicked shoe! It was your whim
that you didn't try it on yesterday.


EVA
Note that I had too much trust:
I was mistaken in the Master.


SACHS
Ah, I'm sorry! Show me, my child,
so that I may help you this minute.


EVA
If I stand, it wants to walk:
but if I want to walk, it makes me stand.


SACHS
Put your foot on this stool here:
I must put a stop to this dreadful trouble.

(She puts her foot up on a stool
by the work-bench)
What's wrong with it?

EVA
You see, it's too wide!

SACHS
Child, that is pure vanity:
the shoe fits snugly.


EVA
Just what I said:
that's why it's pinching my toes there.


SACHS
Here on the left?

EVA
No, on the right.

SACHS
More on the instep?

EVA
Here, more at the heel.

SACHS
Trouble there too?

EVA
Ah Master! Should you know better than I
where the shoe pinches me?


(Walther, in glittering knightly apparel,
has appeared at the chamber door)

SACHS
Indeed I'm surprised
that it's too wide and yet pinches everywhere!


(Eva remains in her position with one foot on the stool,
gazing fixedly at Walther)

EVA
Ah!

SACHS
Aha! here it is! Now I see what's wrong!
(Sachs is bent over her foot
with his back toward the door)
Child, you're right: the stitching was at fault:
now wait, I'll cure the trouble.

(Walther, spellbound at the sight of Eva,
remains at the door without moving)
Stay where you are; I'll put your shoe
on the last for a while: then it'll give you peace.

(He has gently drawn off her shoe:
while she remainsin the same position,
he goes to the work-bench and pretends
to busy himself with the shoe
and to be oblivious off all else)
(As he works:)
Always cobbling!! that is now my lot;
night and day I can't get away from it!
Child, listen! I have thought over
what will put an end to my cobbling:
it will be best if I woo you after all;
then I might still win something for myself as poet!
You aren't listening? Say something.
It was your idea, wasn't it?
Very well - I note it! - "Make your shoes!"
If only someone would sing an accompaniment!
I've heard a very beautiful song today:
would that a third verse might complete it!


WALTHER
(his gaze still fixed on Eva)
"Did the stars linger in their lovely dance?
So light and clear
in her tresses -
above all women
glorious to behold -
lay with delicate gleam
a garland of stars".


SACHS
(still at work)
Listen, child! That's a Master-song.

WALTHER
"Wonder on wonder now appears:
twofold day
I gladly greet;
for like two suns
of purest bliss,
the most glorious pair of eyes
I there perceived".


SACHS
(aside to Eva)
That's the sort of song you hear in my house now.

WALTHER
"Most gracious picture,
which I made bold to approach:
the garland by two suns' beams
at once faded and made fresh green,
livingly and mildly
she twined it around her husband's head.
Born there in grace,
now set for fame,
she pours paradisiacal joy
into the poet's breast
in a dream of love".


SACHS
(Busily at work, he brings back the shoe
and fits it on Eva's foot again)
Now let's see if that's helped my shoe.
I really do think that at last
I've succeeded.
Try it! stand on it - Say, does it still pinch you?


(Eva, who has stood still as if enchanted, gazing and listening,
bursts into a sudden fit of weeping and sinks on Sachs's breast,
sobbing and clinging to him.
Walther advances towards them and wrings Sachs's hand.
Sachs at last composes himself, tears himself away as if in vexation,
so that Eva now rests on Walther's shoulder)

SACHS
Cobbling certainly produces its problems!
If I weren't a poet too
I would no longer make shoes!
It is labour, drudgery!
Too broad for this person, too tight for that,
people rushing and crowding in form all sides:
it clops,
it's loose,
it's tight here,
it pinches there!
And the cobbler is expected to know everything,
patch up anything torn;
and if he's also a poet
they won't leave that side of him in peace either;
and if he's a widower too,
they certainly make sport with him.
The youngest girls, when there's a shortage of men,
want him to ask for their hand;
whether he understands them or not,
no matter whether yes or no is his answer;
in the end he smells of pitch
and is thought stupid, malicious, impudent!
Ah! I'm only sorry for my apprentice:
he'll lose everyone's respect:
Lena is already affecting his reason,
so that he eats out of her hand.
Where the devil is he hiding now!


EVA
(stopping him as as he is going off
and drawing him to her again)
O Sachs! My friend! Dear man!
How can I reward you, noble man?
What would I be without your love,
without you?
Wouldn't I have remained always a child
if you had not awoken me?
Through you I have won
what people prize,
through you I learnt
the workings of the spirit;
by you awoken,
only through you did I think
nobly, freely, and boldly;
you made me bloom!
Yes, dear Master, scold me if you will;
but I was on the right path,
for, if I had the choice,
I would choose none but you;
you would have been my husband,
I would have given the prize to none but you.
But now I am chosen
for unknown torment,
and if I am married today,
then I had no choice:
that was necessity, compulsion!
You yourself, my Master, were dismayed.


SACHS
My child,
of Tristan and Isolde
I know a sad tale:
Hans Sachs was clever and did not want
anything of King Mark's lot. -
It was high time that I found the right man;
otherwise I would have run right into it.
Aha, there's Lena hurrying round the corner;
come in! Hey, David! Aren't you coming out?

(Magdalena in festive attire enters from the street
and David at the same time comes out of the chamber,
also gaily dressed
and very splendid with ribbons and flowers)
Withnesses are here, godparents to hand:
now quickly to the christening! Take your places!

(All look at him with surprise)
A child has been born here;
now let a name be chosen for him!
This the Master's style and pratice
when a Master-melody has been created,
so that it may bear a goodly name
by which all may recognise it.
Hear, respected company,
what summons you today to this place:
A Master-melody has come into being,
written and sung by Sir Walther;
the young melody's living father
invited me and Eva to be godparents.
Because we have heard the melody
we have come hither to its christening;
and for witnesses to the cerimony
I summon Mistress Lena and my lad.
But as an apprentice cannot act as withness
and today he also sang his piece well,
I forthwith make the boy a journeyman.
Kneel down, David, and take this cuff!

(David kneels and Sachs gives him
a smart box on the ear)
Arise, jouneyman, and think of that blow;
you shall then remember the christening too.
If anything else lacks, let no one reproach us;
who knows, it may be an emergency baptism.
So that the melody may have strenght to live,
I will give it its name at once:
"Blissful Morning-Dream-Interpretation-Melody"
let it be named to its Master's praise.
Now may it grow big, without harm or hurt.
The youngest godparent speaks the speech.


EVA
As blissfully as the sun
of my happiness laughs,
a morning full of joy
blessedly awakens for me;
dream of highest favours,
heavenly morning glow:
interpretation to owe you,
blessedly sweet task!

A melody, tender and noble,
ought to succeed propitiously
in interpreting and subduing
my heart's sweet burden.
Is it only a morning dream?
In my bliss, I can scarcely interpret it myself.
But the melody,
what it softly confides
to me,
clear and loud
in the full circle of the Masters
may its revelation point to the highest prize.


MAGDALENA
Do I wake or dream so early?
To explain it gives me trouble:
is it only a morning dream?
What I see I scarcely grasp!
Him here
a journeyman all of a sudden?
I the bride?
In the church
we shall even be married?
Yes, in truth, it is so! Who knows,
but that I may soon be a Master's wife!

WALTHER
Your love made me succeed
in interpreting and subduing
my heart's sweet burden.
Is it still the morning-dream?
In my bliss, I can scarcely interpret it myself.
But the melody,
what it softly
confides to you
in the silent room,
bright and loud
in the full circle of the Masters
may it compete for the highest prize!


DAVID
Do I wake or dream so early?
To explain it gives me trouble:
is it only a morning-dream?
What I see I scarcely grasp!
I became here
a journeyman all of a sudden?
Lena betrothed?
In the church
we shall even be married?
My mind is in a whirl
that I shall soon be a Master!

SACHS
Before the child, so charming and fair,
I would fain sing out:
but the heart's sweet burden
had to be subdued.
It was a beautiful morning-dream;
I scarcely dare think of it.
This melody,
what it softly
confides to me
in the silent room,
says to me aloud:
even youth's eternal twig
grows green only through the poet's praise.


(to the others)
Now all to your places!
(to Eva)
My greetings to your father.
Away, off to the meadow, best feet forward!

(Eva and Magdalena leave)
(To Walther)
Now, Sir knight! Come! Be of good cheer!
David, journeyman! Shut the shop carefully!


(Sachs and Walther also go into the street;
David is left shutting up the shop)
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6
Dritter Aufzug, Fünfte Szene
FÜNFTE SZENE

Die Vorhänge sind nach der Höhe aufgezogen worden, die Bühne ist verwandelt.
Diese stellt einen freien Wiesenplan dar, im fernen Hintergrunde die Stadt Nürnberg.
Die Pegnitz schlängelt sich durch den Plan;
der schmale Fluss ist an den nächsten Punkten praktikabel gehalten.
Bunt beflaggte Kähne setzen unablässig die ankommenden festlich gekleideten Bürger der Zünfte, mit Frauen und Kindern,
an das Ufer der Festwiese über.
Eine erhöhte Bühne, mit Bänken und Sitzen darauf,
ist rechts zur Seite aufgeschlagen;
bereits ist sie mit den Fahnen der angekommenen Zünfte ausgeschmückt;
im Verlaufe stecken die Fahnenträger der noch ankommenden Zünfte ihre Fahnen ebenfalls um die Sängerbühne auf,
so dass diese schliesslich nach drei Seiten hin ganz davon eingefasst ist.
Zelte mit Getränken und Erfrischungen aller Art begrenzen im übrigen die Seiten des vorderen Hauptraumes.
Vor den Zelten geht es bereits lustig her;
Bürger, mit Frauen, Kindern und Gesellen, sitzen und lagern daselbst.
Die Lebrbuben der Meistersinger, festlich gekleidet,
mit Blumen und Bändern reich und anmutig geschmückt, üben mit schlanken Stäben,
die ebenfalls mit Blumen und Bändern geziert sind, in lustiger Weise das Amt von Herolden und Marschällen aus.
Sie empfangen die am Ufer Aussteigenden,
ordnen die Züge der Zünfte und geleiten diese nach der Singerbübne,
von wo aus, nachdem der Bannerträger die Fahne aufgepflanzt,
die Zunftbürger und Gesellen nach Belieben sich unter den Zelten zerstreuen.
Soeben, nach der Verwandlung, werden in der angegebenen Weise die Schuster am Ufer empfangen
und nach dem Vordergrund geleitet)

DIE SCHUSTER
(mit fliegender Fahne aufziehend)
Sankt Krispin,
lobet ihn!
War gar ein heilig Mann,
zeigt', was ein Schuster kann.
Die Armen hatten gute Zeit,
macht' ihnen warme Schuh';
und wenn ihm keiner 's Leder leiht,
so stahl er sich's dazu.
Der Schuster hat ein weit Gewissen,
macht Schuhe selbst mit Hindernissen;
und ist vom Gerber das Fell erst weg,
dann streck'! streck'! streck'!
Leder taugt nur am rechten Fleck.

(Die Stadtwächter ziehen mit Trompeten und Trommeln den Stadtpfeifern, Lautenmachern usw. voraus)

DIE SCHNEIDER
(mit fliegender Fahne aufziehend)
Als Nürenberg belagert war,
und Hungersnot sich fand,
wär' Stadt und Volk verdorben gar,
war nicht ein Schneider zur Hand,
der viel Mut hatt' und Verstand.
Hat sich in ein Bocksfell eingenäht,
auf dem Stadtwall da spazieren geht,
und macht wohl seine Sprünge
gar lustig guter Dinge.
Der Feind, der sieht's und zieht vom Fleck:
der Teufel hol' die Stadt sich weg,
hat's drin noch so lustige Meck-meck-meck!
Meck! Meck! Meck!
Wer glaubt's, dass ein Schneider im Bocke steck'!

DIE BÄCKER
(ziehen dicht hinter den Schneidern auf,
so dass ihr Lied in das der Schneider hineinklingt)
Hungersnot! Hungersnot!
Das ist ein greulich Leiden!
Gäb' euch der Bäcker nicht täglich Brot,
müsst' alle Welt verscheiden.
Beck! Beck! Beck!
Täglich auf dem Fleck!
Nimm uns den Hunger weg!

(Ein bunter Kahn mit jungen Mädchen in reicher bäuerischer Tracht kommt an. Die Lehrbuben laufen nach dem Gestade)

LEHRBUBEN
Herr Je! Herr Je! Mädel von Fürth!
Stadtpfeifer, spielt, dass 's lustig wird!
(Die Lehrbuben heben währenddessen die Mädchen aus dem Kahn)
(Das Charakteristische des folgenden Tanzes, mit welchem die Lehrbuben die Mädchen zunächst nach dem Vordergrund kommen, besteht darin, dass die Lehrbuben die Mädchen scheinbar nur an den Platz bringen wollen; sowie die Gesellen zugreifen wollen, ziehen die Buben die Mädchen aber immer wieder zurück, als ob sie sie anderswo unterbringen wollten, wobei sie meistens den ganzen Kreis, wie wählend, ausmessen, und somit die scheinbare Absicht auszuführen anmutig und lustig verzögern)

(David kommt vom Landungsplatze vor und sieht missbillingend dem Tanze zu)

DAVID
Ihr tanzt? Was werden die Meister sagen?
(Die Lehrbuben drehen ihm Nasen)
Hört nicht? Lass' ich mir's auch behagen!

(David nimmt sich ein junges schönes Mädchen und gerät im Tanze mit ihr schnell in grosses Feuer. Die Zuschauer freuen sich und lachen)

LEHRBUBEN
(Die Lehrbuben winken David)
David! Die Lene sieht zu!

(David, erschrocken, lässt das Mädchen schnell fahren, um welches die Lehrbuben sogleich tanzend einen Kreis schliessen; da er Lene nirgends gewahrt, merkt David, dass er nur geneckt worden, durchbricht den Kreis, erfasst sein Mädchen wieder und tanzt nun noch feuriger weiter)

DAVID
Ach! lasst mich mit euren Possen in Ruh'!

(Die Buben suchen ihm das Mädchen zu entreissen; er wendet sich mit ihr jedesmal glücklich ab, so dass nun ein ähnliches Spiel entsteht wie zuvor, als die Gesellen nach den Mädchen fassten)

GESELLEN
(am Ufer)
Die Meistersinger!

LEHRBUBEN
Die Meistersinger!

(Die Lehrbuben unterbrechen schnell den Tanz und eilen dem Ufer zu)

DAVID
Herr Gott! Ade, ihr hübschen Dinger!
(Er gibt dem Mädchen einen feurigen
Kuss und reisst sich los)

(Die Lehrbuben reihen sich zum Empfang der Meistersinger; das Volk macht ihnen willig Platz.
Die Meistersinger ordnen sich am Landungsplatze zum festlichen Aufzuge.
Kothner kommt mit der Fahne im Vordergrunde an.
Die geschwungene Fahne, auf welcher König David mit der Harfe abgebildet ist,
wird von allem Volk mit Hutschwenken begrüsst.
Der Zug der Meistersinger ist auf der Singerbühne, wo Kothner die Fahne aufpflanzt, angelangt; Pogner, Eva an der Hand führend, diese von festlich geschmückten und reichgekleideten Mädchen, unter denen auch Magdalene, begleitet, voran.
Als Eva, von den Mädchen umgeben, den mit Blumen geschmückten Ehrenplatz eingenommen, und alle übrigen, die Meister auf den Bänken, die Gesellen hinter ihnen stehend, ebenfalls Platz genommen, treten die Lehrbuben dem Volke zugewendet, feierlich vor die Bühne in Reih' und Glied)

LEHRBUBEN
Silentium! Silentium!
Macht kein Reden und kein Gesumm'!

(Sachs erhebt sich und tritt vor.
Bei seinem Anblick stösst sich alles an;
Hüte und Mützen werden abgezogen: alle deuten auf ihn.)

VOLK
Ha! Sachs! 's ist Sachs!
Seht, Meister Sachs!
Stimmt an! Stimmt an! Stimmt an!
(Alle Sitzenden erheben sich; die Männer bleiben mit entblösstem Haupte.
Beckmesser bleibt, mit dem Memorieren des Gedichtes beschäftigt,
hinter den andern Meistern versteckt,
so dass er bei dieser Gelegenheit der Beachtung des Publikums entzogen wird)
(Ausser Sachs singen alle Anwesenden die folgende Strophe mit)

ALLE
"Wacht auf, es nahet gen den Tag;
ich hör' singen im grünen Hag
ein wonnigliche Nachtigall,
ihr' Stimm' durchdringet Berg und Tal:
die Nacht neigt sich zum Occident,
der Tag geht auf von Orient,
die rotbrünstige Morgenröt'
her durch die trüben Wolken geht."

(Von hier an singt der Chor des Volkes wieder allein,
die Meister auf der Bühne,
sowie die anderen vorigen Teilnehmer am Gesange der Strophe,
geben sich dem Schauspiele des Volksjubels hin)

(Das Volk nimmt wieder eine jubelnd bewegte Haltung an)

VOLK
Heil! Sachs! Heil dir, Hans Sachs!
Heil Nürnbergs teurem Sachs!

SACHS
(Sachs, der unbeweglich, wie geistesabwesend,
über die Volksmenge hinweggeblickt hatte,
richtet endlich seine Blicke vertrauter
auf sie und beginnt mit ergriffener,
schnell aber sich festigender Stimme)
Euch macht ihr's leicht, mir macht ihr's schwer,
gebt ihr mir Armen zu viel Ehr'.
Soll vor der Ehr' ich bestehn,
sei's, mich von euch geliebt zu sehn.
Schon grosse Ehr' ward mir erkannt,
ward heut' ich zum Spruchsprecher ernannt.
Und was mein Spruch euch künden soll,
glaubt, das ist hoher Ehren voll.
Wenn ihr die Kunst so hoch schon ehrt,
da galt es zu beweisen,
dass, wer ihr selbst gar angehört,
sie schätzt ob allen Preisen.
Ein Meister, reich und hochgemut,
der will heut' euch das zeigen:
sein Töchterlein, sein höchstes Gut,
mit allem Hab' und Eigen,
dem Singer, der im Kunstgesang
vor allem Volk den Preis errang,
als höchsten Preises Kron'
er bietet das zum Lohn.
Darum, so hört und stimmt mir bei:
die Werbung steh' dem Dichter frei.
Ihr Meister, die ihr's euch getraut,
euch ruf' ich's vor dem Volke laut:
erwägt der Werbung selt'nen Preis
und wem sie soll gelingen,
dass der sich rein und edel weiss
im Werben wie im Singen,
will er das Reis erringen,
das nie, bei Neuen noch bei Alten,
ward je so herrlich hochgehalten,
als von der lieblich Reinen,
die niemals soll beweinen,
dass Nürenberg mit höchstem Wert
die Kunst und ihre Meister ehrt!


(Grosse Bewegung unter Allen. Sachs geht auf Pogner zu)

POGNER
(Sachs gerührt die Hand drückend)
O Sachs, mein Freund! Wie dankenswert!
Wie wisst ihr, was mein Herz beschwert!

SACHS
(zu Pogner)
's war viel gewagt; jetzt habt nur Mut!
Herr Merker! Sagt, wie geht's? Gut?


(Beckmesser, zu dem sich jetzt Sachs wendet,
hat schon während des Einzuges, und dann fortwährend,
eifrig das Blatt mit dem Gedicht herausgezogen, memoriert,
genau zu lesen versucht und oft verzweiflungsvoll sich den Schweiss getrocknet)

BECKMESSER
O! Dieses Lied! Werd' nicht d'raus klug
und hab' doch d'ran studiert genug.


SACHS
Mein Freund, 's ist euch nicht aufgezwungen.

BECKMESSER
Was hilft's? Mit dem meinen ist doch versungen:
's war Eure Schuld! Jetzt seid hübsch für mich:
's wär' schändlich, liesst ihr mich im Stich!


SACHS
Ich dächt', ihr gäbt's auf.

BECKMESSER
Warum nicht gar?
Die andren sing' ich alle zu paar;
wenn ihr nur nicht singt.


SACHS
So seht, wie's geht!

BECKMESSER
Das Lied, bin's sicher, zwar keiner versteht;
doch bau' ich auf eure Popularität.


SACHS
Nun denn, wenn's Meistern und Volk beliebt,
zum Wettgesang man den Anfang gibt.


KOTHNER
(hervotretend)
Ihr ledig' Meister! Macht euch bereit!
Der Ältest' sich zuerst anlässt!
Herr Beckmesser, ihr fangt an: 's ist Zeit!

(Die Lehrbuben führen Beckmesser zu einem kleinen Rasenhügel vor der Singerbühne,
welchen sie zuvor festgerammelt und reich mit Blumen überdeckt haben;
Beckmesser strauchelt darauf, tritt unsicher und schwankt)

BECKMESSER
Zum Teufel! Wie wackelig! Macht das hübsch fest!

(Die Buben lachen unter sich und stopfen lustig an dem Rasen.
Das Volk stösst sich gegenseiting lustig an)

VOLK
Wie? Der? Der wirbt? Scheint mir nicht der Rechte'
An der Tochter Stell' ich den nicht möchte!
Seid still! 's ist gar ein tücht'ger Meister!
Still! Macht keinen Witz!
Der hat im Rate Stimm' und Sitz.
Ach, der kann ja nicht 'mal stehn!
Ei! Wie soll es mit dem gehn?
Stadtschreiber ist er, Beckmesser heisst er!
Gott, ist der dumm!
Er fällt fast um!

LEHRBUBEN
(in Aufstellung)
Silentium! Silentium!
Macht kein Regen und kein Gesumm'!

KOTHNER
Fanget an!

(Beckmesser, der sich endlich mit Mühe auf dem Rasenhügel festgestellt bat,
macht eine erste Verbeugung gegen die Meister, eine zweite gegen das Volk, dann gegen Eva, auf welche er, da sich abwendet, nochmals verlegen hinblinzelt:
grosse Beklommenheit erfasst ihn;
er sucht sich durch ein Vorspiel auf der Laute zu ermutigen)

BECKMESSER
"Morgen ich leuchte in rosigem Schein,
von Blut und Duft
geht schnell die Luft;
wohl bald gewonnen,
wie zerronnen;
im Garten lud ich ein
garstig und fein."


(Beckmesser richtet sich wieder ein, besser auf den Füssen zu stehen)
DIE MEISTER
(leise unter sich)
Mein! Was ist das? Ist er von Sinnen?
Woher mocht' er solche Gedanken gewinnen?

VOLK
Hört ihr es? Wen lud er ein?
Verstand man recht? Wie kann das sein?

(Beckmesser zieht das Blatt verstohlen hervor und lugt eifrig hinein;
dann steckt er es ängstlich wieder ein)

BECKMESSER
"Wohn' ich erträglich im selbigen Raum,
hol' Gold und Frucht,

(Er lugt in das Blatt)
Bleisaft und Wucht...
Mich holt am Pranger
der Verlanger,
auf luft'ger Steige kaum,
häng' ich am Baum!"

(Er wackelt wieder sehr: sucht im Blatt zu lesen, vermag es nicht;
ihm schwindelt, Angstschweiss bricht aus)

MEISTERSINGER
Was soll das heissen? Ist er nur toll?
Sein Lied ist ganz von Unsinn voll!

VOLK
Schöner Werber! Der find't wohl seinen Lohn.
Bald hängt er am Galgen. Man sieht ihn schon!

BECKMESSER
(rafft sich verzweiflungsvoll
und ingrimmig auf)
"Heimlich mir graut,
weil es hier munter will hergehn:
an meiner Leiter
stand ein Weib;
sie schämt' und wollt'
mich nicht besehn;
bleich wie ein Kraut
umfasert mir Hanf meinen Leib;
mit Augen zwinkend,
der Hund blies winkend,
was ich vor langem verzehrt,
wie Frucht so Holz und Pferd
vom Leberbaum."


(Alles bricht in ein dröhnendes Gelächter aus.
Beckmesser verlässt wütend den Hügel und stürzt auf Sachs zu)

BECKMESSER
Verdammter Schuster, das dank' ich dir!
Das Lied, es ist gar nicht von mir:
vom Sachs, der hier so hoch verehrt,
von eurem Sachs ward mir's beschert.
Mich hat der Schändliche bedrängt,
sein schlechtes Lied mir aufgehängt.

(Er stürzt wütend fort
und verliert sich unter dem Volke)

VOLK
Mein! Was soll das sein? Jetzt wird's immer bunter!
Von Sachs das Lied? Das nähm' uns doch wunder!

KOTHNER
(zu Sachs)
Erklärt doch, Sachs!

NACHTIGALL
(zu Sachs)
Welch' ein Skandal!

VOGELGESANG
(zu Sachs)
Von euch das Lied?

ORTEL UND FOLTZ
Welch' eigner Fall!

SACHS
(hat ruhig das Blatt, welches ihm
Beckmesser hingeworfen, aufgenommen)
Das Lied, fürwahr, ist nicht von mir:
Herr Beckmesser irrt, wie dort so hier.
Wie er dazu kam, mag selbst er sagen;
doch möcht' ich nie mich zu rühmen wagen,
ein Lied, so schön, wie dies erdacht,
sei von mir, Hans Sachs, gemacht.


DIE MEISTERSINGER
Wie? Schön das Lied? Der Unsinns-Wust?

VOLK
Hört! Sachs macht Spass! Er sagt es nur zur Lust.

SACHS
Ich sag' euch Herrn, das Lied ist schön;
nur ist's auf den ersten Blick zu ersehn,
dass Freund Beckmesser es entstellt!
Doch schwör' ich, dass es euch gefällt,
wenn richtig Wort' und Weise
hier einer säng' im Kreise;
und wer dies verstünd', zugleich bewies',
dass er des Liedes Dichter
und gar mit Rechte Meister hiess',
fänd' er gerechte Richter.
Ich bin verklagt und muss bestehn:
drum lasst mich meinen Zeugen ausersehn.
Ist jemand hier, der Recht mir weiss?
Der tret als Zeug' in diesen Kreis!

(Walther tritt aus dem Volke hervor
und begrüsst Sachs, sodann nach
den beiden Seiten hin die Meister
und das Volk mit ritterlicher
Freundlichkeit. Es entsteht sogleich
eine angenehme Bewegung. Alles weilt
einen Augenblick schweigend in seiner Betrachtung)
So zeuget, das Lied sei nicht von mir;
und zeuget auch, dass, was ich hier
vom Lied hab' gesagt,
zuviel nicht sei gewagt.


DIE MEISTERSINGER
Ei Sachs, ihr seid gar fein!
Doch mag es heut' geschehen sein.

SACHS
Der Regel Güte daraus man erwägt,
dass sie auch 'mal 'ne Ausnahm' verträgt.


VOLK
Ein guter Zeuge, stolz und kühn;
mich dünkt, dem kann was Gut's erblüh'n.

SACHS
Meister und Volk sind gewillt
zu vernehmen, was mein Zeuge gilt.
Herr Walther von Stolzing, singt das Lied!
ihr Meister, lest, ob's ihm geriet.

(Er übergibt Kothner das Blatt zum Nachlesen)

LEHRBUBEN
(in Aufstellung)
Alles gespannt! 's gibt kein Gesumm':
da rufen wir auch nicht "Silentium!"

(Walther beschreitet festen Schrittes den kleinen Blumenhügel)

WALTHER
"Morgenlich leuchtend im rosigen Schein,
von Blüt' und Duft
geschwellt die Luft,
voll aller Wonnen,
nie ersonnen,
ein Garten lud mich ein,
(An dieser Stelle lässt Kothner das Blatt,
in welchem er mit andren Meistern eifrig
nachzulesen begonnen vor Ergriffenheit
unwillkürlich fallen; er und die übrigen
hören nur noch teilnahmsvoll zu.
Walther scheint es - unmerklich - gewahrt
zu haben und fährt nun in freier Fassung fort)
dort unter einem Wunderbaum,
von Früchten reich behangen,
zu schau'n in sel'gem Liebestraum,
was höchstem Lustverlangen.
Erfüllung kühn verhiess,
das schönste Weib:
Eva im Paradies!"


MEISTERSINGER
(Meister und Volk leise flüsternd)
Ja wohl, ich merk', 's ist ein ander Ding,
ob falsch man oder richtig sing'.

VOLK
Das ist was andres, wer hätt's gedacht;
was doch recht Wort und Vortrag macht!

SACHS
Zeuge am Ort,
fahret fort!


WALTHER
"Abendlich dämmernd umschloss mich die Nacht;
auf steilem Pfad
war ich genaht
zu einer Quelle
reiner Welle,
die lockend mir gelacht:
dort unter einem Lorbeerbaum,
von Sternen hell durchschienen,
ich schaut' im wachen Dichtertraum,
von heilig holden Mienen,
mich netzend mit dem edlen Nass,
das hehrste Weib,
die Muse des Parnass!"


MEISTERSINGER
's ist kühn und seltsam, das ist wahr;
doch wohlgereimt und singebar.

VOLK
So hold und traut so fern es schwebt;
doch ist's, als ob man's miterlebt!

SACHS
Zeuge, wohl erkiest;
Fahret fort, und schliesst!


WALTHER
"Huldreichster Tag,
dem ich aus Dichters Traum erwacht!
Das ich erträumt, das Paradies,
in himmlisch neu verklärter Pracht
hell vor mir lag,
dahin lachend nun der Quell den Pfad mir wies;
die, dort geboren,
mein Herz erkoren,
der Erde lieblichstes Bild,
als Muse mir geweiht,
so heilig hehr als mild,
ward kühn von mir gefreit,
am lichten Tag der Sonnen,
durch Sanges Sieg gewonnen
Parnass und Paradies!"


VOLK
Gewiegt wie in den schönsten Traum,
hör' ich es wohl, doch fass' es kaum.
Reich' ihm das Reis,
sein sei der Preis;
keiner wie er so hold zu werben weiss!

DIE MEISTER
(sich erhebend)
Ja, holder Sänger, nimm das Reis;
dein Sang erwarb dir Meisterpreis!

POGNER
(mit grosser Ergriffenheit
zu Sachs sich wendend)
O Sachs! Dir dank' ich Glück und Ehr':
vorüber nun all' Herzbeschwer'!

EVA
(zu Walther)
Keiner wie du so hold zu werben weiss!
(Walther ist auf die Stufen der Singerbühne geleitet worden und lässt sich dort vor Eva auf die Knie nieder)
(Eva, die vom Anfang des Auftrittes her in sicherer, ruhiger Haltung verblieben und bei allen Vorgängen wie in seliger Geistesentrücktheit sich verhalten,
hat Walther unverwandt zugehört;
jetzt während am Schlusse der dritten Strophe Volk und Meister gerührt und ergriffen,
unwillkürlich ihre Zustimmung ausdrücken, erhebt sie sich,
schreitet an den Rand der Singerbühne und drückt auf die Stirn Walthers,
welcher zu den Stufen herangetreten ist und vor ihr sich niedergelassen,
einen aus Lorbeer und Myrten geflochtenen Kranz;
vorauf dieser sich erhebt, und von ihr zu ihrem Vater geleitet wird,
vor welchem beide niederknien:
Pogner streckt segnend seine Hände über sie aus)

SACHS
(zum Volk gewandt, auf Walther und Eva deutend)
Den Zeugen, denk' es, wählt' ich gut:
tragt ihr Hans Sachs d'rum üblen Mut?


VOLK
(bricht schnell und heftig in jubelnder Bewegung aus)
Hans Sachs! Nein! Das war schön erdacht!
Das habt ihr einmal wieder gut gemacht!

MEISTERSINGER
(feierlich zu Pogner sich wendend)
Auf, Meister Pogner! Euch zum Ruhm,
meldet dem Junker sein Meistertum!

POGNER
(mit einer goldenen Kette,
dran drei grosse Denkmünzen,
zu Walther)
Geschmückt mit König Davids Bild,
nehm' ich euch auf in der Meister Gild'!

WALTHER
(mit schmerzlicher Heftigkeit abweisend)
Nicht Meister! Nein!
(Er blickt zärtlich auf Eva)
Will ohne Meister selig sein!
(Alles blickt mit grosser Betroffenheit auf Sachs)

SACHS
(schreitet auf Walther zu und fasst ihn
bedeutungsvoll bei der Hand)
Verachtet mir die Meister nicht,
und ehrt mir ihre Kunst!
Was ihnen hoch zum Lobe spricht,
fiel reichlich euch zur Gunst.
Nicht euren Ahnen noch so wert,
nicht eurem Wappen, Speer noch Schwert,
dass ihr ein Dichter seid,
ein Meister euch gefreit,
dem dankt ihr heut' eu'r höchstes Glück.
Drum denkt mit Dank ihr dran zurück,
wie kann die Kunst wohl unwert sein,
die solche Preise schliessest ein?
Das uns're Meister sie gepflegt
grad' recht nach ihrer Art,
nach ihrem Sinne treu gehegt,
das hat sie echt bewahrt:
blieb sie nicht adlig, wie zur Zeit,
da Höf' und Fürsten sie geweiht,
im Drang der schlimmen Jahr'
blieb sie doch deutsch und wahr;
und wär' sie anders nicht geglückt,
als wie wo alles drängt und drückt,
ihr seht, wie hoch sie blieb im Ehr':
was wollt ihr von den Meistern mehr?
Habt Acht! Uns dräuen üble Streich':
zerfällt erst deutsches Volk und Reich,
in falscher wälscher Majestät
kein Fürst bald mehr sein Volk versteht,
und wälschen Dunst mit wälschem Tand
sie pflanzen uns in deutsches Land;
was deutsch und echt, wüsst' keiner mehr,
lebt's nicht in deutscher Meister Ehr'.
Drum sag' ich euch:
ehrt eure deutschen Meister!
Dann bannt ihr gute Geister;
und gebt ihr ihrem Wirken Gunst,
zerging' in Dunst
das heil'ge röm'sche Reich,
uns bliebe gleich
die heil'ge deutsche Kunst!


(Während des folgenden Schlussgesanges nimmt Eva den Kranz von Walthers Stirne
und drückt ihn Sachs auf;
dieser nimmt die Kette aus Pogners Hand und hängt sie Walther um.
Nachdem Sachs das Paar umarmt,
bleiben Walther und Eva zu beiden Seiten an Sachsens Schultern gestützt;
Pogner lässt sich, wie huldigend, auf ein Knie vor Sachs nieder.
Die Meistersinger deuten mit erhobenen Händen auf Sachs, als auf ihr Haupt.
Alle Anwesenden schliessen sich dem Gesange des Volkes an)

VOLK
Ehrt eure deutschen Meister,
dann bannt ihr gute Geister;
und gebt ihr ihrem Wirken Gunst,
zerging' in Dunst
das heil'ge röm'sche Reich,
uns bliebe gleich
die heil'ge deutsche Kunst!
(Als es hier zu der bezeichneten
Schlussgruppe gelangt ist, schwenkt
das Volk begeistert Hüte
und Tücher; die Lehrbuben
tanzen und schlagen jauchzend
in die Hände)
Heil! Sachs!
Nürnbergs teurem Sachs!

(Der Vorhang fällt)
SCENE FIVE

During the interlude the scene changes.
The stage now represents an open meadow;
in the distance at the back the town of Nuremberg.
The river Pegnitiz winds across the meadow.
Boats gaily decorated with flags continually discharge fresh parties of burghers of the different guilds with their wives and families on the bank by the festival meadow.
A raised stand with benches on it is erected on the right,
already adorned with the flags of the guilds that have arrived earlier;
as the scene opens the standard-bearers of freshly arriving guilds
also place their banners against the Singers' stage,
so that it is eventually quite closed in on three sides by them.
Tents with all kinds of refreshments border the sides of the open space in front.
Before the tents there is much merry-making:
burghers and their families sit or lie around them.
The apprentices of the Mastersingers, in holyday attire,
finely decked out with ribbons and flowers
and bearing slender wands, also ornamented,
merrily fulfil the office of heralds and stewards.
They receive the newcomers on the bank, arrange them in procession and conduct them to the stand,
whence, after the standard-bearer has deposited his banner,
the burghers and journeymen disperse among the tents.
Just after the change of scene,
the shoemakers are received on the bank in the manner mentioned and led to the foreground.

THE SHOEMAKERS
(marching past with flying banner)
Saint Crispin,
praise him!
He was a very holy man,
showed what a cobbler can do.
The poor had a good time,
he made them warm shoes,
and if no one would lend him the leather
he stole it for his purpose.
The cobbler has a broad conscience,
makes shoes even when there are obstacles;
and as soon as the skin has left the tanner's,
then it's stretch! stretch! stretch!
Leather is of use only in the right place.

(The town watchmen enter with trumpets and drums,
followed by the town pipers, lute-makers, etc.)

THE TAILORS
(marching up with flying banner)
When Nuremberg was besieged
and there was famine,
the city and the whole land would have been ruined
if a tailor hadn't been at hand
who had much courage and sense:
he sewed himself into a goatskin
and went walking on the city wall,
and capered there
merrily and cheerfully.
The enemy sees this and withdraws:
the devil may take the city
if there are still such merry bleaters there!
Me-e-eh! Me-e-eh! Me-e-eh!
Who'd think there was a tailor inside the goat!

THE BAKERS

Famine! Famine!
What hideous suffering!
If the baker didn't give you your daily bread,
everyone would die.
Bake! Bake! Bake!
Each day on the spot!
Take away our hunger!

(A gaily painted boat, filled with young girls in fine peasant costumes, arrives.
The apprentices go to the bank)

APPRENTICES
Hurrah! Hurrah! Girls from Fürth!
Town pipers, play! Make it merry!
(The apprentices help the girls out of the boat)
(Dance of the Apprentices)

(David advances from the landing-place)

DAVID
You're dancing? What will the Masters say?
(The boys make faces at him)
You won't listen? Then I'll enjoy myself too!

(David seizes a young and pretty girl and mingles in the dance with great ardour.
The onlookers are amused and laugh)

APPRENTICES

David! David! Lena's looking!

(David is alarmed and hastily releases the maiden, but seeing nothing,
seizes the girl again and resumes his dancing with even more ardour)

DAVID
Ah! leave me in peace with your jokes!

(The boys try to take David's girl from him, but he deftly outwits them)

JOURNEYMEN
(at the landing-place)
The Mastersingers!

APPRENTICES
The Mastersingers!

(The apprentices at once break off their dance and hasten to the bank)

DAVID
Heavens! Farewell, you pretty young things!
(He gives the maiden an ardent kiss
and tears himself away)

(The apprentices arrange themselves to receive the Mastersingers: all stand back for them.
The Mastersingers arrange their procession on the bank.
When Kothner arrives in the foreground,
all wave their hats to greet the banner he is bearing
and which King David with his harp is depicted.
The Mastersingers' procession arrives on the Singers' platform,
where Kothner places his banner.
Pogner follows him, leading Eva by the hand;
she is attended by richly dressed maidens, among whom is Magdalena.
When Eva has taken the richly decorated place of honour,
with her maidens around her, and all the others,
the Masters on benches, the journeymen standing behind them,
have also taken their places,
the apprentices solemnly advance in rank and file before the stand,
turning to the people)

APPRENTICES
Silence! Silence!
No talking and no murmuring!

(Sachs rises and steps forward.
At sight of him all nudge each other;
hats and caps are taken off:
all point at him)

THE PEOPLE
Ha! Sachs! It's Sachs!
Look, Master Sachs!
Begin! Begin! Begin!

(All those sitting rise; then men remain with uncovered heads.)
(Sachs excepted, all those present sing the following stanza)

ALL
"Awake! the dawn is drawing near;
I hear a blissful nightingale
singing in the green grove,
its voice rings through hill and valley;
night is sinking in the west,
the day arises in the east,
the ardent red glow of morning
approaches through the gloomy clouds."

(The chorus of the people continue to sing alone;
the Masters on the platform as well as all those who had joined in the song
watch the people's elation)

(The people again become excited and jubilant)

THE PEOPLE
Hail! Sachs! Hail to you, Hans Sachs!
Hail to Nuremberg's dear Sachs!

SACHS
(Sachs, who as if rapt, has stood motionless,
gazing far away beyond the multitude,
at last turns a genial glance on them,
and begins in a voice at first trembling
with emotion but soon gaining firmness:)
You take it lightly, but for me you make it hard;
you do me, poor man, too much honour.
If I must submit to honour,
let it be that of seeing myself loved by you.
Great honour has already been done me,
when today I was named as spokesman,
and what my speech shall tell you,
belive me, is full of high honours.
If you already honour Art so highly,
it was necessary to prove
that he who cleaves to it for its own sake
esteems it above all prizes.
A Master, rich and high-minded,
will show you this today:
his little daughter - his greatest treasure,
with all his goods and possessions -
to the singer who in the song-contest
wins the prize before all the people,
as crown for the highest prize
he offers her as reward.
So hear, and agree with me:
the contest is open to the Poet.
You Masters who are bold to try,
I proclaim it to you before the people:
consider the contest's rare prize,
and whoever shall succeed,
let him know himself pure and noble,
in wooing as in singing,
if he will win the laurels
which never yet, among moderns or ancients,
were set so splendidly high
as by this lovely pure maiden,
who shall never regret
that Nuremberg with highest worth
honours Art and its Masters.


(Great stir among those present.
Sachs approaches Pogner)

POGNER
(presses Sachs's hand, deeply moved)
O Sachs! My friend! How worthy of thanks!
You know well what makes my heart heavy!

SACHS
(to Pogner)
You've risked much! Now have courage!
Mister Marker! Say, how is it? Good?


(He turns to Beckmesser, who during the procession and ever since
has been continually taking the poem out of his pocket
trying to commit it to memory,
and constantly wiping the perspiration from his brow in despair)

BECKMESSER
Oh, this song! I can't get it,
and yet I've studied away at it long enough!


SACHS
My friend, it's not being forced on you.

BECKMESSER
What use is that? My own's song out;
it was your fault! Now be kind to me!
I would be disgraceful if you left me in the lurch!


SACHS
I should have thought you'd give it up.

BECKMESSER
A fine idea!
I'll outsing all the others
if you'll only not sing.


SACHS
Then see what happens.

BECKMESSER
The song! I'm sure no one will understand it:
but I'm basing my hopes on your popularity.


SACHS
Well then, if Masters and people agree,
let the song contest begin.


KOTHNER
(advancing)
Bachelor Masters, make ready!
The eldest shall appear first!
Herr Beckmesser you shall begin, it's time!

(The apprentices lead Beckmesser to a little mound of turf
which they have beaten solid and richly bestrewn with flowers.
Beckmesser strumbles up it, treades uncertainly and totteres)

BECKMESSER
The devil! How wobbly! Make it nice and firm!

(The boys snigger and vigorously beat the turf)

THE PEOPLE
What, him? He's wooing? Doesn't seem to me to be the right man!
In the daughter's place I shouldn't want him.
Be quiet! He's a very able Master!
Quiet! Stop joking!
He has a vote and a seat in the council.
Ah, he can't even stand up straight!
How will he get on?
He's the Town Clerk, he's called Beckmesser.
Heavens! What a booby!
He's almost falling over!

APPRENTICES
(drawn up in order)
Silence! Silence!
No talking and no murmuring!

KOTHNER
Begin!

(Beckmesser, at last settled on the mound of turf,
bows first to the Masters, then to the people,
and finally to Eva, who turns away from him.
In strumming a prelude he give himself courage)

BECKMESSER
"In the morning I shine in a rosy light,
with blood and scent
the air moves fast;
probably soon won,
as if dissolved;
in the garden I invited
horrid and fine."

(Beckmesser settles his feet more securely)

THE MASTERS
(softly to one another)
My! what's that? Is he out of his mind?
Where does he get such thoughts from?
THE PEOPLE
Strange! D'you hear? Whom did he invite?
Did we understand aright? How can that be?

(Beckmesser having taken a peep at the manuscript,
then anxiously, slipping it back intohis pocket)

BECKMESSER
"I live passably in the same place,
fetch gold and fruit,

(another peep at the manuscript)
lead-juice and weight.
The aspirant
fetches me from the pillory,
on airy paths I scarcely
hang from the tree."


(He totters again and tries to read the paper)

MASTERSINGERS
What does this mean? Is he just mad?
His song is quite full of nonsense!

THE PEOPLE
A fine wooer! He's getting his reward.
He'll soon be on the gallows, we can see it now!

BECKMESSER
(pulling himself together,
full of despair and rage)
"I secretly grow afraid
because things are going to get merry here:
by my ladder
stood a woman;
she shamed and did not want
look at me;
as pale as a cabbage,
hemp wound about my body;
blinking its eye
the dog blew wavingly
what I long devoured,
like fruit, and wood and horse
from the tree of liver."


(All burst into a peal of loud laughter.
Beckmesser descending the mound angrily and hastening to Sachs)

BECKMESSER
Damned cobbler! It's you I thank for that!
The song is not by me at all:
by Sachs, who is so highly revered here,
by your Sachs it was given to me!
The disgraceful fellow has bullied me,
palmed off his dreadful song on me.

(He rushes away furiously
and disappears in the crowd)

THE PEOPLE
My! What does that mean? Things are growing every more confused!
The song by Sachs? That would amaze us!

KOTHNER
(to Sachs)
Explain, Sachs!

NACHTIGALL
(to Sachs)
What a scandal!

VOGELGESANG
(to Sachs)
By you, the song?

ORTEL AND FOLTZ
What a strange occurence!

SACHS
(who has quietly picked up the paper
which Beckmesser threw away)
The song in truth is not by me:
Herr Beckmesser is wrong in every respect!
How he came by it he himself may say;
but I should never dare to boast
that a song a s beautifully conceived as this
had been composed by me, Hans Sachs.


THE MASTERSINGERS
What? Beautiful? The song? This confused rubbish?

THE PEOPLE
Listen, Sachs is joking! He only says it for fun.

SACHS
I tell you, gentlemen, the song is beautiful:
only, it's easy to see at a glance
that friend Beckmesser has distorted it.
But I swear it will please you
if someone in this gathering were to sing
the words and music properly.
And whoever managed it would at the same time show
that he was poet of the song,
and he would rightly be named Master
if he were to find just judges.
I am accused and I must stand trial:
so let me choose my witness!
If anyone is present who knows me to be right,
let him enter this circle as witness!

(Walther advances from out of the crowd.
General stir)

Give witness that this song is not by me;
and give witness also that what I have here
said of this song
is not an exaggeration.

THE MASTERSINGERS
How artful! Well, Sachs, you are very artful!
But we'll let pass for today.

SACHS
The value of a rule can be appreciated
when sometimes it allows an exception.


THE PEOPLE
A good witness, proud and bold!
Methinks good come of him.

SACHS
Master and people are of a mind
to hear what my witness can do.
Herr Walther von Stolzing, sing the song!
Masters, read, see if he brings it off.

(He gives Kothner the paper to follow)

APPRENTICES
(drawn up in order)
All is expectancy, there's not a murmur:
so we shall not call "Silence!"

(Walther mounts the mound with proud and firm steps)

WALTHER
"Shining in the rosy light of morning,
the air heavy
with blossom and scent,
full of every
unthought-of-joy,
a garden invited me

(Kothner is so moved
that he drops the sheet which he had started reading,
together with other Masters:
he and the others listen with increasing attention)

and, beneath a wondrous tree there,
richly hung with fruit,
to behold in blessed dream of love,
boldly promising fulfilment
to the highest of joy's desires,
the most beautiful woman:
Eva in Paradise."


MASTERSINGER
(softly, aside)
Yes, indeed! I see, it makes a difference
if one sings it wrong or right.

THE PEOPLE
That's another matter, who'd have thought it?
What a difference the right words and the proper delivery make!

SACHS
Witness, here present,
continue!


WALTHER
"In the evening twilight, night enfolded me;
on a steep path
I had approached
a spring
of pure water,
which laughed enticingly to me:
there beneath a laurel-tree,
with stars shining brightly through its leaves,
in a poet's waking dream I beheld,
holy and fair of countenance,
and sprinkling me with the precious water,
the most wonderful woman,
the Muse of Parnassus!"


MASTERSINGERS
It's bold and strange, that's true:
but well-rhymed and singable.

THE PEOPLE
So gracious and familiar, however far off it soars,
but we seem to be experiencing ti with him!

SACHS
Well-chosen witness!
Continue and conclude!


WALTHER
"Most gracious day,
to which I awoke from a poet's dream!
The Paradise of which I had dreamed
in heavenly, new-transfigured splendour
lay bright before me,
to which the spring laughingly now showed me the path;
she, born there,
my heart's elect,
earth's loveliest picture,
destined to be my Muse,
as holy and grave as she is mild,
was boldly wooed by me;
in the sun's bright daylight,
through victory in song, I had won
Parnassus and Paradise!"


THE PEOPLE
Lulled as if in most beautiful dream
I hear it well, but scarcely grasp it!
Give him the chaplet!
His the prize!
No one can woo like him!

THE MASTERS
(rising)
Yes, gracious singer! Take the wreath!
Your song has won you the Masters' prize.

POGNER

O Sachs! I owe you happiness and honour.
Past now are all the cares of my heart!

EVA
(to Walther)
No one can woo as graciously as you!

(Walther has been led up the steps of the Singers' platform
and there sinks before Eva on one knee)



SACHS
(to the people, pointing to Walther and Eva)
The witness, I think, I chose well:
do you bear ill will against Hans Sachs for doing so?


THE PEOPLE
(jubilantly)
Hans Sachs! No! You thought it out excellently!
You've made everything right again now!

MASTERSINGERS
(solemnly, to Pogner)
Up, Master Pogner! Let it be your honour
to annunce to the knight his Mastership!

POGNER
(bringing forward a gold chain
with three medallions,
to Walther)
Adorned with King David's picture
I take you up into the Guild of Masters!

WALTHER

Not Master! No!
(He looks tenderly at Eva)
I will be happy without Masterhood.
(All look disconcertedly towards Sachs)

SACHS
(going towards Walther and grasping
him meaningfully by the hand)
Scorn not the Masters, I bid you,
and honour their art!
What speaks high in their praise
fell richly in your favour.
Not to your ancestors, however worthy,
not to your coat-of-arms, spear, or sword,
but to the fact that you are a poet,
that a Master has admitted you -
to that you owe today your highest happiness.
So, think back to this with gratitude:
how can the art be unworthy
which embraces such prizes?
That our Masters have cared for it
rightly in their own way,
cherished it truly as they thought best,
that has kept it genuine:
if it did not remain aristocratic as of old,
when courts and princes blessed it,
in the stress of evil years
it remained German and true;
and if it flourished nowhere
but where all is stress and strain,
you see how high it remained in honour -
what more would you ask of the Masters?
Beware! Evil tricks threaten us:
if the German people and kingdom should one day decay,
under a false, foreign rule
soon no prince would understand his people;
and foreign mists with foreign vanities
they would plant in our German land;
what is German and true none would know,
if it did not live in the honour of German Masters.
Therefore I say to you:
honour your German Masters,
then you will conjure up good spirits!
And if you favour their endeavours,
even if the Holy Roman Empire
should dissolve in mist,
for us there would yet remain
holy German Art!

(During the following Eva takes the wreath from Walther's head and places it on Sachs's;
he takes the chain from Pogner's hand and puts it round Walther's neck.
After Sachs has embraced the young couple,
Walther and Eva lean against Sachs, one on each side;
Pogner sinks on his knee before him as if in homage.
The Mastersingers point to Sachs, with outstretched hands, as to their chief.
All those present - finally also Walther and Eva - join in the people's song)

THE PEOPLE
Honour your German Masters,
then you will conjure up good spirits!
And if you favour their endeavours,
even if the Holy Roman Empire
should dissolve in mist,
for us there would yet remain
holy German Art!
(While the apprentices
clap their hands and
shout and dance,
the people wave hats
and kerchiefs in their
enthusiasm)
Hail, Sachs!
Nuremberg's dear Sachs!
-Bayreuth-1999 shorttag-2 shorttag-3 shorttag-4 shorttag-5 shorttag-6

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